VHS Rotenburg: Zeugnisverleihung für den nachgeholten Schulabschluss

Eine zweite Chance

15 Abendschüler haben an der VHS Rotenburg ihren Abschluss nachgeholt.
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15 Abendschüler haben an der VHS Rotenburg ihren Abschluss nachgeholt.
  • Ann-Christin Beims
    vonAnn-Christin Beims
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Rotenburg – Es gibt unterschiedliche Gründe, warum jemand seinen Schulabschluss per Abendkurs an der Volkshochschule (VHS) Rotenburg nachholt: Gesundheitliche oder wie im Fall des diesmal ältesten Teilnehmers mit Anfang 40: Er hat eine handwerkliche Ausbildung, möchte aber nun umschulen. 15 Kurs-Teilnehmer haben am Montag im Kantor-Helmke-Haus ihre Zeugnisse erhalten.

Wie Ronny Wieland, Schulleiter der Oberschule Visselhövede und Prüfungskommissionsleiter für die Hauptschüler, es in einer Ansprache nannte, hatten die Schüler während der zehn Monate „den Mut aufgebracht, nochmal den Abschluss zu machen“. Das sei etwas Besonderes und mit viel Energie verbunden. „Nun liegt ein neuer Lebensabschnitt vor Ihnen“, schloss er und übergab die Zeugnisse für den bestandenen Hauptschulabschluss an fünf anwesende Schüler. Die meisten hätten einen Ausbildungsplatz oder wollen erstmal arbeiten und sich orientieren, berichtet Birgit Lynge, die unter anderem für die Organisation zuständig ist. Drei schriftliche Prüfungen standen am Ende, dazu bis zu fünf mündliche Prüfungen. „Es ist eine gute Leistung, bei uns einen Abschluss zu schaffen“, so Lynge.

Für den Realschulabschluss überreichte Rotenburgs IGS-Schulleiter Sven Thiemer zehn Anwesenden ihre Zeugnisse. „Manchmal braucht man ein paar Umwege, um eine zweite Chance zu ergreifen.“ Es sei ein Anfang für den nächsten Schritt. „Versuchen Sie, das zu nutzen“, ermunterte er. Viele Schüler hätten sieben mündliche Prüfungen an zwei Tagen abgelegt, dazu vier schriftliche Tests. Eine junge Frau habe eine besondere Leistung erbracht: „Sie ging ohne den Vorbereitungskurs rein, wir dachten, das geht nicht und es hat geklappt.“

Denn Fredrika Hasselmann aus Schwanewede bei Bremen hat den Stoff als externe Schülerin von Zuhause aus gelernt. Etwas, von dem Lynge sonst abrät, denn funktioniert habe das noch nie – bis jetzt. „Aber sie ist sehr ehrgeizig und hat einen fantastischen Abschluss gemacht“, lobt Lynge. Die 23-Jährige hatte keinen Vorabschluss, musste aus gesundheitlichen Gründen damals die Schule abbrechen. „Ich habe mich aber immer weitergebildet“, erzählt sie. Durch den weiten Weg und einen Job im Einzelhandel hat sie sich von extern eingeschrieben. In Bremen gebe es nur Abendkurse für die Hauptschule. „Das ist zu wenig, das wäre Zeitverschwendung gewesen“, sagt sie. „Ob man es schafft, hat viel mit dem Charakter und Willen zu tun und mit Interesse und Spaß“, befand sie. „Wenn man was will, macht man das auch.“

Ihre Lehrer seien sehr kooperativ und hilfsbereit gewesen, viel Schriftverkehr und Online-Unterricht hätten geholfen – ein Realschulabschluss von 1,7 ist das Ergebnis. Nun möchte sich Hasselmann zum einen erkundigen, ob sie per Prüfung die Hochschulzulassung erhalten kann. Dann würden sie die Bereiche Justiz oder Journalismus interessieren. Ansonsten hatte sie bereits ein Vorstellungsgespräch bei der Volksbank – doch letztlich fehlte der Schulabschluss für eine Zusage. Aber der wäre jetzt da.

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