Einmal Fisch mit Spinat, bitte!

Thementage „Ernährung“: Besuch in der Stadtschulen-Mensa

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Sie guckt, als wollte sie sagen: „Hey, ich will in Ruhe essen.“

Rotenburg - Von Guido Menker. Die Entscheidung fällt nicht leicht. Pfannkuchen mit Vanille-Soße oder Fisch mit Spinat und Kartoffeln als Beilage? Bei den Kindern steht die Süßspeise eindeutig auf Platz eins. Der Redakteur wählt bei seinem Besuch in der Mensa der Rotenburger Stadtschule die gesunde Variante. Und: Es schmeckt! Die Kinder geben ein ähnliches Urteil ab – mehr oder weniger stillschweigend. Denn kaum haben sie sich an der Ausgabetheke ihr Mittagessen abgeholt und es sich am Tisch bequem gemacht, setzt so etwas wie Ruhe ein.

Wenige Minuten zuvor. Anja Fahrenholz-Rast und Uta Ahrend haben die vom Matthias-Claudius-Heim am Berliner Ring angelieferten Boxen mit dem heißen Essen in der Theke platziert. Nun warten sie auf die Kinder, die bereits vor der Tür stehen. In einer Schlange, in der es diszipliniert zugeht. Nach und nach kommen die Mädchen und Jungen herein, greifen in den Besteckkorb und gehen langsam zur Ausgabe. Sie legen ihren Bezahlchip auf das Lesegerät, warten auf das „grüne Licht“, halten ihr Tablett bereit und steuern anschließend recht sicher einen der 38 Plätze in der Mensa an.

„Es ist ein Behelf“, sagt Schulleiterin Susanne Enders. Ein früherer Klassenraum muss herhalten, weil eine richtige Mensa erst noch gebaut werden soll. Im nächsten, vielleicht auch erst im übernächsten Jahr wird sie fertig. „So lange müssen wir noch improvisieren“, erklärt Enders. Der Raum sei zwar hell und luftig, aber es ist eng. Für die ersten beiden Jahrgänge beginnt das Essen gegen 11.45 Uhr. Eine Stunde später folgen die dritten und vierten Klassen. 260 Kinder gehen in die Stadtschule. 

Diese junge Dame aus der Einschulungsklasse hat sich kurz vor Weihnachten für eine Süßspeise entschieden: Pfannkuchen mit Vanille-Soße. Und für alle Schüler steht in der Mensa reichlich Wasser auf den Tischen.

160 von ihnen nutzen mindestens einen der vier Tage im offenen Ganztagsangebot. Einige bringen sich ihr eigenes Essen von zu Hause mit. Der Großteil nutzt aber das Angebot der Schule. 3,50 Euro zahlen ihre Eltern dafür pro Tag. Geschirr und Besteck gehören der Schule, gespült wird es aber im MCH. „Wir haben dafür keine Möglichkeiten in der Schule“, erklärt Enders.

Das Bemühen zur gesunden Ernährung sei da, sagt die Schulleiterin. Hinsichtlich des Angebots von Obst und Gemüse gebe es recht klare Vorgaben, an die sich der Koch zu halten habe. Darüber hinaus nimmt die Stadtschule an einem EU-Schulprogramm teil, bei dem sie wöchentlich mit frischem Obst und Gemüse für alle Schüler versorgt wird.

Das mit dem Tablett ist manchmal gar nicht so einfach.

Jede Klasse bekommt eine Kiste mit einer bunten Auswahl an Bio-Leckereien. „Und ja, die Kinder greifen zum größten Teil sehr gerne zu“, weiß die Schulleiterin zu berichten. Zurzeit beziehen sie ein sogenanntes Gemüse-Abo. „Das Obst und das Gemüse sind von toller Qualität“, schwärmt Susanne Enders. Bio-Ware, die allerdings nicht nur aus regionalem Anbau stammt. 

Dennoch: Der Lieferant klärt mit Zetteln Woche für Woche darüber auf, woher die Ware kommt. Das ist spannend für die Kinder. Das mit den Gemüsekisten ist aber nicht nur eine Sache zwischen den Kindern und ihren Lehrern: Auch die Eltern nimmt die Schule mit ins Boot. „Wir haben mehrere Schnibbeleltern, die einmal in der Woche kommen und das Gemüse für den Verzehr vorbereiten. Das läuft richtig super“, zeigt sich die Chefin der Schule vollends begeistert.

Eine Kinderportion für den Redakteur. Fisch, Kartoffeln und Spinat. Das muss reichen. Am Abend geht’s ja noch zur Weihnachtsfeier.

Gesunde Ernährung, fügt sie hinzu, sei ein ganz wichtiger Bestandteil in der schulischen Arbeit. Dass das erforderlich ist, zeigten immer wieder einige Kinder, die morgens – ohne gefrühstückt zu haben – das Haus verlassen und irgendwann auch mal im Sekretariat anklopfen, weil der Magen knurrt. „Für solche Fälle finden wir immer auch eine Lösung“, sagt Susanne Enders. Helfen kann in solchen Momenten auch die Gemüsekiste im Klassenraum.

Klar, viele Kinder bringen sich auch etwas zu essen mit in die Schule. Aber ist das auch gesund? „Oftmals nicht“, so Enders. Viel Weißbrot sehe sie da, und auch süße Riegel befänden sich vielfach in den Dosen.

Susanne Enders checkt ihren Mensa-Chip am Automaten.

Es sei das eine, die Kinder für gesundes Essen zu sensibilisieren, aber das andere, dieses Gefühl dafür immer auch auf die Eltern zu übertragen. Das gelinge nicht automatisch. Dennoch lässt die Schule da nicht locker.

Es gibt einen Schulgarten, und daran haben nicht nur die Lehrer ihre Freude. Das Schöne daran: Im Nachmittagsangebot der Ganztagsschule gibt es unter anderem eine Gruppe für Kochen und Backen. „Die ist immer der Renner. In einer kleinen Schulküche können sich die Mädchen und Jungen selbst daran versuchen, etwas Leckeres zuzubereiten – und dann kommen eben auch Produkte in den Topf, die sie zuvor selbst haben wachsen sehen.

Anja Fahrenholz-Rast (r.) und Uta Ahrend haben den Laden im Griff.

Die Kinder, die die Stadtschule besuchen, kommen aus 18 verschiedenen Nationen. Da kann es dann schon mal passieren, dass gerade die Eltern muslimischen Glaubens etwas skeptisch auf den Speiseplan schauen, der meistens zwei Wochen im Voraus einsehbar ist. „Es ist aber nicht so, dass sie grundsätzlich auf das Mensaangebot verzichten. Das sind eher Einzelfälle“, berichtet die Schulleiterin.

Der Redakteur ist satt. Und ganz so, wie es auch die Kinder machen, räumt er seinen Platz auf, bringt Besteck und Teller weg, bedankt sich bei den beiden Damen am Tresen und will gehen. Obwohl er ganz kurz ernsthaft darüber nachdenkt, sich einen Nachschlag zu holen. Denn der Pfannkuchen mit Vanille-Soße sieht wirklich verdammt lecker aus. Aber nein, am Abend gibt’s ja noch die Weihnachtsfeier.

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