Debatte um Bedarf

Rotenburg: Gesamtschule soll eine Oberstufe bekommen

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Der Weg der IGS soll zur Oberstufe führen.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Rotenburg will bei der Landesschulbehörde die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe an der Integrierten Gesamtschule (IGS) beantragen. Nach langen kontroversen Debatten sei klar: „Der Bedarf ist da.“ Das sagen Bürgermeister Andreas Weber (SPD) und Schulleiter Sven Thiemer. Sie stützen sich dabei auf aktuelle Erhebungen zur Schülerzahl und der Entwicklung in den kommenden Jahren. Rotenburgs Schülerschaft wächst demnach – entgegen bisherigen Prognosen.

Der Landkreis allerdings bleibt skeptisch. Unter Verweis auf einen Kreistagsbeschluss aus dem Jahr 2016 heißt es in einer Mitteilungsvorlage für den Schulausschuss des Kreistags am Dienstag, dass eine dritte Oberstufe in einem Mittelzentrum wie Rotenburg abzulehnen sei. 

„Aufgrund insgesamt geringer Schülerzahlen wäre ansonsten ein Qualitätsverlust der Oberstufen zu befürchten, da die Möglichkeit der Profilbildung sowie das Angebot seltener Fächer erschwert werde“, heißt es von Landrat Hermann Luttmann (CDU). Diese Haltung untermauert Erster Kreisrat Torsten Lühring auf Nachfrage: „Mit den Oberstufen am Ratsgymnasium und an den Berufsbildenden Schulen decken wir schon jetzt die gesamte Breite ab.“ 

Und: „Wir sehen die Gefahr, dass sich die Oberstufenschüler aufteilen.“ Zu zwei gut funktionierenden Oberstufen eine dritte zu stellen, sei nicht notwendig und vom Konzept her nicht nachvollziehbar. In Richtung der IGS-Verantwortlichen sagt Lühring: „Es ist bemerkenswert, dass die Verfechter einer gemeinsamen Beschulung auf Trennung der Schulformen drängen.“ 

Stadt und Schule hoffen auf Kooperation mit Ratsgymnasium

Im Schulausschuss des Kreistags wird passenderweise dann auch ein Gegenbeispiel diskutiert: der geplante Schulversuch einer gemeinsamen Oberstufe des Kivinan-Bildungszentrums (BBS Zeven) mit der Carl-Friedrich-Gauß-Schule (IGS Zeven).

In Rotenburg nimmt man die Kritik mittlerweile gelassen. Stadt und Schulleitung sind sich sicher, dass mit dem erwarteten positiven Bescheid der Landesschulbehörde die Debatte beendet ist und in aller Ruhe Kooperationen vor allem mit dem Ratsgymnasium ausgebaut werden. Thiemer: „Wir würden sogar so weit gehen, dass wir mit dem Ratsgymnasium eine große Gesamtschule bilden.“ 

Von Qualitätsverlust könne bei einer weiteren Oberstufe keine Rede sein – vielmehr brächten mehr Schüler mehr Möglichkeiten mit sich. Schon jetzt seien IGS-Lehrer in den Oberstufenunterricht am Ratsgymnasium eingebunden. Und grundsätzlich gelte sowieso: „Das Schulgesetz definiert eine IGS als Schule von Klasse 5 bis 13. Sonst wäre sie eine Oberschule.“

Schülerzahlen in Rotenburg steigen kontinuierlich

Der Bedarf der dreizügigen Oberstufe lasse sich an den aktuellen und künftigen Schülerzahlen festmachen. Am 1. August zählte die Schule für den neuen fünften Jahrgang 103 Schüler, in Klasse sechs 115, in Klasse sieben 130, in Klasse acht 135 und nun in Klassenstufe neun sogar 161 Schüler. Durchschnittlich wachse jeder Jahrgang um neun Schüler pro Jahr durch Rückläufer aus dem Ratsgymnasium oder Zuzüge. 

Auch für die kommenden Jahre lassen die Daten aus Grundschulen und Kindergärten entgegen bisheriger Prognosen steigende Schülerzahlen in der Kreisstadt erkennen. Weber: „Es werden konstant mehr.“ Und auch die Zahl der IGS-Schüler, die jetzt in Klasse neun auf einen erweiterten Realschulabschluss zusteuern und damit die Eignung für eine gymnasiale Oberstufe hätten, sei mit rund 70 ausreichend hoch. 

Das Interesse der Eltern dieser Kinder soll in den kommenden Wochen abgefragt werden. 54 Schüler werden für einen Oberstufenjahrgang benötigt. Bei diesen Zahlen, so Weber, bleibe Rotenburg auch gelassen angesichts der Ankündigung des Landkreises, die bisherige Vereinbarung zu kündigen, dass die IGS auch Schüler aus anderen Südkreiskommunen aufnehmen kann. Die IGS trage sich auch als reine Rotenburger Schule, da es in den unteren Jahrgängen maximal „eine Handvoll Schüller“ gewesen seien, die nicht aus der Kreisstadt kamen. Und Oberstufenschüler hätten eh die Wahlfreiheit.

Die Sanierung wird noch einmal Geld kosten

Um genug Räume für die neue Oberstufe zu haben, wird die Stadt noch einmal kräftig investieren müssen. Rund 15 Millionen Euro sind bislang in die Sanierungs- und Neubaumaßnahmen an den Schulstandorten an der Gerberstraße und in der Ahe geflossen. Kosten von „unter fünf Millionen Euro“, wie es im Rathaus noch vage heißt, kämen vor allem für Modernisierungen im frei werdenden Hauptschulgebäude hinzu. 

Geld, das aber nicht allein wegen der IGS in die Hand genommen werde, sondern grundsätzlich notwendig sei. Weber: „Die alten Fachräume dort haben noch den Charme der 70er.“ Am 27. September soll der Stadtrat über die Beantragung entscheiden.

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