Eine Frage der Perspektive

Innenstadt: Stadtplaner und Bürgermeister beharren auf Zweigeschossigkeit

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Die Baulücke an der Großen Straße gegenüber der Post soll bald geschlossen werden. Ganz zur Freude der Stadt. Allerdings darf das neue Gebäude zur Straße hin wie die benachbarten Häuser nur höchstens zweigeschossig sein.

Rotenburg - Von Joris Ujen. Dort, wo früher das Bistro „Carthago“ stand, ist seit mehreren Wochen eine große Lücke an der Großen Straße in Rotenburg gegenüber der Post. Unternehmerin Jette Grewe hatte das Grundstück, das sich direkt neben ihrem Geschäft „Jette C.“ befindet, gekauft und will dort Gewerbeflächen, ein Parkturm sowie rund 15 Wohnungen bauen lassen. Prinzipiell ganz zur Freude der Stadtverwaltung. „Wir sind dankbar, dass es Investoren wie Frau Grewe gibt. Aber die Optik muss auch stimmen“, erzählt Stadtplaner Clemens Bumann und meint damit die Anzahl der Stockwerke. Grewe möchte dreigeschossig mit einem zurückspringendem Staffelgeschoss samt Flachdach bauen, die Stadt beharrt auf die im Bebauungsplan festgelegte Zweigeschossigkeit mit einem Sattel- oder Walmdach.

„Auch wenn der Bebauungsplan fast 30 Jahre alt ist“, so Bürgermeister Andreas Weber (SPD), „beschreibt er unsere Intension im städtebaulichen Sinne immer noch ganz gut.“ Als Kompromiss schlägt die Verwaltung eine Dreigeschossigkeit im rückwärtigen Bereich des Grundstücks vor. Dort wären laut Stadtplaner Bumann dann auch Flachdächer möglich. Bei anderen Gebäuden in der Innenstadt ist das schon der Fall. Wichtig sei nur, dass die Ansicht aus der Fußgängerzone nicht beeinträchtigt wird.

Der vom B-Plan abweichende Bauwunsch der Unternehmerin wurde bereits am Montag dem Planungsausschuss der Stadt vorgestellt. Beauftragt hatte Grewe die Planungsgemeinschaft Nord (PGN). Deren Geschäftsführer Norbert Behrens kritisierte das für ihn veraltete Städtebaukonzept mit den Höhenbegrenzungen und Sattel-, Walm- oder Krüppelwalmdächern. „Zipfelmützen“, nannte er sie. Weber hingegen möchte den „gemütlichen Innenstadtcharakter für die Zukunft erhalten und kein zweites Frankfurt“, scherzt er ein wenig, macht seine Position und die der Verwaltung aber deutlich: „Diese Stilrichtung muss erhalten bleiben.“ Viele Unternehmer seien ihr schon gefolgt, damit die Innenstadt attraktiv ist und bleibt, argumentiert der Verwaltungschef. Als Beispiel nennt er die Fleischerei Hollmann, die ein „richtig tolles“ Giebelhaus stehen lassen hat. Ganz besonders hervorheben müsse man auch Juwelier Maasch an der Großen Straße 36. Deren Unternehmerin hatte viel Geld für die Fassade investiert, die laut Weber das Stadtbild aufwertet.

Clemens Bumann (l.) und Andreas Weber halten an dem Bebauungsplan von 1990 fest, sind aber auch kompromissbereit.

In den kommenden Jahren können laut Weber verschiedene Bausubstanzen in Rotenburg nicht mehr saniert, sondern müssen gänzlich erneuert werden – wie es beim abgerissenen Bistro nun der Fall war. Das ehemalige Möbelgeschäft Meyer an der Goethestraße, die ehemalige Schlachterei Wünsch am Stadtstreek oder das Gebäude an der Großen Straße, das sich ein Telekom-Shop und die Apotheke Große teilen, „müssen voraussichtlich einmal völlig erneuert werden“, so Weber. „Wenn man jetzt beim Grundstück von Grewe eine Ausnahme macht mit einer Etage oben drauf und Flachdach, wollen das eventuell weitere Unternehmer auch.“

Was noch fehlt und auch von Architekt Behrens verlangt wird, ist ein aktuelles Stadtentwicklungskonzept, das die Verwaltung voraussichtlich erst in anderthalb Jahren vorlegen kann. Andreas Webers Ansicht nach, sei für die Konzeptionierung ein externes Büro von Vorteil, das auch schon Erfahrungen mit solchen Aufträgen hat. „Alle Rotenburger Architekten sollen aber mit einbezogen werden, weil sie viele unterschiedliche Ideen haben, die dann auch relevant sein können.“ Alles aber unter Berücksichtigung des bestehenden Bebauungsplans.

Bald muss eine Einigung gefunden werden, Bumann und Weber zeigen sich aber optimistisch.

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