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Eine Oper in der Rotenburger Stadtkirche

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Von: Ann-Christin Beims

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Eine Oper in der Kirche: Kreiskantor Simon Schumacher ist gespannt, wie das Großprojekt von den Besuchern angenommen wird.
Eine Oper in der Kirche: Kreiskantor Simon Schumacher ist gespannt, wie das Großprojekt von den Besuchern angenommen wird. © Beims

Eines der größten Musikprojekte in der Rotenburger Stadtkirche wird eine Herausforderung auf mehreren Seiten.

Rotenburg – Es wird in der Stadtkirche das größte Musikprojekt seit mehreren Jahren: Am Sonntag, 26. Juni, ab 17 Uhr bringen gut 100 Mitwirkende Beethovens „Christus am Ölberge“ sowie Händels „Messiah Part II“ in der Mozart-Fassung auf die Bühne. Neben der Stadtkantorei sind dabei Sopranistin Anna Terterjan, Alt-Sängerin SaeEum Jang, Tenor Michael Connaire, Bass Janno Scheller, die Kammer Sinfonie Bremen sowie der Männer-Projektchor unter der Leitung von René Clair vertreten.

Die Vorfreude bei Kreiskantor Simon Schumacher ist groß. Doch das Konzert wird auch eine Herausforderung auf mehreren Seiten.

Die Kultur hat es insbesondere seit Beginn der Pandemie nicht leicht – das merken Kulturschaffende an allen Ecken. „Wir müssen seit zweieinhalb Jahren ganz andere Wege gehen“, meint Schumacher. Vieles muss kurzfristig wieder umgeplant werden oder ganz abgesagt. Sie wurden ausgebremst, auch das „Messiah Project“: Die Ideen stammen noch aus 2018. Der erste Teil konnte 2019 aufgeführt werden, doch kurz vor dem zweiten, dem Passionsteil, war Schluss mit Veranstaltungen. Jetzt findet die Aufführung dazu außerhalb der Osterzeit statt – der Pandemie geschuldet. „Die klassische Passion 2020 und 2021 musste größtenteils ausfallen“, sagt Schumacher. In diesem Jahr war zwar vieles wieder möglich, aber die Kantorei musste auch selbst erst mal proben, sich vorbereiten.

Und da kommt eine weitere Herausforderung ins Spiel: Durch die lange Unterbrechung fehlen Mitwirkende. Die Stadtkantorei hat sich in den vergangenen Monaten deutlich dezimiert. Standen einst gut 80 Sänger im Kirchenschiff, sind es heute nur noch um die 40.

Das hat diverse Gründe, weiß Schumacher: Manche mussten aus gesundheitlichen Gründen aufhören, wieder andere haben in den Lockdownphasen neue Hobbys für sich entdeckt, in die sie nun ihre Zeit investieren. „Das ist für das Chorsingen besonders schade“, so der Kantor. Weniger Stimmvolumen, das werde sich schon bemerkbar machen – wenngleich es im Konzert sicher eher dem geschulten Ohr als dem Laien auffallen wird, merkt er an. Auch einen neuen Stimmbildner musste sich die Gruppe suchen. Mit Benjamin Kirchner habe man wieder kompetente Unterstützung an der Seite.

Und das ist gut, müssen sich doch nach der Durststrecke die Mitglieder der Kantorei wieder zusammenfinden. Denn: Gemeinsam mit den Chorsängern und Profis präsentieren sie nicht weniger als eine ganze Oper von Beethoven. Einen Unterschied zwischen Laien und Profis werde es dann sicher geben. „Aber beides findet seinen Platz und wird wirken“, ist sich Schumacher sicher.

Das Singen, es ist auch ein Sport, es geht um Muskeln, Ausdauer und die richtige Technik. Manche sind schon länger bei den Proben dabei, andere kommen nach und nach dazu. Seit Ostern müssen sie nicht mehr auf die 2G-Regel achten und dürfen den Abstand zwischen sich verringern. „Das macht einigen noch Sorgen, andere sehen es lockerer“, meint Schumacher.

Er hat aber auch positive Seiten bemerkt: Wer schon länger wieder dabei ist, ist „mutiger und stimmlich sicherer geworden“. Für den Kantor steht dennoch die Freude stark im Fokus. Es geht nicht nur um das Singen, sondern auch um das Miteinander. Sie sollen Spaß daran haben – auch wenn am Ende nicht jeder Ton hundertprozentig sitzt. Die Gemeinschaft, sie ist das, was es ausmacht: „Ich möchte daher so viele wie möglich mit reinbekommen.“

Durch die Pandemie ist das gemeinschaftliche Erleben ein wenig in Vergessenheit geraten. Damit „klug umzugehen“, die Menschen – gerade jüngere – von den sozialen Medien wieder mehr wegzuholen, das sei eine große Herausforderung. Kontakt zu den Schulen beispielsweise findet Schumacher da wichtig. Eine Lehrerin behandelt das Thema derzeit mit ihrer Klasse im Unterricht. Sie können Proben besuchen, beim Konzert dabei sein.

Messiah Project II

Karten gibt es im Vorverkauf zwischen 10 bis 28 Euro in der Buchhandlung Müller. Die Hygienevorschriften werden tagesaktuell festgelegt – anhand der Inzidenz und der Hospitalisierungsrate. Vor zwei Jahren erworbene Tickets behalten ihre Gültigkeit.

Gemeinschaft wieder erlebbar machen, ist eine Aufgabe auch für die Kultur, deren Maschinerie gerade wieder anlaufe. Perspektivisch wird es schwieriger, vermutet Schumacher. Aber: „Wir brauchen die Kultur! Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben und die Kulturarbeit neu entdecken, kennen und schätzen lernen.“ Ob darin auch eine Chance liegen kann? „Wer sich daran erinnert, wie es ihm ohne Kultur ging, der kommt auch zu Veranstaltungen.“

Dabei spielt auch die Förderung eine Rolle, wird sogar immer wichtiger. Ohne geht es nicht – ging es nie, meint der Kantor. Auch jetzt nicht: Das Konzert wird sowohl von der Landeskirche, dem Rotenburger Kirchenmusikverein, der Sparkasse Rotenburg Osterholz, Bartels Noten Bremen als auch der Kreiszeitung als Medienpartner gefördert.

Dann fehlt eigentlich nur noch der dritte Teil des Projekts – aber wenn es weiterhin so läuft, sollte dem auch nichts im Wege stehen.

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