Interview

Kreis-Abfallberaterin Theresa Thal über korrekte Mülltrennung

Die Deutschen sind Europameister im Mülltrennen. Doch in welche Tonne welcher Abfall gehört, weiß offenbar nicht jeder.
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Die Deutschen sind Europameister im Mülltrennen. Doch in welche Tonne welcher Abfall gehört, weiß offenbar nicht jeder.

Rotenburg – Abfälle sind ihr täglich Brot: Theresa Thal aus Byhusen ist bei der Rotenburger Kreisverwaltung als Abfallberaterin tätig. Das Müll-ABC kennt die 27-Jährige aus dem Effeff. Im Interview spricht sie über Abfalltrennung, gewisse Müll-Mythen und warum es mit der Auslieferung der Gelben Tonne bisher noch nicht überall so recht klappen will.

Frau Thal, sich tagein, tagaus mit dem Müll von anderen zu beschäftigen, mag nicht jedermanns Sache sein. Ihnen scheint das offenbar aber Spaß zu machen.

Ja, das stimmt tatsächlich. Meistens komme ich ins Spiel, wenn Kunden sich nicht sicher sind, wie sie einen bestimmten Abfall entsorgen können, oder um ihnen die verschiedenen Möglichkeiten der Entsorgung aufzuzeigen. Da helfe ich gerne weiter, um nach den vorhandenen Möglichkeiten eine bestmögliche Trennung zu erreichen. Abfalltrennung, Wiederverwertung und Recycling sind wichtige Bestandteile beim Thema Nachhaltigkeit – und so interessieren sich immer mehr Menschen dafür. Das ist schön zu sehen.

Wird in Corona-Zeiten eigentlich mehr Müll produziert als sonst?

Die Entwicklung der Müllmengen im letzten Jahr ist mit den Entwicklungen in den Vorjahren vergleichbar. 2020 fielen im Landkreis 28 833 Tonnen Restabfall an, in 2019 waren es 28 366. Auch in den Jahren davor war eine leicht steigende Tendenz zu erkennen. Etwas auffälliger war die Beobachtung beim Sperrmüll. Die Anzahl der Anmeldungen sind im letzten Frühjahr und zum Jahresende stark angestiegen, sodass wir zeitweise eine Wartezeit von sieben Wochen auf einen Sperrmülltermin hatten. Auch die gesammelte Sperrmüllmenge ist angestiegen. Im Jahr 2020 wurden 7 582 Tonnen gesammelt, 2019 waren es nur 6 245. Hier haben auf jeden Fall viele Kunden die Zeit daheim zum Aufräumen oder oder Renovieren genutzt.

Wissen viele tatsächlich noch immer nicht, wie Müll richtig getrennt wird?

Das kann man gar nicht pauschal sagen. Einige wissen sehr gut Bescheid, andere sind sich noch unsicher. Jeder kommt irgendwann an den Punkt, etwas entsorgen zu wollen, ohne genau zu wissen wohin damit.

Und da kommt Ihre Beratungsstelle doch sicher ins Spiel.

Ja genau, auch für diese Fälle sind wir in der Abfallwirtschaft da. Schwerpunkt sind nicht ausschließlich Anfragen zur richtigen Entsorgung, es gibt oftmals auch Anfragen zur Abfallvermeidung und Interesse an den Wegen, die der Abfall aus dem Landkreis nimmt und was damit passiert.

Was macht die Abfallberatung noch?

Die Abfallberatung kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit und Kundenkommunikation des Abfallwirtschaftsbetriebs. Wir bieten eine App namens „Abfall plus“ an. Von der können sich die Kunden zum Beispiel an ihre Entsorgungstermine erinnern lassen. Ich kümmere mich um die Pflege und darum, die App aktuell zu halten, genauso wie auch um die Internetseite. Aktuelle Abfallthemen werden aufbereitet über diese Kommunikationswege veröffentlicht und an die Presse gegeben. Darüber hinaus plane ich in Absprache mit den Entsorgungsunternehmen die Abfuhrtermine für den gesamten Landkreis, die dann auch die Grundlage für den jährlichen Abfallkalender sind. Außerdem biete ich für die Aufklärung über richtige Abfalltrennung verschiedene Projekte für Schulen und Kindergärten. Dazu gehört auch die Möglichkeit, die Entsorgungsanlage in Helvesiek zu besichtigen. Zu dortigen Führungen sind alle interessierten Gruppen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene herzlich eingeladen. Leider ist das aktuell aber aus bekannten Gründen noch nicht wieder möglich.

