Verein „Literaturlandschaften“ erinnert an Schaffen des Schriftstellers

Eine Rose für Kempowski

Auf dem Nartumer Friedhof: Anna-Luise Mauksch vom Verein „Literaturlandschaften“ legt für Schriftsteller Walter Kempowski in Gegenwart von Hildegard Kempowski eine Rose am Grab nieder. Dabei ist Joachim Mauksch. - Foto: Bonath

Nartrum/Rotenburg - Walter Kempowski, am 5. Oktober 2007 im Rotenburger Diakoniekrankenhaus im Alter von 78 Jahren gestorben, ist einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit: Seit dem Wochenende liegt auf seinem Grab am Rande der kleinen Gemeinde Nartum zwischen Horstedt und Bockel eine Rose. Damit ehrt, wie in jedem Jahr, der deutschlandweit tätige Verein „Literaturlandschaften“ mit seinem Vorsitzenden und Gründer Karl Koch aus Nordhorn in vielen Teilen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz Dichter und Schriftsteller. Diesmal in Anlehnung an die letzte Zeile aus dem Gedicht „Es werden die Klagerosen kommen“ von Claire Goll (1890 bis 1977) unter dem Motto „Alle Rosen der Welt / Werden auf unserem Grabe weinen“.

Anna-Luise Mauksch (85), ehemalige Leitende Krankenschwester des Rotenburger Diako und ihr Mann, der pensionierte Diako-Geschäfts- führer Joachim Mauksch (86), die vor drei Jahren dem Verein „Literaturlandschaften“ beigetreten sind, waren von der Kreisstadt Rotenburg zum wenige Kilometer entfernten Nartum gefahren. Dort holten sie Walter Kempowskis Witwe Hildegard aus dem Haus Kreienhoop zu dem Gedenken auf dem nahen Friedhof ab. Der strahlende Frühsommertag senkte sich langsam über das weite Land – ein schlichtes und berührendes Gedenken an den 1929 in Rostock als Sohn eines Reeders geborenen Schriftsteller, der viele Jahre in Nartum gelebt und gewirkt hat. Hildegard Kempowski rezitierte am Grab neben einer jungen Eiche Lyrik aus dem Bändchen „Langmut“ ihres verstorbenen Mannes.

Das Ehepaar Mauksch – beiden ist die Familie des Schriftstellers, der die Rotenburger Pastorentochter Hildegard Janssen heiratete, persönlich bekannt – legte für den Verein „Literaturlandschaften“ eine Rose auf dem Grab des Autors nieder.

Dies war die geeignete Zeit, um sich der Worte des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler bei der Eröffnung der Ausstellung in der Berliner Akademie der Künste am 19. Mai 2007 zu erinnern, die sich Kempowskis Leben und schriftstellerischen Wirken widmete. Köhler über den Schriftsteller aus Nartum: „Er hat wie kein anderer das Volk selbst zum Sprechen gebracht.“

Der schwerkranke Kempowski, der damals nicht an der Zeremonie teilnehmen konnte und durch seine Frau vertreten wurde, bezeichnete den Tag der Ausstellungseröffnung in der deutschen Hauptstadt als den glücklichsten in seinem Leben. Ein Leben, das er nun, nach jahrelangem zähen Kampf gegen fehlende öffentliche Anerkennung, zufrieden beschließen könne. Sohn Karl-Friedrich verlas Kempowskis Dankesworte: „Ich danke all denen, die mein Werk wohlwollend begleiteten, und ich verzeihe jenen, die es ignorierten.“ In einem Rundfunkinterview sagte der Schriftsteller: „Ich bin 78, und es wird Zeit, sich zu verabschieden. Ich hab’ genug getan, ich war 30 Jahre Pädagoge, habe 40 Bücher geschrieben, das reicht allmählich.“

Am 5. Oktober 2007 starb Walter Kempowski im Rotenburger Diakonieklinikum an Krebs. In seinem letzten Interview sagte der Schriftsteller unter anderem: „Der Kluge gibt so lange nach, bis er der Dumme ist.“

Von Wieland Bonath

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