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Eine letzte Chance für die Maitour zum Bullensee

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Von: Michael Krüger

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Maitour zum Bullensee
Für die Mitarbeiter des Rettungsdienstes ist die Maitour zum Bullensee auch immer ein Tag erhöhter Alarmbereitschaft. © Heinz Goldstein

Die Maitour zum Bullensee bleibt möglich. Allerdings wurden die Auflagen noch einmal verschärft, Alkoholverbote ausgesprochen. Die Polizei spricht von einer letzten Chance, Eskalationen zu verhindern.

Rotenburg – Die Maitour zum Bullensee kann nach zwei Jahren Coronapause am Sonntag kommender Woche wieder stattfinden. Allerdings haben die Behörden die Auflagen noch einmal verschärft. Es geht um Müll, Lärmbelästigung, übermäßigen Alkoholkonsum und damit zusammenhängend um die Sicherheit von Teilnehmern und Einsatzkräften. „Eine Chance gibt es noch“, sagt Hauptkommissar Thomas Bunke. Ergreifen die jungen Teilnehmer diese nicht mit einer gewissen Selbstdisziplin, sei es das für die Zukunft gewesen mit der Party-Wanderung ins Naturschutzgebiet am Bullensee, die traditionell viele Tausende junge Leute anlockt.

Wie groß ist das Interesse aber nach der Coronapause noch? Wollen die Feierwütigen jetzt erst Recht los, oder ist die Bullensee-Maitour aus dem Blick geraten? Rotenburgs Bürgermeister ist diesbezüglich etwas ratlos. „Wir wissen nicht, was da kommt“, sagt Torsten Oestmann beim Pressegespräch zur Maitour am Donnerstagmorgen mit den beteiligten Institutionen im Rathaus. Klar sei aber: Alle sind vorbereitet, die Erfahrungen der Vor-Pademiejahre haben nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Und so sagt auch Oestmann, der im Wahlkampf versprochen hatte, dass die Jugend wieder mehr feiern dürfen solle: „Es gab erhebliche Vorbehalte.“ Dennoch habe man sich entschlossen, die Maitour „mit deutlichen Auflagen“ stattfinden zu lassen.

„Übelst die Hucke vollhauen“

Wie immer ist das Problem, dass die Tour in ein sensibles Naturgebiet führt und es keinen Veranstalter gibt, der Auflagen erfüllen müsste. Also nutzen Stadt und Polizei das, was sie selbst an Instrumenten zur Verfügung haben, um eine Eskalation zu verhindern. Laut Bunke haben schon Generationen von jungen Menschen am Bullensee gefeiert, das sei auch nicht zu verurteilen. Allerdings hätten sich die Mentalität und das Publikum ungefähr ab Mitte der 2010er-Jahre deutlich geändert. Einst eine Maitour vor allem für Menschen aus Rotenburg und Umgebung, habe der Weg zum Bullensee einen Festivalcharakter bekommen. Bis zu 7 000 Teilnehmer gab es in Spitzenzeiten, zum Teil weit gereist. Die kümmerten sich herzlich wenig um Natur oder Anwohner. „Impertinent bis aggressiv“ sei das Auftreten am späteren Nachmittag vielfach gegenüber den Einsatzkräften von denen gewesen, die sich „übelst die Hucke vollhauen“. Teilweise mussten Polizisten auch Rettungswagen den Weg durch die Massen sichern. Nach ausführlicher Abwägung habe man sich aber gemeinsam entschlossen, noch einmal zu schauen, ob sich unter den strengeren Auflagen eine gewisse Entspannung einstelle und die „über die Stränge schlagende Erlebnisorientierung“ ein Ende finde. Bürgermeister Oestmann: „Wenn wir aber feststellen, dass es wieder erhebliche Probleme gibt, sind wir nicht mehr bereit, die Tour zu akzeptieren.“

