1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Rotenburg
  4. Rotenburg (Wümme)

Arbeitsmarkt im Landkreis zeigt sich robust

Erstellt:

Von: Guido Menker

Kommentare

Die Agentur für Arbeit in Rotenburg hat es mit einer weiterhin niedrigen Arbeitslosenquote zu tun.
Die Agentur für Arbeit in Rotenburg hat es mit einer weiterhin niedrigen Arbeitslosenquote zu tun. © Menker

Rotenburg – Im Bereich der Agentur für Arbeit Stade – dazu gehören die Landkreise Stade, Rotenburg und Cuxhaven – waren im vergangenen Jahr durchschnittlich 16 260 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Das bedeutet einen Rückgang um 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Arbeitslosenquote lag bei 5,2 Prozent. Im Vorjahr betrug sie 5,3 Prozent. Im Landkreis Rotenburg hat die durchschnittliche Quote 3,6 Prozent betragen. Ein Jahr zuvor hatte sie hier noch bei vier Prozent gelegen.

Grund genug also, dass die Bewertung des hiesigen Arbeitsmarktes in einem Online-Pressegespräch der Agentur für Arbeit sowie des Rotenburger Jobcenters recht gut ausgefallen ist. Landrat Marco Prietz bezeichnete den Arbeitsmarkt im Landkreis nicht nur als „gut aufgestellt“, sondern auch als „robust“. „Wir haben es mit einem Mittelstand zu tun, in dem viele inhabergeführte und damit stark verwurzelte Unternehmen zu finden sind“, so der Christdemokrat. Man sei nicht von wenigen Großunternehmen abhängig. Eine Struktur also, mit der man gut durch Krisen kommen könne. Dagmar Froelich als Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Stade bezeichnet den Landkreis Rotenburg mit Blick auf die niedrige Quote und die gute Entwicklung trotz der Pandemie als „Klassenbester“.

Dieses Urteil bezieht die Entwicklung des Jobcenters mit ein. Denn auch von dort sind nur gute Nachrichten zu vernehmen. Die Zahl der Arbeitslosen im Bereich des Jobcenters sank 2021 um 168 Personen. Damit konnte die Arbeitslosenquote derer, die von Hartz IV leben, von 1,9 Prozent im Dezember 2020 auf aktuell 1,8 Prozent reduziert werden. „Die Zahl der vom Jobcenter betreuten Familien, die so genannten Bedarfsgemeinschaften, ist im Dezember 2021 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 10,6 Prozent gesunken und befindet sich damit auf dem niedrigsten Stand seit Bestehen des Jobcenters“, berichtet die Sozialdezernentin Imke Colshorn. Damit hat sich die Zahl der Bedarfsgemeinschaften im Landkreis im Jahr 2021 positiver als im Landes- und Bundesdurchschnitt entwickelt. „Dies ist in erster Linie einem gesunden Branchenmix in unserem Landkreis zu verdanken. Insbesondere in der Logistikbranche und im Gesundheitssektor ist die Nachfrage nach Arbeitskräften weiterhin groß“, betont Landrat Prietz. Für das Jobcenter spricht Imke Colshorn von einer „Erfolgsgeschichte“.

Es sieht also im Vergleich recht gut aus – im Agentur-Bezirk, vor allem aber im Landkreis Rotenburg. Dennoch gibt es hier und da konkrete Punkte, die den Experten auch Sorgen bereiten. Der Fachkräftemangel in erster Linie. Eine Entspannung ist da kaum in Sicht. Im Gegenteil: Die durchschnittliche Dauer bis zur Wiederbesetzung einer bei der Agentur für Arbeit gemeldeten Stelle hat im vergangenen Jahr um fünf Tage zugenommen. Inzwischen vergehen durchschnittlich 137 Tage, ehe sich eine passende Fachkraft finden lässt. In manchen Branche wird das Problem besonders deutlich: Wer einen entsprechend ausgebildeten Mechatroniker oder einen Mitarbeiter im Bereich Energie oder Elektro sucht, wartet durchschnittlich rund 260 Tage bis zur Vertragsunterschrift.

Dennoch: Die Stimmung und damit die Aussicht für den Arbeitsmarkt ist positiv, weil es laut Agentur gelungen ist, Jugendliche und junge Erwachsene noch stärker unterzubringen. Das Jobcenter schaue ebenfalls optimistisch ins Jahr 2022. Die sehr guten Zahlen aus dem vergangenen Jahr ließen zusammen mit der stabilen Wirtschaftsstruktur im Landkreis hoffen, dass die Corona-Pandemie keine schweren Folgen für den Arbeitsmarkt im Jahr 2022 haben wird.

In den Fokus nehmen will das Jobcenter in diesem Jahr eine nachhaltige und existenzsichernde Integration in den ersten Arbeitsmarkt sowie die intensive Arbeit mit der Kundengruppe der Langzeitleistungsbezieher sowie die Gleichstellung von Frauen und Männern. Mit Blick auf die Pandemie seien eine zielgerichtete Förderung der Kunden des Jobcenters und eine vor allem nachhaltige Integration auf dem Arbeitsmarkt bedeutsame Aufgaben, unterstreicht Imke Colshorn. Die individuelle Unterstützung sei gerade jetzt so wichtig.

Es sei zu hoffen, dass die Pandemie in diesem Jahr keine gravierenden Folgen auf die Entwicklung des Arbeitsmarktes für die Jobcenter-Kunden mit sich bringen wird. Dennoch seien die Auswirkungen der Pandemie auf den Arbeitsmarkt weiterhin unsicher.

Die Chefin der Stader Agentur für Arbeit erklärt: „Individuelle Qualifizierung von Arbeitssuchenden und Beschäftigten spielen zunehmend eine Rolle. Dabei müssen benachteiligte Menschen in gleichem Maße am Arbeitsmarkt teilhaben.“ Die Konzentration gelte zudem der Begleitung der digitalen Transformation und des demografischen Wandels in der Wirtschaft und auf dem Arbeitsmarkt. Die verstärkte Beratung von Unternehmen sei dabei wichtig. Integrationsunterstützende Maßnahmen und Förderketten zur Fachkräfteentwicklung würden darüber hinaus zunehmend an Bedeutung gewinnen. Zugleich erklärt Dagmar Froelich: „Wir nutzen weiterhin die Möglichkeiten der Digitalisierung im Interesse unserer Kundinnen und Kunden und bauen unser Onlinegeschäft weiterhin aus.“ Videoberatung und hybride Weiterbildungsangebote habe man inzwischen im Blick – eine der Lehren aus der Krise.

Was das Jobcenter für 2022 zuversichtlich stimmt: Die Nachfrage nach Arbeitskräften etwa in der Logistikbranche sowie im Gesundheitswesen sei weiterhin groß. Man spricht daher von einer guten Ausgangslage.

Auch interessant

Kommentare