Sandra Bammann grüßt in Wittorf jetzt als Dorfmoderatorin

Eine klare Empfehlung

Sandra Bammann ist eine der ersten zehn Dorfmoderatoren im Landkreis Rotenburg. Foto: Menker

Rotenburg – Der „Werkzeugkoffer“ ist randvoll. So voll, dass Sandra Bammann jetzt erst einmal gucken muss, was davon für sie selbst am besten einzusetzen ist. „Richtig gut“ findet sie das, was sie aus der Ausbildung zur Dorfmoderatorin mitgebracht hat. So gut, dass sie die Form der Weiterbildung allen empfiehlt, die sich in ihrem Ort engagieren möchten.

Zum ersten Mal hat der Landkreis eine solche Ausbildung angeboten – am Ende gibt es zehn erfolgreiche Absolventen. Dazu gehört eben auch Sandra Bammann aus Wittorf. Und die freut sich darauf, in ihren „Werkzeugkoffer“ greifen und ihr Engagement im Dorf künftig wesentlich strukturierter in neue Bahnen lenken zu können.

Aktiv ist Sandra Bammann eigentlich schon immer. „Ruhe und Stillstand sind nichts für mich“, erklärt sie. Viele werden sie kennen, weil sie schon lange sehr intensiv im Bereich der Mounted Games unterwegs ist. Nicht nur vor Ort, sondern auch als Mitglied im Bundesvorstand. Doch auch in Wittorf sitzt sie an mehreren Stellen mit am Tisch. Bislang weniger in Vereinen allerdings. Doch das sollte sich mit der Schließung der Dorfschule vor drei Jahren ändern. Aus dem Unmut darüber ist in Wittorf ein Bürgerverein entwachsen – „das ist genau der Verein, wo es für mich passt“, sagt Bammann. Der Verein befasst sich nicht zuletzt mit der Nachnutzung der Schule und sieht darin für die Zukunft der Visselhöveder Ortschaft ganz neue Möglichkeiten. Dabei, so die frisch gebackene Dorfmoderatorin, spiele die Vernetzung von Vereinen und anderen Engagierten eine zentrale Rolle. „Es gibt viele Veranstaltungen, aber jeder kocht sein eigenes Süppchen“, schildert sie ein Beispiel. Ganz nach dem Motto: „Die Dörfer funktionieren alle sehr ähnlich.“ Und damit ergeben sich vielfach auch ähnlich gelagerte Probleme.

Doch Sandra Bammann geht es nicht nur darum, Veranstaltungen für die kommenden Monate zu planen, sondern vielmehr um die Entwicklung des Ortes insgesamt. Junge Leute suchen dringend Bauplätze, die künftige Entwicklung des Ortes soll nachhaltig sein, es geht um eine verkehrliche Anbindung und viele weitere Themen, die gerade die Dörfer beschäftigen. „Ich halte bürgerschaftliches Engagement auch für eine Bürgerpflicht. Wenn ich in einer lebenswerten Umgebung leben möchte und auch möchte, dass meine Kinder in einer lebenswerten Umgebung aufwachsen, dann muss ich etwas dafür tun. Ich kann nicht darauf warten, dass andere das für mich übernehmen.“

„Die Entwicklung der Dörfer Niedersachsens bedarf vielfältiger Impulse, um geeignete Antworten auf die brennenden Fragen zu finden und den Herausforderungen der Zeit zu begegnen“, heißt es in einem Flyer, in dem für die Ausbildung von Dorfmoderatoren geworben wird. Denn die Qualität der Umsetzung konkreter Maßnahmen und deren nachhaltige Wirkung würden dabei maßgeblich durch die Akteure vor Ort beeinflusst. Dabei können Dorfmoderatoren eine wichtige Rolle im Rahmen der Prozessgestaltung übernehmen und eben wichtige Impulse für den Ablauf der Dorfentwicklung setzen. Ziel der Dorfmoderation sei es, mit Fachwissen und Methodenkompetenz konstruktive Kommunikation innerhalb der Dorfgemeinschaft zu initiieren und zu verstetigen sowie die Umsetzung daraus erwachsener Projektideen, die das Dorf liebens- und lebenswerter gestalten, zu unterstützen.