Schnapsverbot am Bullensee

Die Stadt wird entlang der Strecke mehrere Müllcontainer sowie Toiletten platzieren, hat Bäume als Wegzeichen für den Rettungsdienst markiert und wieder eine Allgemeinverfügung erlassen, diese aber verschärft. Zu den Regeln, die ab 8 Uhr morgens gelten, gehören:

Polizeisprecher Bunke betont, dass schon jetzt auf Grundlage bestehender Gesetzeslage eine Maitour dieser Art komplett verboten werden könnte. Aber man wolle den Partygästen nicht alles verbieten und mit Augenmaß an die Umsetzung der Regeln herangehen. „Wir wollen die Maitour einfach auf die normale Basis zurückholen“, so seine Hoffnung. „Dabei wollen wir aber niemandem pedantisch auf die Füße treten.“

Hohe Waldbrandgefahr

Skeptisch bleibt trotz aller Hoffnung auf einen gemäßigten Ablauf Revierförster Tobias Gebers. Er nennt zwei weitere Punkte, die gefährlich werden könnten. Zum einen lägen nach den Winterstürmen immer noch viele umgekippte Bäumen in den Waldgebieten. Die Maitourer sollten also die zentralen Wege nicht verlassen. Das Holz, das bereits am Wegesrand gestapelt liege, sollte ebenso nicht als Aussichts- oder Fotoplattform betreten werden: Kommen die Stämme ins Rollen, bestehe „absolute Lebensgefahr“. Und dann bleibt noch die Sache mit der Trockenheit. Glasscherben im Wald könnten künftig bei Sonneneinstrahlung schnell Feuer entfachen. Schon jetzt sei die Waldbrandgefahr sehr hoch, die Landesforsten haben den Bereich um den Bullensee derzeit in der Gefahrenstufe drei von fünf eingeordnet. Regne es nicht und werde die Waldbrandgefahrenstufe noch auf vier erhöht, seien alle Pläne für eine Maitour durch den Wald hinfällig – Betreten verboten. Gebers: „Dann blasen wir die ganze Geschichte ab!“

Ein Kommentar von Michael Krüger

Von einem letzten Fünkchen Hoffnung

Natürlich wird gemeckert werden – kann man nachvollziehen. Man war ja auch mal jung. Kaum darf die Maske ab, kaum sind die elenden Corona-Regeln gelockert, hauen die Behörden dem Partyvolk die nächste Verordnung um die Ohren. Was darf man denn eigentlich überhaupt noch machen?

Sagen wir es mal deutlich: sehr viel. Aber Anwohnern in den Vorgarten pinkeln, Bänke kaputt treten, Glasflaschen im Wald gegen Bäume werfen, andere Besoffene verprügeln oder Rettungssanitäter und Polizisten beleidigen ist eben nicht so geil. Nun kann man sagen: Da sitzen wieder viele alte weiße Männer (und in der Pressekonferenz am Donnerstag eine junge Frau vom Ordnungsamt) im Rathaus und bestimmen über das, was die Jungen dürfen und vor allem über das, was nicht. Das ist richtig, inhaltlich muss man aber sagen: Es ist auch korrekt. Der Autor darf das schreiben, denn er war selbst nicht ganz selten vor einigen Jahren zur Maitour am Bullensee, und er hat sogar mal versucht, mit anderen Mitstreitern in Eigenregie etwas gegen die Vermüllung zu tun. Die Bilanz schon damals: ernüchternd.

Doch, man soll feiern. Man kann auch im Wald feiern, in Schutzgebieten Bier trinken und Spaß haben. Aber nicht nur wir Älteren, die mittlerweile lieber im Garten sitzen und Wein trinken, wissen, dass es bestimmte Grenzen gibt. Die wurden in den letzten Ausführungen der Maitour zum Bullensee vor der Coronapause meistens eingerissen, viele löbliche Initiativen torpediert. Nun gewähren die Behörden dem Partyvolk eine letzte Chance. Das ist gut so. Wird die genutzt? Meine Prognose fällt vermutlich altersgerecht eher skeptisch aus. Zählen wir doch am Montag danach mal, wie viele Toiletten und Mülleimer am Wegesrand noch heile sind.

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