„Das ist nur eine Krise für Rot-Grün“

Rotenburgs CDU-Kreisvorsitzender Mohrmann spricht über Elke Twesten

Marco Mohrmann

Rotenburg - Von Guido Menker. Elke Twesten hat es im politischen Hannover ordentlich krachen lassen. Als die Landtagsabgeordnete aus Scheeßel vor einer Woche die Partei Bündnis 90 / Die Grünen verlassen und anschließend ihren Mitgliedsantrag bei der CDU abgegeben hatte, war die Regierungsmehrheit von SPD und Grünen dahin.

Inzwischen ist sie Mitglied der Christdemokraten und nimmt in den Reihen der CDU-Fraktion im Landtag Platz, der sich schon bald auflösen wird, um den Weg für die vorgezogene Landtagswahl am 15. Oktober frei zu machen.

Massive Kritik im Bund - nicht aber bei der CDU

„Das ist ja sensationell, dass jemand, der sich mehr als 20 Jahre erfolgreich bei den Grünen engagiert hat, zur CDU wechseln möchte.“ Dieser Gedanke schoss Marco Mohrmann durch den Kopf, als er am Freitag vergangener Woche von Twestens Schritt erfahren hatte. Und das, so der CDU-Kreisvorsitzende gegenüber der Kreiszeitung, sei eine überraschende Entscheidung allein von Elke Twesten gewesen. Mohrmann: „Ich hatte in dem Moment keine Vorstellung davon, was anschließend medial noch folgen würde. Sicher ist aber auch: Unser Ziel ist die Ablösung der rot-grünen Landesregierung, nun arbeiten wir halt deutlich früher dran.“

Twestens Vorgehen hat bundesweit für Aufsehen gesorgt und ist auf massive Kritik gestoßen. Nicht so bei der CDU: Die empfängt die Ex-Grüne mit offenen Armen. Aber wäre die Politikerin aus Scheeßel vielleicht nicht doch besser beraten gewesen, bis nach der ursprünglich für Januar geplanten Landtagswahl zu warten, um eine solche Krise zu vermeiden? „Welche Krise? Das ist nur eine Krise für Rot-Grün und für Herrn Weil. Die zügige Neuwahl zeigt, dass die Abgeordneten des Landtages schnell auf die Änderung der Mehrheiten reagieren und dem Wähler die Entscheidung über die künftige Regierung überlassen“, sagt Mohrmann. Seines Erachtens sei das eine „Riesenchance“ für Niedersachsen. Persönlichen Kontakt hat der CDU-Kreisvorsitzende seitdem mit Elke Twesten noch nicht gehabt. Es habe lediglich zwei vollkommen harmlose SMS gegeben – „das war es seitdem.“ Einen Ratschlag auf dem Weg zur CDU habe es von Mohrmann übrigens nicht gegeben. Twesten sei eine erfahrene Politikerin, „die keine Ratschläge von mir braucht“, versichert er.

Mohrmann setzt auf Ehrlichkeit

In die Kritik geraten ist Twesten nicht so sehr wegen ihres Parteiaustritts, sondern vor allem, weil sie ihr Landtagsmandat nicht zurückgegeben und damit die Mehrheitsverhältnisse im Landtag gekippt hat. Und das als eine Abgeordnete, die über die Liste der Grünen den Sprung in den Landtag geschafft hat. Steht die CDU am Ende dieser Geschichte als Verliererin da? Marco Mohrmann: „Ich finde die Kausalität in Ihrer Frage etwas bemüht. Die Grünen haben eine Abgeordnete verloren, nicht wir. Gerade in unserem CDU-Kreisverband zeigen über 450 Neueintritte in diesem Jahr, dass die CDU für viele und durchaus unterschiedliche Menschen politische Heimat ist.“ Es habe zudem keinen formalen Grund dafür gegeben, Elke Twesten als Parteimitglied abzulehnen. „Sie ist nun Mitglied wie jedes andere, mit einer großen Politikerfahrung allerdings. Ich habe diese Empörung übrigens in Bezug auf einen ehemaligen AfD-Abgeordneten, der nun die rot-rot-grüne Landesegierung in Thüringen stützt, nicht vernommen.“ Die ehemalige Grüne in den Reihen der CDU aufzunehmen, die für konservative Werte und damit auch Loyalität steht, scheint für Mohrmann kein Problem darzustellen: „Ich glaube, dass Elke Twesten bei den Grünen das Gefühl bekam, dass sie ihren Idealen nicht mehr treu bleiben würde. Vermutlich hat sie sich bei diesem Entfremdungsprozess am Ende gefragt, wem sie loyaler sein will: ihren eigenen Idealen oder einer Partei, die ihrer Meinung nach diese Ideale nicht mehr vertritt.“

Kritik an der deutlichen Freude in der CDU, die diese auch entsprechend in die Öffentlichkeit getragen hat, lässt Mohrmann abperlen: „Man stelle sich mal vor, die CDU hätte mit großem Bedauern auf das Ende der rot-grünen Mehrheit in Hannover reagiert. Da ist mir die ehrliche Variante lieber. Alles andere ist Rumtaktieren, das ist doch viel schlimmer.“ Wenn jemandem diese Geschichte von vergangener Woche auf die Füße fällt, dann den Grünen, so Mohrmann: „Die Grünen scheinen zerstritten zwischen Realos und Fundis. Dies hat sich hier wieder gezeigt.

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