Projekte im Landkreis Rotenburg

Coworking-Spaces: Eine Idee punktet auf dem Land

Elisabeth Schröder (r.) und Bettina Brenning
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Elisabeth Schröder (r.) präsentiert ein Projekt aus Schneverdingen. NLV-Präsidiumsmitglied Bettina Brenning lauscht gespannt.

Ursprünglich als Idee fürs mobile Arbeiten in der Stadt entstanden, haben sich Coworking-Spaces nun auch auf dem Land etabliert. Im Kreis Rotenburg gibt es mehrere solcher Initiativen für gemeinsam genutzte Büros, im Waffensener MGH ist eine Bilanz verschiedener Projekte gezogen worden.

Waffensen – Gute Ideen setzen sich in der Regel durch. Diesen Weg geht offensichtlich auch die Idee der Coworking-Spaces. Hinter dem Begriff steht die Überlegung, dass mehrere Menschen sich größere, offen gestaltete Räume teilen und dabei arbeiten. In großen Städten hat sich das etabliert, doch wie sieht es im ländlichen Raum aus?

Fakt ist, die Idee breitet sich aus, und zwar auch im Landkreis Rotenburg. Denn dort gibt es das Angebot inzwischen zum Beispiel im Lauenbrücker Landpark, in Waffensen im Mehrgenerationenhaus, aber auch in der Gemeinde Visselhövede-Schwitschen. Dort gab es in den Sommermonaten in Kooperation mit den Landfrauen vor Ort einen „PopUp-Coworking-Space“. Eine Art Testphase wurde organisiert, um den Bedarf abzufragen. Denn der ist am Ende mitentscheidend, wenn es später einmal darum geht, aus dem Angebot ein wirtschaftlich funktionierendes Konzept zu etablieren. Genau an dieser Stellschraube arbeitet aktuell auch die Samtgemeinde Zeven: Hier wurde eine Standortanalyse erstellt, um herauszufinden, wo und in welcher Form sich Coworking vor Ort sinnvoll umsetzen lässt. Das Projekt ist demnach in Arbeit und zeigt: Es werden immer mehr Orte, an denen Alternativen zum klassischen Büro entstehen.

Niedersachsens Sozialministerin Daniela Behrens (SPD) ist überzeugt davon, dass die Räume zum gemeinsamen Arbeiten auf dem Land eine Zukunft haben.

„Als wir im Jahr 2019 mit unserer Genossenschaft begonnen haben, gab es gerade mal zehn solcher Coworking-Spaces im ländlichen Umfeld – heute sind es bereits mehr als 200“, so Ulrich Bähr, Geschäftsführer der Genossenschaft „CoWorkLand“. Diese unterstützt solche Initiativen. Am Ende soll es an vielen Orten im ländlichen Raum möglich sein, mobil und somit unabhängig vom klassischen Büro zu arbeiten.

„Dabei sind die Initiatoren solcher Räume in der Regel nicht die Städter, die dann aufs Land fahren, um dort zu arbeiten“, weiß Bähr. Eher, so seine Erfahrung, sind es Multiplikatoren, die ohnehin vor Ort schon eine ganze Menge aufgebaut haben und ein bestehendes Angebot noch weiter verbessern wollen. Für den Geschäftsführer ist zum Beispiel das Angebot des Mehrgenerationenhauses in Waffensen solch ein klassischer Fall. „Ilka Holsten-Poppe hat hier mit ihrem Team ein Gesamtprojekt aufgebaut und dabei ist der angebotene Coworking-Space ein gutes Ergänzungselement“, beschreibt er die aktuell fünf Arbeitsplätze, die hier angeboten werden. Ursprünglich und somit in der Zeit vor der Pandemie habe man vor allem Selbstständige ansprechen wollen. Inzwischen habe das Thema Homeoffice dazu geführt, dass die Nachfrage nach den innovativen Arbeitsplätzen ein Vielfaches an Potenzial entwickelt hat.

Manuela Schneider stellte den Schwitschener Coworking-Space vor.

Dieses Potenzial sieht auch Niedersachsens Sozialministerin Daniela Behrens (SPD). Wie Bähr ist sie am Samstag auf Einladung des Landfrauenverbands zu Besuch im Mehrgenerationenhaus. Die Abschlussveranstaltung präsentiert die Erfahrungen, die der Verband bislang in Sachen „Coworking im ländlichen Raum“ erlebt hat. „Wenn Landfrauen mit uns Modellprojekte umsetzen, wird das im Ergebnis immer gut“, scherzt Behrens. Auch sie weist auf den Corona-Effekt hin: „Vor der Pandemie war mobiles Arbeiten nicht so präsent“. Behrens thematisiert eine ganze Reihe weiterer Aspekte der innovativen Arbeitsform. Da geht es etwa um die Entwicklung, dass die ursprünglich urban, also städtisch entstandenen Spaces einst vor allem von männlichen Führungskräften in technischen Berufen genutzt wurden. Erst mit Beginn der Pandemie, Homeschooling und Homeoffice, seien es vermehrt auch Frauen, die den Spagat zwischen Kinderbetreuung und Bürojob machen mussten – und so auf einmal mehr Interesse an den Coworking-Spaces zeigen. „Ich war von Anfang an überzeugt, dass diese Idee auf dem Land gut funktionieren wird“, betont Behrens. Noch seien es Modellprojekte, die an den Start gegangen sind, am Ende sei ein flächendeckendes Angebot, gerade auf dem Land, interessant. Auch Landfrauen-Präsidentin Elisabeth Brunkhorst berichtet, dass der Verband zunächst über die Schiene „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ auf die Grundidee der Coworking-Spaces gekommen sei. „Wir stehen ja für ein gutes Miteinander und eine starke Gemeinschaft, das passt einfach“, so Brunkhorst. Inzwischen sei man überzeugt von den vielen Vorzügen. Gemeinsam genutzte Ressourcen sind eben ressourcenschonend, weniger Pendler gut fürs Klima und „Coworking belebt Schlafstädte“, betont sie.

Überzeugt vom Coworking ist auch Katharine von Schiller, die das Angebot des Lauenbrücker Landparks langfristig etablieren will. Und in Waffensen denkt man schon einen Schritt weiter: Wenn alles gut geht, soll im kommenden Jahr sogar ein Neubau entstehen, der weitere Arbeitsplätze und sogar separat buchbare Büros auf Worthmanns Hoff ermöglichen sollen.

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