Coronafälle an Sottrumer Gymnasium / Geteilter Unterricht

Eine Schule, zwei Szenarien

Das Sottrumer Gymnasium werden die Oberstufenschüler bis zu den Weihnachtsferien nicht mehr zu Gesicht bekommen.
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Das Sottrumer Gymnasium werden die Oberstufenschüler bis zu den Weihnachtsferien nicht mehr zu Gesicht bekommen.

Sottrum/ Rotenburg – Nach dem Crashtest-Tag Ende Oktober folgt nun der Realitätstest: Mindestens vier Coronafälle sind seit Dienstag am Sottrumer Gymnasium bekannt geworden, 113 Schüler befinden sich Stand Freitagmittag in Quarantäne. Die Schule fährt seit gestern zweigleisig. Da die bestätigten Fälle und ihre Kontaktpersonen nur in den Jahrgängen neun bis 13 liegen, sind diese Schüler im Szenario C, dem Lernen ausschließlich zu Hause. Für die unteren Jahrgänge, in denen es bislang zu keiner Erkrankung gekommen ist, gilt vorerst weiter das Szenario A, der relativ normale Schulalltag mit Maske. Es ist eine Herausforderung für alle Seiten, die Lehrer müssen sowohl Präsenzunterricht als auch Videokonferenzen abhalten. „Wir reagieren problemscharf“, nennt es Schulleiter Ferdinand Pals. Und er findet die Entscheidung sinnvoll.

Diese hatte Pals in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt des Landkreises sowie der Landesschulbehörde getroffen. „Es ist notwendig, um der Verbreitung Einhalt zu gebieten“, erklärt er. Denn nachdem allein aus einem Fall ein Schneeballsystem mit dessen Kontaktpersonen geworden ist, war eine schnelle Lösung gefordert. Noch bevor das Gesundheitsamt die direkten Kontaktpersonen über ihre Quarantäne informierte, hatte Pals bereits über einen Elternbrief alle Schüler der oberen Jahrgänge und ihre Eltern informiert, dass er eine freiwillige Isolation verfügt. „Bereits am zweiten Tag hatten wir so viele Fälle, dass wir überlegen mussten, wie am besten damit umzugehen ist.“

Froh ist er darüber, dass bislang keiner der Lehrer in Quarantäne musste, damit beide Unterrichtsformen laufen können. Eine Klassenlehrerin habe sich testen lassen, war aber negativ. Die hohe Zahl der Quarantänepersonen begründet sich in den jahrgangsübergreifenden Kursen. „Allein in einem Jahrgang ist mehr als die Hälfte der Schüler dadurch in Quarantäne“, so Pals. Lediglich der Sport spiele dabei keine Rolle: Das Hygienekonzept des Gymnasiums sei sogar vom Gesundheitsamt gelobt worden.

Die Entscheidung, zu differenzieren, sei nicht selbstverständlich, würde man die Zahlen im Landkreis betrachten. Demnach würde ein Szenario B, dem Wechselmodell, beispielsweise erst bei einem Inzidenzwert von 100 in Kraft treten. Pals halte die Entscheidung aber dennoch für richtig, denn ein Punkt, führt er aus, sei bislang kaum bedacht worden: In den vergangenen Wochen waren meist nur 70 bis 80 Prozent der Schüler im Präsenzunterricht. Bei den Videokonferenzen könnten 100 Prozent der Schüler anwesend sein – gerade in Bezug auf die Abiturvorbereitung sei das von Vorteil. „Das bringt eine höhere Unterrichtsqualität.“ Auch, wenn nicht alles machbar ist, darunter chemische Experimente. „Aber dafür gibt es Videos. Für eine gewisse Zeit ist das gut.“

Da die Unterrichtszeit nicht 1:1 in Videokonferenzen abgehalten werden kann, wird auch hier aufgeteilt. Da hatte der Crashtest gezeigt, dass es für Schüler als auch Lehrer ab einer gewissen Zeit anstrengend wird. Also findet ein Teil des Unterrichts als Videokonferenz statt, der Rest in anderen Unterrichtsformen.

Dass der digitale Unterricht aber im Ganzen funktioniert, habe eben erst der Crashtest ermöglicht. Danach konnte an den Problemstellen nachgebessert werden. „Wir haben eine hundertprozentige digitale Ausstattung bei allen Schülern erreicht“, erklärt Pals. Nicht nur mit Endgeräten, sondern auch mit Druckern, Tastaturen oder was sonst im heimischen Klassenzimmer fehlte. Das war möglich dank Eltern-Sachspenden. „Da gab es eine große Unterstützung.“

Und die Eltern, ebenso wie Lehrer und Schüler, stehen hinter der Entscheidung, die die Gesundheit der Schüler in den Mittelpunkt stellt. Denn mindestens bis zu den Weihnachtsferien bleiben die oberen Jahrgänge Zuhause. Im Januar müsse die Lage neu bewertet werden. Der Schulleiter hofft, dass es dann mit Präsenzunterricht weitergeht, denn es stehen noch Arbeiten und Klausuren aus. Das ist momentan ein großes Problem: Denn die dürfen Oberstufenschüler nicht von Zuhause aus schreiben. „Wir müssen im Moment runterfahren und schreiben nur die Arbeiten, die absolut notwendig sind.“

Im gesamten Landkreis sind derzeit an zehn Schulen sowie an sechs Kindergärten und Kindertagesstätten Coronafälle bekannt. Schulen im Rotenburger Stadtgebiet seien aktuell nicht betroffen, teilt Sprecherin Christine Huchzermeier mit. Aber sie merkt auch an: „Das wechselt ständig.“

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