CORONA UND DIE FOLGEN Ein Wechselbad der Gefühle

Der Rudolf-Schäfer-Verein zögert noch

Das Rudolf-Schäfer-Haus in Rotenburg ist das älteste Haus der Kreisstadt.
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Das Rudolf-Schäfer-Haus in Rotenburg ist das älteste Haus der Kreisstadt.

Rotenburg – Zum 60. Todestag des Rotenburger Kirchenmalers Rudolf Schäfer war für kommenden Montag eigentlich eine Lesung im Rudolf-Schäfer-Haus geplant. Doch nur wenige Tage nach der Pressemeldung sagt der Vorsitzende des Rudolf-Schäfer-Vereins die Veranstaltung nun ab. „Wir werden sie zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Ich bedauere dies außerordentlich, bitte jedoch um Verständnis“, so der Vereinsvorsitzende Ernst-Ulrich Pfeifer. Es ist ein Wechselbad der Gefühle.

Der Wunsch nach einer Lesung aus Anlass des 60. Todestages und eine optimistische Stimmung, dass man auf dem Wege raus aus der Pandemie sei, hätten ihn und weitere Mitglieder bewogen, diese Lesung vorzubereiten und dazu einzuladen. „Nun haben mich Anrufe und Anregungen zum Ablauf und zu den Risiken unserer Veranstaltung am kommenden Montag erreicht.“ Anlass für Pfeifer, sich intensiv mit dem Risiko einerseits und dem verständlichen Wunsch nach der Lesung andererseits zu befassen. „Danach komme ich zu dem Ergebnis, dass wir die Lesung – auch wenn alle Vorbereitungen getroffen sind – in Verantwortung für alle Teilnehmer und Besucher hiermit absagen.“

Wieder stiegen die Inzidenzen. Zudem sei ihm deutlich geworden, dass immer auch ein Restrisiko bleibt, „sodass nicht nur gehöriger Abstand, sondern in unseren Räumlichkeiten dann doch auch das Tragen der Maske am Platz empfohlen werden sollte“. Das liefe dem Anlass und der eigentlich angestrebten Atmosphäre der Veranstaltung zuwider, zumal ein Restrisiko nicht ausgeschlossen werden könne.

Gelernt habe Pfeifer aus dem „Frühstart“, dass die Wahrnehmung von Verantwortung immer hinreichender sachlicher Erwägungen bedürfe: „Nicht immer ist die erwünschte und nächstliegende Entscheidung die beste.“ Sein Blick auf die Planung der näheren Zukunft lebe von der Erwartung, „dass wir besser durch oder über den Winter kommen, als vom RKI befürchtet“. Dem könne man nur gerecht werden, wenn die Herausforderungen der Pandemie auch und gerade jetzt im Stadium des scheinbaren „Abklingens“ noch ernst genommen würden. Pfeifer spricht von Achtsamkeit. Auch er wünscht sich eine höhere Impfquote.

„Dann hoffe ich, dass wir endlich einen wirklichen Frühling begrüßen und ihn mit frischer Kraft nutzen können.“ Die Stimmung im Verein sei erst einmal sehr viel geringer wahrnehmbar – und darum auch weniger exakt wiederzugeben. „Sicherlich sind das Vereinsleben und seine Aufgabenerfüllung in den letzten nun schon fast zwei Jahren für viele Menschen einfach mehr in den Hintergrund getreten, weil es in dieser Zeit schlicht Wichtigeres gab“, stellt der Vorsitzende fest. „Aber ich traue mich festzustellen: Der Kern des Vereins steht und wartet darauf, mit seinen Angeboten loslegen zu können, zu dürfen.“ Der Verein habe versucht, die Zwangspause sinnvoll zu nutzen. „Die Beleuchtungssituation im Haus haben wir mithilfe von Fördermitteln erheblich verbessert. Dieses kommt vor allem den Besuchern und Betrachtern unserer Exponate zugute, aber auch der Umwelt und unserer Kostenstelle Strom.“ Mit Mitteln des Landschaftverbands Stade habe der Verein die friesische Halbkasten-Uhr restaurieren können, die nun wieder an ihrem alten Platz in ursprünglicher Funktion zu bestaunen sei. Und: „Schließlich haben wir unsere Archive weiter ausgebaut, unseren Bilder- und Buchbestand digital eingepflegt und zukunftsfähig gemacht.“ Bisher, glaubt Pfeifer, konnte der Verein die meisten Mitglieder „bei Laune halten“. Corona-bedingte Austritte hat es nicht gegeben. Das Verständnis für diese Situation war und sei noch vorhanden.

Rudolf Schäfers 60. Todestag war eigentlich der Anlass für die Lesung. Dazu eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen, war eine gute Idee auf dem Weg zurück in die Normalität. Denn die Bedeutung Rudolf Schäfers und das nach ihm benannte, älteste Haus der Kreisstadt ist immer noch enorm, findet Pfeifer. „Sein Licht haben die Zeitläufe unter den Scheffel gestellt, wiewohl er sich als Maler und Zeichner mit vielen messen kann.“ Als Vortragender für Kunst und Pädagogik sei er den Studenten ein beliebter Referent gewesen. Das größte Auditorium habe nicht ausgereicht, als er in Leipzig sprach. Pfeifer: „Seine Theologie war die des 19. Jahrhunderts und sollte nach dem Zweiten Weltkrieg eher vergessen werden, zumal er sich als Patriot bezeichnete, von den Nazis jedoch zum Teil verboten wurde.“

Umstritten sei er ständig gewesen, fiel auch seine Malerei – der Theologie zugewandt – schon damals um die Jahrhundertwende aus dem Rahmen. „Doch er hat Ehrungen erhalten vom letzten sächsischen König wie von der Uni Kiel, vom Land Hessen und der Bundesregierung. Kein Rotenburger kann Derartiges von sich behaupten.“ Schäfer sei jemand gewesen, dessen Familie in Rotenburg aufwuchs, aber dessen Bewusstsein und Blick weit über Rotenburg und seine eigene Malerei hinausging. „Sein Marketing-Fehler: Er war rechtschaffen und bescheiden, ganz der Sache zugetan – und vermittelte diesen Eindruck beispielhaft, wie auch sein Leben war“, umschreibt es Pfeifer.

Pläne für die Zukunft gibt es

„Wir wollen unsere Öffnungszeiten aus der Zeit vor der Pandemie wieder aufnehmen können. Wenigstens an zwei Tagen in der Woche, mittwochs und samstags.“ Das unterstreicht Ernst-Ulrich Pfeifer als Vorsitzender des Rotenburger Rudolf-Schäfer-Vereins. Nach Weihnachten und Neujahr nimmt der Verein die Wechselausstellungen wieder ins Visier, dazu auch die Matinees. Ganz wichtig aus Sicht des Vorstandes: „Das Rudolf-Schäfer-Haus selbst sollte als Denkmal der Stadt auch mehr als bisher in den Fokus gerückt werden können.“ Aufzugreifen und näher zu prüfen sei daher eine sich bietende Möglichkeit der Kooperation und eine engere Vernetzung mit der Cohn-Scheune, dem Kunstturm und dem Diakonissen-Mutterhaus sowie insgesamt mit der Tourist-Information der Stadt Rotenburg, unterstreicht Pfeifer eines der wichtigsten Anliegen.

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