In Wittorf gibt es mittlerweile alle drei Monate einen Dorftreff. Wenn es gut läuft, kommen 50 Gäste – aus einem Kreis von knapp 1 000 Dorfbewohnern. „Ja, eigentlich müsste es das Ziel sein, dass das Dorfgemeinschaftshaus aus allen Nähten platzt“, bestätigt Sandra Bammann. Doch sie ist sich der Tatsache bewusst, dass es dazu – wenn überhaupt – nur bei ganz bestimmten Themen kommen wird. Dennoch: Sie wünscht sich mehr Teilnehmer an den Prozessen, die sich auf die Zukunft des Ortes fokussieren.

Sich zu Wort zu melden, sich einzubringen und auch mal einen Vortrag zu halten, ist Sandra Bammann zwar nicht fremd, aber mit dem „Werkzeugkoffer“, den sie in der Ausbildung zur Dorfmoderatorin im MGH in Zeven reichlich bestückt hat, ergäben sich eben ganz neue Möglichkeiten. „Möglichkeiten nämlich, den Wittorf-Treff so zu verändern, dass dort künftig noch mehr Ideen sprudeln.“ Zugleich habe sie gelernt, wie sich noch mehr Engagierte finden und sich aus ihnen gut funktionierende Teams bilden lassen.

Das Problem mit der Dorfschule habe in Wittorf viele Menschen regelrecht wachgerüttelt. „Es konnte sich bis dahin niemand vorstellen, dass die Schule mal geschlossen wird.“ Doch genau so ist es gekommen. „Dadurch gab es einen starken Impuls, Dinge gemeinsam in die Hand zu nehmen“, erinnert Bammann an das, was in ihrem Ort geschah. Diesen Impuls möchte sie nutzen für Themen, die eben in die Zukunft gerichtet sind. „Wir müssen da viel weitläufiger denken – gerade dann, wenn es um Nachhaltigkeit geht.“ Das geht durchaus auch schon in eine politische Richtung. „Aber ganz wichtig ist dabei, dass diese Anstöße von unten kommen, das Bewusstsein muss sich von unten ändern“, sagt sie. Genau das könne in einem Dorf gut funktionieren. Ein Prozess, den sie moderieren und dem sie Struktur geben will.

Strukturen für ein „Hand-in-Hand“

Der Landkreis möchte engagierte Menschen durch fachliche Qualifizierung bestärken und für ihr Engagement vor Ort ermutigen. Daher bietet er eine Ausbildung für die Dorfmoderation an. Mit diesem Angebot werden bewusst auch Menschen angesprochen, die bisher nicht kommunalpolitisch engagiert oder eingebunden sind, um das Engagement vor Ort auf breite Füße zu stellen und die Entwicklung zu fördern. Es sollen dadurch mehr Männer und Frauen in das Engagement vor ihrer eigenen Haustür eingebunden und neue Menschen aktiviert werden. Die Dorfmoderatoren sollen Bürger mit ihren kommunalpolitischen Vertretern zusammenbringen und so Berührungsängste auf beiden Seiten abbauen. Der Landkreis weist besonders darauf hin, dass dies eine Ergänzung zur kommunalpolitischen Arbeit sein soll und ein Miteinander der Akteure gewünscht ist. Das Programm schaffe keine parallelen Strukturen, sondern ermögliche ein „Hand-in-Hand“.

 Die Dorfmoderatoren können sich zum Beispiel dafür einsetzen, dass es vor Ort wieder einen Dorftreffpunkt, Treffen zwischen den Vereinen aus dem Dorf, eine Bürgerversammlung zur Gestaltung der Zukunft im Ort oder ganz neue Angebote gibt. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt: Alles, was das Miteinander, das freiwillige Engagement und den Erhalt oder Aufbau von Strukturen im Dorf fördert, können die Dorfmoderatoren anschieben oder organisieren. Dabei geht es immer darum, dass die Bürgermeister und die Verwaltung ebenso im Boot sind, wie auch die Kommunalpolitik und die Einwohner der Dörfer.  men

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