Saisonstart: Spargelbauer Friedrich Kettenburg und Tochter Franziska sprechen über Hof und Ernte

„Einige Handgriffe nötig“

Die Spargelsaison hat begonnen: Auch auf den Feldern von Franziska Kettenburg und ihrem Vater Friedrich (rechts) werden die weißen Stangen von den Spargelstechern aus der Erde geholt. Heute ist Erntehelfer Adrian Borhan im Einsatz. - Foto: Warnecke

Unterstedt - Von Lars Warnecke. Nachfragen in den vergangenen Tagen? „Ohne Ende. Im Laden, am Telefon“, sagt Franziska Kettenburg (31). Doch genug vertröstet: Nun geht es endlich in die neue Spargel-Saison.

Die ersten Feldarbeiter sind im Außendienst, weitere folgen. Auch in Unterstedt. Dort, auf einem rund sechs Hektar großen Feld, baut Vater Friedrich (61) das königliche Gemüse an. Mit welchem Aufwand das verbunden ist, worauf es bei gutem Spargel ankommt und wie sie zum Mindestlohn stehen – darüber haben wir uns mit den Beiden unterhalten.

Die Spargelsaison bricht jetzt wieder an. Wie ist für Sie die Ernte bisher verlaufen?

Friedrich Kettenburg: Wir legen ja gerade erst los. Zum ersten Mal haben wir eine Verfrühung durch Mini-Tunnel – und können feststellen, dass es da eine gewisse Gleichmäßigkeit in der Beerntung gibt.

Mini-Tunnel?

Friedrich Kettenburg: Ja, über eine schwarz-weiße Abdeckung direkt über dem Damm wird noch eine transparente Folie gespannt, die auf Metallbügeln liegt. Dadurch bekommt man zwischen der oberen und der unteren Folie ein Luftpolster, das die Temperaturschwankungen über Nacht ausgleicht. Der Damm wiederum kann sich darunter bei Sonneneinstrahlung sehr stark erwärmen – auch bei kühleren Außentemperaturen – und er erhält die Feuchtigkeit. Der Spargel wächst so schneller, man sagt auch zarter, und das ganz ohne zusätzliche Beregnung. Ganz zu schweigen von der besseren Qualität, die sich so im Mittel ernten lässt.

Inwiefern ist die besser?

Friedrich Kettenburg: Ein Spargel hat in unserer Gesellschaft weiß zu sein. Das ist für den Verbraucher ein optisches Qualitätsmerkmal. Sowie aber eine Spargelstange Licht erblickt, nimmt der Kopf eine violette Färbung an. Wenn ich nun eine schwarze Folie darüber lege, passiert das erst gar nicht.

Wann haben Sie denn die erste Ernte eingefahren?

Friedrich Kettenburg: Wir haben am Sonntag mit dem Anstechen angefangen; nachdem wir beschlossen haben, dass es sich nun auch wirklich lohnt.

Dabei beginnt die Saison traditionell doch eigentlich erst am 1. Mai und endet am 24. Juni.

Friedrich Kettenburg: So war das früher auch, stimmt. Wenn man die Ernte aber jetzt um 20 Tage vorverlegt, müsste man theoretisch auch früher aufhören. Der Kunde erwartet aber, dass er bis zum 24. Juni Spargel bekommt. Deshalb gibt es extra Spätsorten, die jetzt noch gar nicht wachsen würden. Wir als kleiner Anbauer praktizieren das nicht, die größeren schon. Die sind da auch flexibler mit dem zusätzlichen Anbau.

Warum hilft man dem Spargel überhaupt künstlich auf die Sprünge?

Franziska Kettenburg: Ehrlich gesagt, haben wir uns auch jahrelang dagegen gesträubt. Aber die Nachfrage ist nun einmal da – nicht so sehr vom privaten Kunden, eher von der Gastronomie. Und die sagt: Wenn ihr es nicht könnt, dann können es eben andere.

Wie arbeitsintensiv sind eigentlich Spargelfeder?

Friedrich Kettenburg: Sehr, das kann man schon sagen. Allerdings ist das auch abhängig davon, wie umfangreich man mit Folie arbeitet – also ob man Erntehilfen technischer Art einsetzt oder ob man nur das Stechen rechnen muss. Wenn man mit einer Erntehilfe arbeitet, kommt man bei der Beerntung schon mit ein- bis eineinhalb Personen je Hektar aus. Das heißt, man hebt die Folie mit einer Maschine an und lässt sie so auch wieder runter, sodass derjenige, der erntet, den Spargel nicht mehr suchen muss. Er hat ihn direkt vor sich. Dadurch lässt sich die Arbeitsleistung natürlich deutlich steigern.

Technisches Equipment ist die eine Sache, aber ohne zusätzliche Erntehelfer aus Fleisch und Blut geht es sicher auch nicht, oder?

Friedrich Kettenburg: Klar. Seit wir vor 26 Jahren mit dem Anbau gestartet sind, gehen uns ausländische Helfer zur Hand. Anfangs noch mit ausschließlich polnischen Arbeitskräften, inzwischen beschäftigen wir in der Beerntung nur noch rumänische. Polnische Helfer beschäftigen wir weiterhin bei der Spargelaufbereitung. Denn es ist ja nicht nur damit getan, das Gemüse zu ernten und in einem Korb zum Hof zu fahren. Nein, der Spargel muss schockgekühlt, gewaschen und sortiert werden. Da sind einige Handgriffe nötig.

Bringt Sie der Mindestlohn eigentlich manchmal auf die Palme?