Ist der Service auch erste Anlaufstelle für Beschwerden?

Es gehen tatsächlich täglich mehrere Meldungen zu nicht geleerten Abfallbehältern oder noch nicht zugestellten Sperrmüllterminen bei uns ein. Diese Meldung bearbeitet jeder Mitarbeiter umgehend, damit zum Beispiel eine möglichst kurzfristige Nachleerung erfolgen kann. Grundsätzliche Beschwerden werden von mir bearbeitet. Dafür gehe ich dem Sachverhalt im Gespräch mit den Beteiligten auf dem Grund und versuche, eine Lösung für das Problem zu finden oder dem Kunden zu erklären, weshalb so gehandelt wird.

Bei Ihnen landen doch sicher auch viele Hinweise auf illegale Müllentsorgungen. Was tun Sie in diesen Fällen?

Leider gibt es diese immer wieder. Im Fall einer Meldung wird die untere Abfallbehörde des Landkreises informiert. Es wird versucht, einen Verursacher ausfindig zu machen, was sehr schwierig ist. In jedem Fall wird der Abfall geräumt und fachgerecht entsorgt. Vor allem bei Elektrogeräten ist eine illegale Entsorgung sehr ärgerlich – die Geräte werden schließlich kostenfrei zuhause abgeholt und an verschiedenen Sammelstellen entgegengenommen. Auch über den Handel können sie entsorgt werden.

Und dennoch werden sie nicht selten in der Natur entsorgt.

Das ist so, ja. Gerade bei Kühlgeräten, in denen sich noch Kühlflüssigkeit befindet, kommt es im Falle eines Auslaufens zu einem großen Umweltschaden.

Was war die originellste Anfrage, die Sie mal erreicht hat?

Ganz am Anfang, als ich vielleicht so drei Wochen da war, kam eine Anfrage über die Entsorgung einer Plazenta nach einer Hausgeburt. Das hat mich zu dem Zeitpunkt absolut überrascht, und da musste ich auch erstmal recherchieren. Solche und ähnlich ungewöhnliche Anfragen gibt es immer mal wieder. Die Plazenta kann übrigens in einer Tüte verschlossen über den Hausmüll entsorgt werden. Dann gab es mal den Fall, dass bei einem Restabfallcontainer radioaktive Strahlung gemessen wurde und dieser daher nicht in der Verbrennungsanlage entleert werden durfte. Der Container musste dort gesondert gestellt werden, Spezialkräfte haben ihn geöffnet und nach dem kontaminierten Stück gesucht. Es hat sich herausgestellt, dass eine Einlage kontaminiert war.

Wie war denn das möglich?

Bei bestimmten Therapien werden Medikamente verwendet, die noch nach der Ausscheidung strahlen. In der Regel soll man nach deren Einnahme seine Einlagen einige Tage liegen lassen, bis sie in den Restabfall dürfen. Der Zeitraum zwischen Ausscheidung und Müllabfuhr war in diesem Fall zu kurz, sodass bei der Anlieferung die Strahlung noch zu hoch war.

Wie sieht es mit gefährlichen Abfällen aus, wie und wohin werden diese entsorgt?

Gefährliche Abfälle können viermal im Jahr bei der mobilen Schadstoffsammlung und auf den Entsorgungsanlagen abgegeben werden. Die Schadstoffe werden in sehr viele Fraktionen sortiert und von einem beauftragten Entsorgungsunternehmen transportiert sowie entsorgt. Zu gefährlichen Abfällen zählen auch Elektrogeräte, die an verschiedenen Standorten entsorgt werden können. Elektrogroßgeräte werden nach Anmeldung auch zu Hause abgeholt. Die Entsorgung der Schadstoffe und von Elektrogeräten ist in haushaltsüblichen Mengen kostenfrei.

Theresa Thal ist Abfallberaterin beim Landkreis Rotenburg.

Sprechen wir über die Müll-Mythen. Papiertaschentücher kommen beispielsweise in den Papiermüll. Stimmt das?

Genutzte Papiertaschentücher gehören in den Restabfall. Mögliche Viren oder Bazillen, die nach dem Ausschnauben in dem Taschentuch sind, werden beim Papierrecycling nicht ausreichend abgetötet.

