Auch Brigitte Borchers könnte sich den Frauentag am 8. März als Feiertag vorstellen

„Eine charmante Idee“

Brigitte Borchers J Archivfoto: Menker

Rotenburg - Die Landesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauen- und Gleichstellungsbüros Niedersachsen (LAG) begrüßt die Initiative des Niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil zur Einführung eines weiteren Feiertages in Niedersachsen. Sie unterstütze die Idee des Zentrums für Frauengeschichte (ZFG) in Oldenburg, den Internationalen Frauentag als Gedenktag zu wählen. Das teilt die LAG in einem Schreiben an die Presse mit.

Der Internationale Frauentag sei besonders gut geeignet, da er zu den wenigen Gedenktagen zähle, die weltweit einen engagierten Einsatz für Gleichberechtigung, Demokratie und Teilhabe in allen Lebensbereichen und die damit einhergehenden gesellschaftlichen Veränderungen und Partizipationsprozesse würdigten. Wir haben dazu ein Interview mit der Rotenburger Gleichstellungsbeauftragten Brigitte Borchers geführt.

Frau Borchers, das Zentrum für Frauengeschichte in Oldenburg geht mit einem besonderen Vorschlag an die Öffentlichkeit. Wie finden Sie diese Idee?

Brigitte Borchers: Ich war überrascht, als ich die Pressemitteilung der Landesarbeitsgemeinschaft der Gleichstellungsbeauftragten bekam. Spontan finde ich die Idee charmant.

Die Landesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauen- und Gleichstellungsbüros Niedersachsen unterstützt diese Idee. Glauben Sie ernsthaft daran, dass sie Realität werden kann?

Borchers: Warum nicht? Ein weiterer Feiertag ist in Niedersachsen im Gespräch, und es wird nach einem würdigen Anlass gesucht.

Warum wäre der 8. März aus Ihrer Sicht gut für einen zusätzlichen Feiertag geeignet?

Borchers: Gut geeignet wäre er, weil der 8. März, darauf weist auch die LAG hin, bereits seit bald 100 Jahren ein Tag ist, der international für den Einsatz für Gleichberechtigung, Demokratie und Teilhabe und für den Weltfrieden steht. Die LAG schreibt, dass an einem solchen gesetzlichen Feiertag die Erfolge der Gleichstellung und die Erfordernisse für eine geschlechtergerechte Gesellschaft in den Mittelpunkt gestellt werden könnten. Ich sehe allerdings auch die Gefahr, dass der Tag zu einem zweiten „Muttertag“ verkommen könnte.

Mal ganz ehrlich: Wären Sie selbst auch auf die Idee gekommen, den 8. März als zusätzlichen Feiertag vorzuschlagen?

Borchers: Nein, aber es ist doch schön, dass das Oldenburger Zentrum für Frauengeschichte diese Idee hatte!

Auch Sie betonen schon seit vielen Jahren immer wieder, dass die Gleichberechtigung von Mann und Frau noch immer nicht das „reale Leben“ erreicht hat. Könnte dabei ein offizieller Feiertag überhaupt helfen?

Borchers: Dieser Tag ist schon seit sehr langer Zeit ein Tag, an dem auf die Defizite in der Gleichberechtigung hingewiesen wird und an dem die bereits errungenen Rechte gefeiert werden. Obwohl er schon so lange als von der UN gesetzter Gedenktag besteht, ist er allerdings vielen Menschen noch immer unbekannt. Das zumindest würde sich ändern. Ob sich die Gesellschaft ändert, ist sicherlich von anderen Faktoren abhängig.

An welchen Stellen hakt es denn zum Beispiel mit Blick auf die Gleichstellung in Rotenburg?

Borchers: Auf diese Frage habe ich schon so oft geantwortet und an den entscheidenden Parametern ändert sich leider bisher nur wenig: Solange es Ehegattensplitting und Minijobs gibt und kein Rückkehrrecht in Vollzeitarbeit – und keine kurze Vollzeit für alle, damit sich Paare ihre Familienverantwortung teilen können –, so lange wird auch die traditionelle Rollenverteilung vorherrschend bleiben. Das ist aber kein Rotenburger Problem, das muss in Berlin geändert werden. Aber vielleicht auf Rotenburg bezogen: Solange an den Supermarktkassen hauptsächlich Frauen sitzen und sich beim Wirtschaftsforum hauptsächlich Männer treffen, so lange haben wir eine sehr sichtbare Schieflage in Sachen Gleichberechtigung.

An welchen Stellen haben Sie das Gefühl, dass sich schon einiges in die richtige Richtung entwickelt hat?

Borchers: Es gibt inzwischen viel mehr Frauen in Positionen mit Entscheidungsmacht. Auch in Rotenburg. Und wenn Sie zum Beispiel betrachten, wie sich die Kinderbetreuung entwickelt hat, seit es den Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab zwei Jahren gibt - dann besteht Grund zur Hoffnung, dass sich auch noch anderes zum Positiven verändert.

Von Guido Menker

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