Katharina Baur über das Leben der Schriftstellerin

Paula Buber: Eine Frau mit starkem Willen

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Katharina Baur sprach in der Cohn-Scheune über die Schriftstellerin Paula Buber.

Rotenburg - Der deutsch-jüdische Philosoph Theodor Lessing nannte sie in seinen Lebenserinnerungen „zäh, genial, unbedenklich“ und beschrieb sie als „unheimlich gescheit und herrischen Willens“. Gemeint war die junge Paula Winkler, die spätere Frau des berühmten jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber.

Am Dienstag sprach Katharina Baur, die an der Universität Augsburg studiert hat, in der Rotenburger Cohn-Scheune über das Thema „Liebe Frau Georg Munk – die Schriftstellerin Paula Buber (1877-1958) im Spannungsfeld von Anonymität und Berühmtheit“. 

Fasziniert von Paula Buber und deren Wirken, arbeitet Baur zur Zeit an ihrer Dissertation über die Schriftstellerin. Begrüßt wurde die junge Wissenschaftlerin von Inge Hansen-Schaberg, der Vorsitzenden des Fördervereins Cohn-Scheune. Die beiden Frauen hatten sich im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Arbeit kennengelernt.

Die Katholikin Paula Winkler, in München geboren, lernte 1899 Martin Buber während ihres Germanistikstudiums in Zürich kennen. Aus der Verbindung gingen zwei Kinder, Rafael und Eva, hervor. Schranken, die der unterschiedliche Glaube des jungen Paares setzte, wurden von Paula Buber 1901 mit ihrem Austritt aus der katholischen Kirche und ihrem Übertritt zum Judentum gelöst.

Katharina Baur hatte ihr knapp einstündiges Referat über Paula Buber in vier Abschnitte unterteilt. Buber, die lange Zeit im Schatten ihres berühmten Ehemannes stand, war schließlich die längsten Abschnitte ihres künstlerischen Lebens in enger Werkgemeinschaft mit Martin Buber verbunden. Der gegenseitige Austausch und das Ergänzen der schriftstellerischen Arbeit begleiteten das Wirken der beiden.

Die Berliner Zeit der Bubers begann 1912. Martin Buber, inzwischen weit bekannt, machte zahlreiche Reisen in viele Teile der Welt. Zwischen dem Ehepaar begann ein besonders starker Briefwechsel. Teile dieser Korrespondenz, überwiegend sehr persönlich und damit weitgehend unbekannt, will Katharina Baur in ihre Dissertation einbeziehen. Dazu gehören Briefe von Hermann Hesse, Erika Mann und Samuel Josef Agnon.

In diese Zeit fiel auch die Veröffentlichung ihres ersten Buches, die Novellensammlung „Die unechten Kinder Adams“, veröffentlicht unter dem Pseudonym Georg Munk. Nach Aussage von Baur wurde bisher nicht eindeutig geklärt, warum Paula Buber diesen Namen wählte. Dazu gebe es laut der Referentin mehrere Auslegungen.

Nachdem Paula Buber eine schwere Erkrankung überstanden hatte, zog die Familie aus dem lauten Berlin in das beschauliche Heppenheim. 1935, die Nationalsozialisten waren auf dem Wege, Deutschland gleichzuschalten, wurde Paula Buber aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen. Der weltweit bekannte Name Martin Bubers schützte die Familie, die Nazis ließen sie unangetastet und ein Jahr vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nach Palästina emigrieren.

Während Martin Buber einen Lehrstuhl an der Hebräischen Universität Jerusalem übernahm, entstand Paulas Roman „Muckensturm“, ein Buch, das die Anfänge des Nationalsozialismus in einer deutschen Kleinstadt schildert. Da sie für den Roman keinen Verlag fand, erschien er acht Jahre nach dem Krieg in der jungen Bundesrepublik im Verlag Lambert Schneider. Paula Buber starb 1958 im Alter von 81 Jahren in Venedig.

bn

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