Eine besondere Nachbarschaft

60. Angerburger Tage widmen sich dem Verhältnis von Deutschland und Polen

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Kreisvertreter Kurt-Werner Sadowski (v.l.), Brigitte Junker und Susanne Hagen, die Referenten Dr. Jürgen W. Schmidt und Dr. Bettina Bouresh am Rande der heimatpolitischen Tagung der Kreisgemeinschaft Angerburg.

Rotenburg - Von Wieland Bonath. Deutschland und Polen, zwei Nachbarländer deren lange gemeinsame Geschichte von vielen Auseinandersetzungen, Missverständnissen, Kriegen und gemeinsamer Kultur begleitet ist. Gerade in den vergangenen Wochen ist es aufgrund der schwierigen Geschichte zwischen den beiden Ländern erneut zu Spannungen gekommen. Der Zweite Weltkrieg, Flucht, Vertreibung und die Bemühungen, menschliche und materielle Wunden zu heilen, waren Mittelpunkt der 60. heimatpolitischen Tagung der Kreisgemeinschaft Angerburg am Wochenende.

Von Kreisvertreter Kurt-Werner Sadowski begrüßt, sprachen die Berliner Historiker Dr. Jürgen W. Schmidt und Dr. Bettina Bouresh in der vollbesetzten Aula der Theodor-Heuss-Schule über die Themen „Flucht und Vertreibung der Deutschen aus Ost- und Westpreußen“ und „Schloss Steinort“ in Ostpreußen, Sitz der Familie von Lehndorff. Heinrich Graf von Lehndorff war am 20. Juli 1944 an einem Attentat auf Adolf Hitler beteiligt.

Ausführlich, mit Blick zurück auf das deutsch-polnische Verhältnis in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, sprach Wissenschaftler und Buchautor Schmidt („Flucht und Vertreibung“) über die Vergangenheit der Nachbarn Deutschland und Polen. Dabei kam das eigentliche Thema, nämlich die Flucht hunderttausender Menschen, wie in der Diskussion kritisch angemerkt wurde, ein wenig zu kurz. Ein Aspekt, den Schmidt noch einmal aufgriff und anmerkte, dass die ostpreußischen Menschen bei großem Widerstand deutscher Soldaten und der heranrückenden Roten Armee sich weitgehend selbst überlassen waren.

Die Gauleiter, Erich Koch (Ostpreußen) und Albert Forster (Westpreußen), zwei fanatische Nationalsozialisten, hatten, als die Niederlage unausweichlich war, die Flucht ergriffen, wurden von den Alliierten jedoch im Westen dingfest gemacht.

Schmidt beschrieb weiter die Inhalte der aktuellen Geschichtsforschung: Während russische und polnischen Historiker, so der Referent, in ihren Dissertationen relativ unbefangen an das Thema „Flucht und Vertreibung“ gingen, bemerke er bei deutschen Wissenschaftlern immer wieder „Leisetreterei“. Eine Aussage, für die Schmidt Beifall bekam.

Bettina Bouresh, seit kurzer Zeit Vorsitzende der Lehndorff-Gesellschaft Steinort, beschäftigte sich mit der wechselvollen Geschichte des bedeutenden Barockschlosses Steinort in den Masuren. Die pensionierte Berliner Kunsthistorikerin und Archäologin, deren Familie aus Allenstein (das heutige Olsztyn) stammt, hat es sich trotz erheblicher Probleme mit Spekulanten und Schwierigkeiten mit polnischen Behörden zur Aufgabe gemacht, mit ihren Mitstreitern, darunter Nachkommen der Familien Lehndorff und Dönhoff, zunächst den von 1689 bis 1691 errichteten Kernbau zu restaurieren. Etwa fünf Millionen Euro, so Bettina Bouresh, würden benötigt, um den Plan, das Herrenhaus zu restaurieren und um eine Akademie mit einem Museum einzurichten, verwirklichen zu können. Dabei wird auf Hilfe durch den Bundestag, den Staat Polen und ein großes Spendenaufkommen gehofft, um diesen „Leuchtturm“ wieder zum Strahlen zu bringen.

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