Eine Kraftanstrengung

Kinderbetreuung: Mehrheitsgruppe im Kreistag will Gemeinden entlasten

Bei den Kindergartenplätzen in der Stadt Rotenburg ist es inzwischen eng geworden. Die Stadt plant den Bau eines neuen Kindergartens und will eine zusätzliche Krippe errichten. Die Mehrheitsgruppe im Kreistag erkennt die Bemühungen und will helfen. - Foto: Menker

Rotenburg - Von Guido Menker. Dass die Stadt Rotenburg in den kommenden Jahren einen deutlich wachsenden Bedarf an Krippen- und Kindergartenplätzen auf sich zukommen sieht, hat Elke Bellmann als Leiterin des Amtes für Jugend und Soziales in der Sitzung des Rotenburger Jugendausschusses bereits deutlich gemacht. Allein in der Kreisstadt fehlen in diesem Jahr rein rechnerisch schon jetzt 32, im kommenden Jahr 55 und im übernächsten Kindergartenjahr 97 Kindergartenplätze.

Aber damit nicht genug: „Im Landtagswahlkampf haben fast alle etablierten Parteien die Beitragsfreiheit im Kindergarten für die Drei- bis Sechsjährigen angekündigt“, erklärte Bellmann. Aus Elternsicht sei das eine sehr positive Entwicklung, die eine finanzielle Entlastung der Familien darstelle. Die Kehrseite der Medaille, laut Bellmann: „Die Kommunen und Träger der Kindertagesstätten müssen diese Ankündigung leider etwas skeptischer betrachten.“ Für sie gehe um eine sich verändernde Bedarfssitutaion für Kinder von drei Jahren bis zur Einschulung. Bisher sei es so, dass die Kinder, die im laufenden Kindergartenjahr – also zwischen dem 1. August und dem 31. Juli – drei Jahre alt werden und in einer Krippengruppe oder von einer Tagespflege betreut werden, meist bis Ende dieses Kindergartenjahres dort auch verbleiben. „Bei einer Beitragsfreiheit muss davon ausgegangen werden, dass diese Eltern sofort mit dem dritten Geburtstag ihres Kindes den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz geltend machen und ihre Kinder aus der Krippe oder Tagespflege wechseln lassen wollen“, ist sich Bellmann über die Entwicklung sicher. Ein weiterer Teil der U-3-Kinder werde bis zum Eintritt in den Kindergarten zu Hause betreut. Diese Kinder würden nicht alle sofort mit Vollendung des dritten Lebensjahres, sondern oft erst zum Beginn des nächsten Kindergartenjahres für den Kindergarten angemeldet. Mit der Beitragsfreiheit sei auch bei diesen Kindern mit einer Anmeldung zum dritten Geburtstag zu rechnen.

Irgendwie passt es dann auch zum Thema, wenn die Kreistagsgruppe von CDU, WFB, FDP und Freien Wählern von ihrer Haushaltsklausur für 2018 berichtet. Ihr Vorsitzender Marco Prietz kündigt in einem Schreiben an die Presse an, die Gemeinden im Bereich der Kinderbetreuung „finanziell erheblich“ entlasten zu wollen. Dabei gehe es um eine Größenordnung von „mindestens einer Million Euro“. Denn der Haushaltsentwurf der Kreisverwaltung sehe einen Überschuss im Ergebnishaushalt von 3,5 Millionen Euro vor.

Um die Bedürfnisse junger Familien zu erfüllen, muss der Ausbau weitergehen

„In den vergangenen Jahren haben die Gemeinden beim Ausbau der Kinderbetreuung erhebliche Kraftanstrengungen unternommen. Alleine in den letzten drei Jahren wurden rund 200 zusätzliche Krippenplätze eingerichtet, zahlreiche Kitas gebaut und Betreuungszeiten ausgeweitet“, so Prietz. Um die Bedürfnisse junger Familien zu erfüllen, müsse der Ausbau weitergehen. Die Mehrheitsgruppe im Kreistag möchte die Spielräume im Kreishaushalt dafür nutzen, den Gemeinden bei dieser wichtigen Aufgabe unter die Arme zu greifen. Prietz: „Daher werden wir uns im Finanzausschuss am 5. Dezember für eine dauerhafte Entlastung der Gemeinden im Umfang von einer Million Euro jährlich einsetzen. Zusätzliche Entlastungen könnten sich aus einer möglichen Abschaffung der Kindergartengebühren durch das Land ergeben, weil bislang das zweite Kindergartenjahr vom Landkreis beitragsfrei gestellt wird.“

CDU, WFB, FDP und die Freien Wähler hätten in ihrem Koalitionsvertrag eine verstärkte frühkindliche Förderung als Schwerpunkt vereinbart. Daher begrüße die Gruppe den vom Kreistag beschlossenen Ausbau der „Frühen Hilfen“. In Bremervörde, Zeven und Rotenburg würden Kompetenzzentren für „Frühe Hilfen“ als Anlaufstellen für Familien eingerichtet. Diese sollten auch in den weiteren Gemeinden des Kreisgebiets Angebote schaffen. Prietz: „Die Stärkung der finanziellen Handlungsfähigkeit der Gemeinden betrachtet die Kreistagsmehrheit als weiteren Baustein für einen familienfreundlichen Landkreis.“

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