Und Flaschenverschlüsse – dürfen die mit in den Glascontainer?

Bei Verschlüssen und Deckeln ist es etwas schwieriger. Damit der Deckel in jedem Fall verwertet werden kann, sollte er getrennt über den Gelben Sack entsorgt werden. Es ist auch eine Entsorgung über den Glascontainer grundsätzlich möglich. Im Glasrecycling können Deckel und Verschlüsse aus Metall gut aussortiert und der Metallverwertung zugeführt werden. Allerdings werden Plastikdeckel nicht extra aussortiert, sondern mit allen anderen Störstoffen zusammen. Diese werden anschließend dem Restabfall zugeführt und somit verbrannt. Über den Gelben Sack haben Plastikdeckel eine größere Chance, verwertet zu werden.

Was sind weitere klassische Irrtümer?

Deckel und Joghurtbecher gehören beide in die Gelbe Tonne? Bitte nicht! Der Deckel besteht aus Aluminium, der Becher aus Plastik. Damit beides getrennt voneinander verwertet werden kann, bitte auch getrennt in den Verpackungsabfall werfen. Behältnisse auswaschen vor der Entsorgung: Das ist falsch. Weder Joghurtbecher noch ein Marmeladenglas müssen gespült werden. Die Faustregel besagt, dass leer und löffelreinausreichend ist. Ebenso eine falsche Annahme: Einweg ist genauso gut wie Mehrweg, denn die Mehrwegflaschen können gereinigt und direkt wiederverwendet werden. Einweg muss dagegen eingeschmolzen werden, bevor daraus neue Behältnisse entstehen. Das ist energieaufwendiger.

Was kann jeder einzelne von uns tun, um Müll zu vermeiden und nachhaltiger zu werden?

Abfall lässt sich relativ schnell vermeiden. Einfache Tricks sind möglichst unverpackt und regional einzukaufen. Der Einkauf sollte vorab geplant werden, sodass nur gekauft wird, was auch benötigt und aufgebraucht wird. Bei Spontaneinkäufen werden öfter Dinge gekauft, die nicht gebraucht und gegebenenfalls schlecht und dann weggeworfen werden. Beachtet werden kann außerdem, sich das Brot oder die Brötchen beim Bäcker direkt in die eigene wiederverwendbare Stofftasche einpacken zu lassen. Das geht an einigen Fleischtheken oder beim Metzger auch mit selbstmitgebrachten Dosen. Obst und Gemüse lässt sich im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt unverpackt einkaufen. Einkaufen gehen sollte man generell mit Korb oder Stofftasche, damit man an der Kasse nicht zur Plastiktüte greifen muss. Auf dem Weg zur Arbeit kann man sich auch den Kaffee für unterwegs von zuhause im Thermobecher mitnehmen oder unterwegs direkt in den Thermobecher füllen lassen. Grundsätzlich sind Behältnisse, die öfter verwendet werden können, immer empfehlenswert. So können neben den bekannten Getränken auch Joghurt und Milch im Pfandmehrwegglas gekauft werden. Der Einkauf vor Ort ist in der Regel empfehlenswerter, als im Internet zu bestellen. Durch online Bestellungen steigt das Aufkommen von Verpackungsabfällen.

Zuletzt waren Sie auch in die Einführung der Gelben Tonne bei uns im Landkreis involviert. Mit deren Ausgabe hat es bisher aber nicht ganz reibungslos funktioniert.

Ja, da haben sie recht. Der Landkreis vergibt allerdings nicht den Auftrag für die Austeilung und Entsorgung der Gelben Tonnen – das läuft über die Dualen Systeme Deutschland. Die Gelben Säcke werden flächendeckend noch mitgenommen, sodass jeder seine Verpackungsabfälle entsorgen kann. Gelbe Säcke erhält man inzwischen auch ohne Vorlage eines Coupons. Und die Abholung der Gelben Tonnen und noch Säcke funktioniert von Anfang an sehr gut, da erreichen uns wenige Beschwerden.

Zur Person

Theresa Thal lebt in Byhusen, einem Ortsteil der Gemeinde Farven in der Samtgemeinde Selsingen. Seit 2016 ist sie im Landkreis als Abfallberaterin tätig – zu der Stelle war sie seinerzeit als Quereinsteigerin gekommen. In ihrer Freizeit spielt die 27-Jährige gerne Fußball oder geht Laufen.

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