„Ein unglaubliches Gefühl“

Gyhumer Paar beendet turbulente Zeit mit dem Kauf eines US-Busses

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Daumen hoch: Stefanie Hoyer und Benjamin Hermann freuen sich, dass der Schulbus nun in der Scheune steht.

Gyhum - Von Sophie Stange. Aller guten Dinge sind drei: Das sagt zumindest eine deutsche Redewendung. Im Fall von Stefanie Hoyer (Sterni) und Benjamin Hermann (Benni) aus Gyhum trifft das wirklich zu. Nicht der eigentliche Bus, der bereits bezahlt ist und von Amerika nach Deutschland gebracht werden sollte, gehört nun ihnen.

Auch nicht der zweite, der als fahrtüchtig angepriesen wurde, es jedoch nicht war, steht in der Scheune nahe ihrer Wohnung. Sondern der dritte Bus, den sie nicht auf dem Zettel hatten, kann das Paar nun (fast) sein Eigen nennen. Das Ziel ist jedoch immer noch das Gleiche: Sie wollen den Bus rollstuhlgerecht umbauen und ihn in ein Wohnmobil verwandeln, um damit durch Europa zu reisen.

Es ist Freitag, der 13. April. Abergläubische Menschen sind mit großen Vorhaben an einem solchen Tag eher vorsichtig. Sterni und Benni aus Gyhum lassen sich davon nicht abschrecken. Gemeinsam mit ihrer Nachbarin reisen sie an diesem Tag mehr als 730 Kilometer von Gyhum nach Rottweil (Baden-Württemberg). 

Dort wollen sie einen amerikanischen Schulbus anschauen und diesen bei Gefallen kaufen. Ihr eigentlicher Bus, der von einer Importfirma nach Deutschland gebracht werden sollte und bereits bezahlt war, hat der Verkäufer in Amerika anderweitig an den Mann oder die Frau gebracht.

Sehr lange Wartezeit

„Das Geld soll bereits bei der Importfirma angekommen sein und soll an uns zurücküberwiesen werden“, sagt Sterni. Das war seit Langem auch der einzige Lichtblick: Nach einer langen Wartezeit aufgrund eines fehlenden Fahrzeugbriefes und einem Winterchaos an der Ostküste wurden die Nerven der beiden bereits zum Anfang ihrer Planung des Öfteren strapaziert. 

Aus diesem Grund entschieden sie sich nun dazu, sich selbst nach einen baugleichen amerikanischen Schulbus in Deutschland umzuschauen. Sie nahmen Kontakt auf mit einem Händler aus Rottweil, der ihnen ein unschlagbares Angebot gemacht hat, wie sie sagen. Der Haken: Sie müssen den Bus bis zum 13. April abgeholt haben. Zehn Tage hatten sie insgesamt von Beginn des Anrufs an Zeit, alles zu organisieren. 

Bis in die Nacht hinein haben sie am ersten Tag geplant. Völlig erschöpft und müde standen beide den nächsten Morgen auf. Bennis Arbeitgeber zeigte viel Verständnis für die Situation und gab ihm mehrere Tage frei, um die Angelegenheit in Ruhe zu regeln.

So hatten sie genügend Zeit, um vor ihrer langen Reise noch einen Abstecher zu einer Werbefirma in Scheeßel zu machen. Diese stellte ihnen mehrere Aufkleber her, die sie auf ihren Bus kleben konnten – und das kostenlos. Zudem klärte das Paar mit der Firma, die bereits Sternis Wagen rollstuhlgerecht umgebaut hat, wie das weitere Vorhaben ist.

Umbaufirma springt als Käufer ein

Das Problem: Der Verkäufer aus Rottweil verkauft den Bus wegen der Gewährleistung nämlich nur an Firmen, nicht an Privatpersonen. „Es ist deshalb eigentlich noch nicht unser Fahrzeug, sondern das von der Umbaufirma“, sagt Benni.

Dann begann die insgesamt 25-stündige Reise von Gyhum nach Rottweil und zurück. Mit roten Kennzeichen im Gepäck machten sie sich in der Nacht des 13. April auf den Weg nach Baden-Württemberg. „Es war ein unglaubliches Gefühl, den Bus zu sehen“, sagt Sterni. Doch dann kam das Erwachen auf der Probefahrt: Das Getriebe spielte nicht mit. Ihnen war sofort klar: Diesen Bus werden sie nicht kaufen. Der Verkäufer zeigte ihnen jedoch noch einen weiteren Bus: „Das war das absolute Highlight. Er fährt sich top und war zudem in einem guten optischen und technischem Zustand“, sagt Benni.

Der Nachteil an diesem Fahrzeug: Er überstieg das festgelegte Budget. Sie überlegten hin und her, rechneten ihr Vorhaben durch und schlugen schlussendlich zu. „Jetzt haben wir zwar weniger Geld für den Umbau und können nicht alles auf einmal machen, doch das Angebot war gut“, so das Paar. 

Sie machten sich noch am selben Tag auf den Rückweg: Sterni und ihre Nachbarin fuhren in einem Auto, und Benni steuerte den Bus in Richtung Gyhum. „Wir haben uns mit ihm während der Fahrt über Walkie Talkies unterhalten“, sagt Sterni. Bei ihren Pausen zog der quietschgelbe Bus alle Blicke auf sich.

Scheune zur Unterstellung angeboten

Nun steht das amerikanische Gefährt in einer Scheune ganz in ihrer Nähe. „Nach dem ersten Artikel haben sich mehrere Menschen bei uns gemeldet, unter anderem auch ein Landwirt, der uns seine Scheune als Unterstellmöglichkeit für den Bus angeboten hat“, sagt Sterni.

Bevor der Bus in Deutschland fahren darf, müssen noch die Mängel, die nach einer Durchsicht aufgelistet werden, behoben werden. Danach soll das Fahrzeug zudem noch rollstuhlgerecht umgebaut werden, also beispielsweise ein Lifter eingebaut werden, damit Sterni ohne Probleme in den Bus einsteigen kann. Anschließend kaufen sie das Fahrzeug von der Umbaufirma zurück – so ist zumindest der Plan.

Noch einige Monate werden ins Land gehen, bis sie mit dem Schulbus auf Reisen gehen können. Schließlich soll sich das Fahrzeug in ein Wohnmobil verwandeln. Im „Bus-Wohnmobil“ müssen unter anderem viele Sitze herausgerissen, eine Küche wie auch eine Toilette eingebaut und eine Solaranlage auf dem Dach installiert werden.

„Wir sind derzeit noch auf der Suche nach jemanden, der davon Ahnung hat“, sagt Benni. Sie freuen sich schon darauf, selbst Hand anzulegen und die Geschichte des Schulbusses damit fortzuschreiben.

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