Satire-Autor Moritz Netenjakob parodiert Klaus Kinski, Udo Lindenberg und Co.

Eine seltsame Welt

Moritz Netenjakob war ein zweites Mal in Rotenburg zu Gast. - Foto: Diercks

Rotenburg - Von Bettina Diercks. Vor knapp einem Jahr rockte er das Kantor-Helmke-Haus, jetzt kehrte Satire-Autor Moritz Netenjakob zurück nach Rotenburg, dieses Mal ins Landhaus Wachtelhof. Mit den beiden Roll-ups seiner heimischen Bücherregale und einem neuen Programm: „Netenjakob spielt, liest und singt Netenjakob“. Faszinierend, dieser Kölner Jung. Wie kann ein Mensch so vielseitig sein?

So parodiert Netenjakob in unnachahmlicher Art erneut stimmlich, mimisch und gestenreich Marcel Reich-Ranicki, Lukas Podolski, Didi Hallervorden – „Palim Palim“ oder „uihjuihjuihjuih“ – und Udo Lindenberg. Letzteren meist im Zusammenspiel mit Schauspieler Klaus Kinski, der für seine cholerischen Ausbrüche bekannt war. So wechselte Netenjakob von „total easy“ mit Hängelippe und halbgeschlossenen Augenlidern (Lindenberg) zum wild herumfuchtelnden und schreienden Kinski, die laut Drehbuch in einer Wohngemeinschaft zusammen leben. Lindenberg entspannt orientiert, Kinski – in gelben halbarmhohen Gummihandschuhen für den Haushalt zuständig. Von der Szene gibt es einen „YouTube“-Clip, der zum absoluten Hit wurde.

„Von Dirk Bach habe ich gelernt, Liebe und Begeisterung für die Figuren zu entwickeln“, erzählt Netenjakob zwischendurch, dessen Zuneigung bei all seinen Protagonisten bildhaft wiedergeben wird. Auch bei so unbekannten Darstellern wie dem Ehepaar Hedwig und Wilhelm aus der Eifel. Die beiden dürften dem Rotenburger Publikum aus dem vergangenen Jahr noch lebhaft in Erinnerung sein. Irre komisch, wie Hedwig beim Länderspiel Deutschland gegen Armenien Partei für die Gegner ergreift und Wilhelm fast zur Weißglut treibt.

Dirk Bach habe ihn eh sehr geprägt. Erlebt und kennengelernt hat er ihn im Theater bei seinen Eltern um die Ecke. Genauso wie seine Frau. „Manchmal hat man die Lösung direkt vor seiner Nase. Komischerweise kommt keiner auf die Idee, sein Glück um die Ecke zu suchen“, sagt Netenjakob, der mit seinen witzigen Mono- und Dialogen und einen irre unterhaltsamen und kurzweiligen Abend liefert.

Auf die Realität „kann ich keinen drauf setzen“

„Ich bin jetzt 20 Jahre Satire-Autor. Die Realität zu überspitzen, ist schwieriger geworden als in den letzten Jahren“, sagt Netenjakob. „Die Realität ist so bescheuert geworden, da kann ich keinen mehr oben drauf setzen.“ Beispiel Dschungelcamp. „Hat einer von ihnen das gesehen? Nein? – Mein Publikum gehört zur kulturellen Elite“, stellt der Kölner Kabarettist fest. „Heute nennen sich die Leute Stars, die dorthin gehen, früher waren wir acht Jahre alt, als wir uns Würmer in den Mund steckten und bekamen dafür einen Arschvoll“, so der Autor.

Aktuell verdreht findet er, dass Merkel in der Türkei anruft und sich nicht über die Menschenrechte beschwert, sondern sich für den Satiriker Jan Böhmermann und sein Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan entschuldigt. „Wir leben in einer seltsamen Welt“, lässt der Kölner Autor zwischendurch fallen, der von sich erzählt, manchmal zwei Gedanken, Ideen auf einmal im Kopf zu haben. Nicht verwunderlich ist, dass er manchmal mitlachen muss, wenn sich das Publikum ausschüttet vor lachen.

Grimme-Preisträger Netenjakob wechselte zwischen Lesung seiner Bücher „Macho Man“ und „Der Boss“ sowie seinen besten Satiren fürs Kabarett und TV-Formate wie Switch und singt auch mal. Verkehrsnachrichten zum Beispiel. Die Idee ist ihm gekommen, als er im Stau stand, sein Lieblingslied „I would do anything for love“ (Meat Loaf) kam und sich die Verkehrsnachrichten hineinschalteten. Die gesungene Staumeldung ist genial. „Das ist so als Autor, da vermischt sich Privates und Berufliches“, sagt Netenjakob, der als Rechts-Rheinischer eine Türkin geheiratet hat, die übrigens seine Regisseurin ist. „Aus der Ehe sind zwar keine Kinder hervorgegangen, aber zwei Bücher.“

Netenjakob brachte seinem Publikum zum Abschied ein Ständchen und hat dabei ein bisschen etwas von Nino de Angelo. „Im Kühlschrank meines Glaubens seid ihr meine Tupperschale Mut.“ Der Satire-Autor forderte seine Zuschauer nicht nur dazu auf, mutig das Glück um die Ecke zu suchen. Er hielt sie dazu an, beim Händler vor Ort die Bücher zu kaufen und nicht bei kapitalistischen Großkonzernen.

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