„Eine 180-Grad-Drehung“

Prozess gegen 31-Jährigen wegen häuslicher Gewalt mit vielen offenen Fragen

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Was genau am 3. Dezember 2016 in Stuckenborstel passierte, konnte das Rotenburger Amtsgericht am Dienstag nicht abschließend klären.

Rotenburg - Im Prozess gegen einen 31 Jahre alten Mann aus Ottersberg vor dem Rotenburger Amtsgericht haben zwei Zeuginnen widersprüchliche Angaben im Vergleich zu ihrer Aussage kurz nach der angeblichen Tat gegenüber der Polizei gemacht. Warfen sie ihm damals noch häusliche Gewalt vor, entlasteten sie ihn am Dienstag und belasteten sich teilweise selbst.

Es war eine emotional aufgeladene Verhandlung. Nicht nur der vorbestrafte 31-Jährige, der laut Anklageschrift seine 33 Jahre alte damalige Verlobte am Morgen des 3. Dezember 2016 geschlagen und ihre 16 Jahre alte Tochter verletzt haben soll, wurde des Öfteren laut, auch der Staatsanwalt und selbst die vorsitzende Richterin Petra Simon konnten ihren Unmut nicht verbergen, dass die Zeuginnen nach einem halben Jahr eine komplett andere Sicht auf die Dinge hatten, als noch vor einem halben Jahr.

Alles hing mit Eifersucht zusammen

Sicher schien dagegen nur das Motiv, alles hing mit Eifersucht zusammen. Nach fester Überzeugung der 33-Jährigen hat ihr Ex-Verlobter eine sexuelle Beziehung mit einer Anderen gehabt. Als er am frühen Morgen des 3. Dezembers zu ihrer gemeinsamen Wohnung in Stuckenborstel kam, wollte sie ihn zur Rede stellen. Was dann passierte, ist während der Verhandlung unklar geblieben. Nicht nur, weil sie und ihre Tochter bei der Anzeige gegenüber der Polizei den Vorgang anders schilderten, auch konnten sich Mutter und Tochter vor Gericht eigenen Angaben nach nicht mehr an entscheidende Details zum Hergang erinnern.

Das Paar sei aufeinander losgegangen, sagte die Tochter am Dienstag aus. Im Dezember hieß es von ihr und ihrer Mutter, der Angeklagte hätte seine Verlobte nach ihren Vorwürfen unter Einfluss von Drogen mehrmals geschlagen und im Eifer des Gefechts auch die 16-Jährige am Auge getroffen und schließlich gedroht, beide umzubringen.

Zeuginnen schildern plötzlich ganz andere Situation

Bei der Verhandlung schilderten der Angeklagte und die beiden Zeuginnen ein „komplett anderes Szenario“, wie es Richterin Simon ausdrückte. Weitgehend übereinstimmend berichteten die Drei, wie die Mutter zum Tatzeitpunkt dem Angeklagten zunächst sein Fahrrad vor das Schienbein schubste, ihm Handy, Geldbörse und Schlüssel abnahm, die Haustür verriegelte, den Mann schlug und biss. „Ich bin durchgedreht“, so die 33-Jährige unter Tränen. Der 31-Jährige soll zunächst abgewartet haben, bis die Frau von alleine von ihm ablässt, bis er schließlich selbst zuschlug. Die Tochter versuchte zu schlichten, rief daraufhin die Polizei, die sie aufforderte, ihn gehen zu lassen, worauf sie irgendwann die Tür aufschloss. Beim Eintreffen der Polizei war er verschwunden, zur Vernehmung ist er nicht erschienen.

Auch durch den Polizeibeamten, der als dritter Zeuge geladen war, konnte das Gericht nicht abschließend klären, was sich nun wirklich zugetragen hat. Der Staatsanwalt machte keinen Hehl daraus, dass ihm die „180-Grad-Drehung“ der Zeuginnen gehörig gegen den Strich ging, und zweifelte ihre Glaubwürdigkeit an. Sie beharrten allerdings auf ihren Aussagen, auch als er ihnen Verfahren gegen sie wegen Irreführung androhte.

Beim nächsten Verhandlungstag am 30. Mai soll unter anderem nach Möglichkeit die Aufnahme von der Notrufzentrale angehört werden. Das Gericht erhofft sich dadurch weiteren Aufschluss zum Hergang.

mro

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