Planauslegung für „Zwischen Appelhorn und Wittorfer Straße“

Auf dem Weg zu einem Bebauungsplan

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Für den Bereich zwischen dem Appelhorn und der Wittorfer Straße ist ein Bebauungsplan in Arbeit. Der ist umstritten, aber dennoch spricht sich der Ausschuss für Planung und Hochbau für die nächsten Schritte in diese Richtung aus.

Rotenburg - Von Guido Menker. Es kommt nicht oft vor, dass eine Ausschusssitzung von so vielen Zuschauern begleitet wird. Rund 20 waren es am Mittwochabend, als der Rotenburger Ausschuss für Planung und Hochbau eine prall gefüllte Tagesordnung zu bewältigen hatte.

Vor allem inhaltlich hatte sie es in sich. Die meisten Gäste waren gekommen, um die Beratungen zum Thema Appelhorn zu verfolgen. Geschmeckt haben dürfte vielen von ihnen das Ergebnis allerdings nicht: Denn die Kommunalpolitiker gaben grünes Licht auf dem Weg zu einem Bebauungsplan, der im vorderen Bereich zwischen Appelhorn und Wittorfer Straße künftig auch eine Hinterlandbebauung ermöglichen soll. 

Vier Ausschussmitglieder waren dafür, zwei dagegen, zwei weitere enthielten sich, und der Vorsitzende Klaus Rinck – indirekt „betroffen“ – gab den Vorsitz für diesen Tagesordnungspunkt ab und verließ sogar den Raum.

Ob es zu einem Bebauungsplan kommt, ist noch offen. Die Empfehlung beinhaltet erst einmal die öffentliche Auslegung des Planes. In dieser Zeit – vermutlich startet sie Ende Februar oder Anfang März – sind noch Stellungnahmen dazu möglich. Das betonte Bürgermeister Andreas Weber (SPD). Erst danach könne ein Beschluss erfolgen. Doch auch schon in der Sitzung machten die Gäste von der Möglichkeit Gebrauch, sich zu dem Vorhaben zu äußern.

Anhaltend hohe Nachfrage

Grund für die Aufstellung eines Bebauungsplans sei eine anhaltend hohe Nachfrage nach Baugrundstücken in der Kernstadt von Rotenburg, erklärte Bürgermeister. Konkreter Anlass sei der Wunsch eines Eigentümers im vorderen Bereich des Appelhorns, sein Grundstück im rückwärtigen Bereich zu bebauen. Der Landkreis lehnte das ab und machte einen Bebauungsplan zur Voraussetzung, um allen dieses Recht einzuräumen. 

Der großzügige Baukörper entlang der Straße Appelhorn soll insgesamt zwei kleineren Baukörpern mit jeweils einer Wohneinheit weichen. Eine Informationsveranstaltung für die Anwohner habe ergeben, dass sich weitere Eigentümer ein ähnliches Vorgehen vorstellen könnten. Die angedachte rückwärtige Bebauung entspreche hierbei nicht mehr dem Einfügungsgebot des § 34 BauGB, heißt es in der Sitzungsvorlage. 

Demnach sei ein Vorhaben innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortschaften zulässig, wenn es sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt und die Erschließung gesichert ist. Durch die Aufstellung des Bebauungsplanes soll nun eine Bebauung in zweiter Reihe ermöglicht werden.

Unterschiedliche Grundstücksgrößen

Die Grundstücksgrößen im Geltungsbereich des Bebauungsplanes betragen zwischen 1 000 und 1 800 Quadratmeter. Entlang der Straße Appelhorn weisen die meisten Grundstücke Größen zwischen 1 500 und 1 600 Quadratmeter auf. Da die meisten Gebäude im Plangebiet an den beiden Erschließungsstraßen angeordnet sind, stehen die Gärten einer städtebaulich verträglichen Nachverdichtung zur Verfügung. Es geht um 13 Grundstücke. 

Der Bebauungsplan unterteile das Plangebiet in zwei Nutzungszonen. Beide Zonen werden als reines Wohngebiet festgesetzt. Entlang der Straßen Appelhorn und Wittorfer Straße sei im vorderen Bereich eine Bebauung im Rahmen des § 34 BauGB bereits heute zulässig. Die getroffenen Festsetzungen für das Maß der baulichen Nutzung orientierten sich am aktuellen Bestand. Demnach sei eine eingeschossige, offene Bauweise mit einer Grundflächenzahl von 0,4 festgesetzt. 

Einzel- und Doppelhäuser mit einer beschränkten Anzahl von Wohnungen, stellten die Bewahrung des Siedlungscharakters sicher. In den rückwärtigen Gartenbereichen soll ein geringeres Maß der baulichen Nutzung die Einfügung in das Umfeld sicherstellen. Zulässig seien dort nur eingeschossige Einzelhäuser in offener Bauweise mit einer Wohneinheit. 

Maximal 3,50 Meter Traufhöhe

Die Traufhöhe betrage maximal 3,50 Meter, und die Dächer sind mit maximal 25-Grad-Dachneigung zu errichten. Die Grundflächenzahl betrage dort 0,25. Die getroffenen Festsetzungen dienten dem Nachbarschutz und sollen Beeinträchtigungen in Form von Blickbeziehungen zwischen den Nachbarn vermeiden helfen, heißt es weiter. Die Erschließung der rückwärtigen Grundstücke erfolge über die vorderen Grundstücksteile. Die Planung füge sich in den Kontext der umgebenden Straßenzüge ein, da der benachbarte Siedlungsbereich in der Regel kleinere, dichter bebaute Grundstücke aufweise.

Die Neuaufstellung des Bebauungsplanes Nr. 117 „Zwischen Appelhorn und Wittorfer Straße“ soll im beschleunigten Verfahren gemäß im Rahmen der „Innenentwicklung“ aufgestellt werden. Die Voraussetzungen für die Anwendung dieses Verfahrens liegen vor, heißt es. Daher ist ein Umweltbericht nicht nötig, und es liegt auch kein Ausgleichserfordernis vor. 

Zudem reiche die einmalige öffentliche Auslegung des Planentwurfs.  Diese soll vom 19. Februar bis zum 19. März erfolgen, erklärt Planungsamtsleiter Clemens Bumann. Er bezeichnet die Hinweise von Anwohnern gegen den Plan als entkräftet. Parkplätze zum Beispiel müssten auf den Grundstücken vorgehalten werden. 

Verkehrsproblem wird erwähnt

Dennoch wurde das Verkehrsproblem in dem gesamten Bereich Wittorfer Straße, Zwischen den Wassern und Appelhorn erwähnt. Der Durchgangsverkehr sei nicht mehr akzeptabel. Bumann machte derweil deutlich, dass jetzt – ohne Bebauungsplan – zwar der hintere Grundstückbereich für eine Bebauung nicht infrage kommt, vorne allerdings wesentlich größer gebaut werden könne als mit B-Plan.

Mirco Klee (CDU) lehnte das Vorhaben ab. Das mit der Innenverdichtung wolle er so nicht gelten lassen, und diese nehme zugleich einen Großteil des Grünanteils. Ihm wäre ein Bebauungsplan zur Sicherung des Status Quo lieber. 

Eine Frau aus der Wittorfer Straße: „Es geht nur um einen, der eine Veränderung will und das als toll darstellt.“ Es komme zu mehr Verkehr, und auch die Wasserprobleme nähmen zu. Der Appelhorn-Anwohner, der nach hinten raus einen Bungalow bauen möchte, widerspricht: „Es sind vier, die Interesse daran haben.“ Eine Nachbarin: „Deswegen bin ich nicht dort hingezogen.“

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