Einigung vor dem Amtsgericht

1000 Euro statt eines Urteils

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Mediengruppe Kreiszeitung

Rotenburg - Von Michael Krüger. Erziehungsratgeberin, Mediatorin, Therapeutin: Es sind ganz unterschiedliche Rollen, die die Rotenburger Strafrichterin Petra Stein-Simon im Amtsgericht einnehmen muss. Am Donnerstag kamen viele von ihnen wieder zusammen – in einer vertrackten Familiengeschichte, die schon seit Jahren auch juristisch relevante Vorfälle produziert.

Der Auslöser, der zur gestrigen Hauptverhandlung führen sollte, liegt bereits ein Jahr zurück: Am 10. Februar hatte der 49-jährige Angeklagte das Grundstück seiner ehemaligen Lebensgefährtin in Visselhövede betreten, wo diese mit der gemeinsamen Tochter, damals acht Jahre alt, wohnt. Das ist ihm aber gerichtlich untersagt. Es kam zum Streit mit dem neuen Lebensgefährten, es wurde schnell handgreiflich. Der Angeklagte soll einen Blumenkübel auf den Widersacher geworfen haben, im gegenseitigen Gerangel flogen anschließend die Fäuste, der 49-Jährige setzte Reizgas ein. Auch wenn der Beschuldigte rassistisch beleidigt worden sein soll, gilt er als Verursacher und damit Verantwortlicher der Auseinandersetzung. Vor Gericht heißt das: angeklagt wegen gefährlicher Körperverletzung.

Bereits im September waren die Beteiligten im Amtsgericht erschienen, damals war eine Mediation angeregt worden. Doch die schlug fehl. Nun sollte die Sache also gerichtlich verhandelt werden. Allerdings legte Richterin Stein-Simon auch gestern den Beteiligten nahe, weiter zu versuchen, ohne Verhandlung und Richterspruch eine Lösung herbeizuführen. Der Vorteil daran: Die Tochter müsse nicht „zwischen den Stühlen“ zwischen ihrem Vater als Angeklagten und der Mutter als Nebenklägerin aussagen. Diese Belastung sollte ihr doch erspart bleiben. Auch wären die Kosten bei dem sehr wahrscheinlichen Schuldspruch nach den bislang vorliegenden Zeugenaussagen auch das Kindes gegenüber der Polizei für den 49-Jährigen noch viel höher.

Die Anwälte handelten einen Täter-Opfer-Ausgleich nach Paragraph 153a der Strafprozessordnung aus. Nach diesem kann unter Auflagen von der Verfolgung der Straftat durch den Staat abgesehen werden. Längere Gespräche mit dem zunächst uneinsichtigen Angeklagten führten schließlich doch noch dazu, dass er sich dazu bereit erklärte. 1000 Euro soll er nach diesem „Deal“ an den Geschädigten zahlen. Derzeit ist der 49-Jährige jedoch weitgehend mittellos und lebt von Hartz IV. Monatliche Raten von zunächst 30 Euro reichten aber aus, so die Einigung. Der Mann gilt mit der Einstellung des Verfahrens auch nicht als vorbestraft.

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