Moderatorin Bettina Tietjen liest im Auditorium des Kantor-Helmke-Hauses

Eine Achterbahn der Gefühle

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Bettina Tietjen bewies bei der Lesung im Auditorium des Kantor-Helmke-Hauses, dass ernste Themen auch heitere Aspekte haben können.

Rotenburg - Von Heidi Stahl. Ein sehr persönliches Buch zum Thema Demenz hat die Moderatorin vom „roten Sofa“ am Montagabend den vielen Zuhörern im ausverkauften Saal des Kantor-Helmke-Hauses in Rotenburg vorgestellt. In Kooperation mit dem Verein Hospizarbeit Rotenburg hatte Christine Braun, Leiterin der Stadtbibliothek Rotenburg, Bettina Tietjen zu der Lesung über die letzten Lebensjahre ihres dementen Vaters eingeladen.

Fast jeder kennt jemanden aus der Familie oder dem Bekanntenkreis, der von diesem Thema betroffen ist, sich aber scheut, darüber zu reden. Demenz und das langsame Abschiednehmen von der Realität und der eigenen Persönlichkeit ist kein leichtes Thema, aber dass es auch viele bereichernde und auch unerwartet fröhliche Seiten hat, zeigt Bettina Tietjen in ihrem Buch „Unter Tränen gelacht, Mein Vater, die Demenz und ich“.

Sehr offen und persönlich schildert sie die Achterbahn der Gefühle, die sie und ihre Familie in den letzten zwei Lebensjahren ihres Vaters, die er in einem Pflegeheim in Hamburg verbracht hat, durchlaufen haben. Versiert verknüpft sie dabei zwei Erzählstränge, die die Gegenwart im Heim und in Rückblenden die Anfänge seiner Demenz im eigenen Haus in Wuppertal aufgreifen. Mit der ihr eigenen Lebhaftigkeit und Professionalität als Moderatorin nimmt sie die Zuhörer mit auf den Weg durch das Buch, in dem bei aller Ernsthaftigkeit auch der Humor nicht zu kurz kommt.

„Guten Abend, Frau Tietjen, hier spricht die Polizei Wuppertal (…) Die Nachbarn ihres Vaters haben uns benachrichtigt. Wir haben seine Betreuerin bewusstlos vorgefunden, sie war volltrunken (…) und wurde ins Krankenhaus abtransportiert. Ihr Vater wird gerade von der Nachbarin ins Bett gebracht. Können Sie bitte sofort kommen?“, so beginnt sie ihre Lesung an diesem Abend mit dem Abschnitt, als ihr und ihrer Schwester klar wurde, dass die Pflege ihres Vaters zuhause auch mit Hilfe zweier lettischer Pflegerinnen nicht mehr zu schaffen war.

Der darauf folgende Umzug des Vaters in ein Hamburger Pflegeheim habe ihr Leben nicht nur verändert, sondern auch sehr bereichert. „Ich habe noch mal eine ganz andere, emotionale Seite an ihm entdeckt, die mir bis dahin unbekannt war,“ erzählt Tietjen, die immer zwischendurch auch lebhaft andere Begebenheiten frei schildert, die sich nicht im Buch wiederfinden. Auch dass die Entscheidung, den Vater in einem Pflegeheim unterzubringen, ein Auf und Ab der Gefühle mit sich bringt und Zweifel, ob man auch alles richtig macht, verschweigt sie nicht.

Sie bricht eine Lanze für die aufopferungsvolle Arbeit der Menschen, die in den Pflegeheimen arbeiten, ist entsetzt über die Pflegesituation in Krankenhäusern, die auf demente Menschen nicht adäquat reagieren können und zieht letztendlich doch ein positives Fazit: „Auch in einer Demenz kann man so viel Freude und schöne Momente miteinander haben, man muss sich nur darauf einlassen.“ Mit ihrem Buch möchte sie Menschen dazu ermutigen, das Thema Demenz nicht nur problembelastet zu sehen, sondern sich auch ohne Scheu mit anderen darüber auszutauschen. In Rotenburg ist ihr das gelungen.

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