Friedrich Kettenburg: Nein, wenn die Lohnkosten steigen, dann müssen wir über den Spargel diese Steigerung wieder reinbekommen. Das ist nicht einfach, aber diesem Zwang sind alle Anbauer unterworfen. Franziska Kettenburg: Momentan liegen wir auch noch unter dem Tarifvertrag zur Regelung der Mindestentgelte für Arbeitnehmer in der Land- und Forstwirtschaft und Gartenbau. Hier ist nicht ad hoc 8,50 Euro eingeführt worden, sondern es ist gestaffelt, und endet in zwei Jahren bei 9,10 Euro. Es gibt da einen gleitenden Übergang. Wir liegen in diesem Jahr bei acht Euro.

Und doch ist überall zu vernehmen, dass der Spargel jetzt 50 Cent teurer sein soll.

Franziska Kettenburg: Es stimmt, dass die Vereinigung der Spargelanbauer verlauten lassen hat, dass eine Anpassung wegen des Mindestlohns vorgenommen werden müsse. Diese Aussage ist in den Medien dann auch breit gestreut worden. Ob das so auch in der Praxis sein wird, werden wir sehen. Am Ende regelt sich der Markt eh von alleine, denn auch beim Spargel geht es um Angebot und Nachfrage. Das Hauptkriterium für den Preis ist immer noch das Wetter und die damit verbundene Ernte.

Ist Spargel eigentlich ein anspruchsvolles Gemüse?

Friedrich Kettenburg: Grundsätzlich nicht sonderlich – zumindest, was die Bodengüte betrifft. Klar, die Nährstoffe müssen schon entsprechend stimmen, wenn man dem Spargel aber einen besseren Boden anbietet, lassen sich natürlich auch höhere Erträge realisieren. Dadurch, dass heutzutage so gut wie alle Felder mit einer Folie abgedeckt sind, worunter sich eine Restfeuchte halten kann, ist die Bandbreite an Böden, auf denen man Spargel kultivieren kann, relativ groß geworden.

Gibt es eigentlich noch die klassische norddeutsche Zucht?

Friedrich Kettenburg: Nein, dieser Spargel wird so gut wie gar nicht mehr kultiviert in unserer Region. Das, was hier angebaut wird, sind eigentlich allesamt holländische Sorten.

Wie vermarkten Sie eigentlich ihren Spargel?

Friedrich Kettenburg: Wir versuchen, direkt an den Verbraucher zu gelangen und sind deswegen mit Ständen in Rotenburg und Bothel präsent – aber auch größere Gaststätten in der Region gehören zu unserem Klientel. Wir haben Spargel von dick bis dünn, aus dem wir nach einer Handelsklassenverordnung die Sorten festlegen. Grundsätzlich gilt: Was am stärksten nachgefragt wird, ist auch am teuersten. Die übrigen, nicht so beliebten Klassen, versuchen wir dann mit niedrigeren Preisangaben zu verkaufen.

Kann man mit Spargel reich werden?

Friedrich Kettenburg (lacht): Ich will es mal so sagen: Alles was man macht, gelingt nur dann, wenn man Lust darauf hat. Als Landwirt baue ich den Spargel liebend gerne an, aber ich bin nicht der Typ, der ihn unbedingt danach verkaufen will. Franziska Kettenburg: Das läuft bei uns streng nach Arbeitsteilung: Papa sorgt für den Geschmack, mein Lebensgefährte Tom liefert aus und Mama und ich bringen ihn an den Mann oder die Frau.

Hand aufs Herz: Kommt Ihnen der Spargel nach all den Jahren nicht schon aus den Ohren raus?

Franziska Kettenburg: Nein, vielleicht aber am 24. Juni (lacht). Friedrich Kettenburg: Naja, vielleicht schon ein paar Tage eher. Es ist schon so, dass wenn man mehrere Wochen dieses Geschäft intensiv betrieben hat, sich ein Ende herbei sehnt. Aber man freut sich jedes Jahr aufs Neue auf die Zeit. Franziska Kettenburg: Das ist wie mit Weihnachten: Erst ist man froh, dass die Familie kommt, und am Ende ist man genauso froh, dass sie wieder weg ist.

Wie essen Sie denn als Spargelbauern Ihren Spargel am liebsten?

Franziska Kettenburg: Ganz klassisch – mit Sauce Hollandaise und Schinken.

Info

Kettenburg’s Hof“ ist ein echtes Familienunternehmen, das mit Franziska Kettenburg (31) inzwischen in der achten Generation betrieben wird. Neben dem Anbau und der Vermarktung von Spargel hat sich der Unterstedter Betrieb der konventionellen Landwirtschaft mit Schweinehaltung und Hähnchenmast verschrieben. Die Ackerproduktion geht überwiegend in eine Biogasanlage. Den Spargelanbau betreibt die Familie seit 1990 – auf einer Fläche von rund sechs Hektar.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Wie werde ich Verkehrsingenieur/in?

Wie werde ich Verkehrsingenieur/in?

Tageslicht und Ausblick – Welches Dachfenster sich eignet

Tageslicht und Ausblick – Welches Dachfenster sich eignet

Chris Froome gewinnt zum vierten Mal die Tour de France

Chris Froome gewinnt zum vierten Mal die Tour de France

US-Golfstar Jordan Spieth gewinnt 146. British Open

US-Golfstar Jordan Spieth gewinnt 146. British Open

Meistgelesene Artikel

Sattelzug hat 17 Tonnen Hühnerkot zu viel geladen

Sattelzug hat 17 Tonnen Hühnerkot zu viel geladen

Das Herz der Stadt ist seit 30 Jahren autofrei

Das Herz der Stadt ist seit 30 Jahren autofrei

Aus Freundschaft wurde er zum Straftäter

Aus Freundschaft wurde er zum Straftäter

Kommentare