Diakonieklinikum gut vorbereitet

Zweite Corona-Welle: Ein Tsunami in Zeitlupe

David Heigener, Chefarzt des Zentrums für Pneumologie am Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg.
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David Heigener, Chefarzt des Zentrums für Pneumologie am Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg.

Rotenburg – Die zweite Corona-Welle erreicht zunehmend auch den Landkreis Rotenburg. „Sie ist größer als im Frühjahr, aber wir sind besser vorbereitet“, sagt Dr. David Heigener, Chefarzt des Zentrums für Pneumologie am Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg. Der Mediziner spricht von einem „Tsunami in Zeitlupe“ – und meint damit, dass die stationären Patienten das Klinikum zwar nur „kleckerweise“ erreichten, aber niemand wisse, wie hoch die Welle am Ende tatsächlich sein wird.

Zusammen mit Diako-Geschäftsführer Detlef Brünger sowie Joachim Henßel als ärztlicher Leiter der Krankenhaushygiene nimmt sich Heigener Zeit für ein Gespräch mit unserer Redaktion, um ein Bild zu liefern von dem, was sich beim Blick auf die Pandemie im Rotenburger Krankenhaus so abspielt. Er erwähnt dabei zum Beispiel die hohe psychische und auch physische Belastung der Mitarbeiter – allen voran in der Pflege. Seit Beginn der Pandemie im Frühjahr hatten es Heigener und seine Kollegen mit 42 Corona-Patienten zu tun. Sie kommen nicht nur aus dem Landkreis Rotenburg, sondern auch aus dem Heidekreis sowie aus dem Landkreis Verden. Zwei dieser Patienten haben die Erkrankung nicht überlebt.

Zurzeit behandelt das Klinikum neun Corona-Patienten, zwei von ihnen befinden sich auf der Intensivstation. In keinem dieser Fälle sei derzeit eine künstliche Beatmung erforderlich. Von den 26 regulär zur Verfügung stehenden Intensivplätzen seien zwei zurzeit sicher frei. „Aber das ändert sich nahezu stündlich“, erklärt Heigener. Detlef Brünger weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass das Diako in den zurückliegenden Wochen mit finanzieller Unterstützung des Landes eine Reserve-Kapazität geschaffen habe. „20 bis 22 weitere Intensivplätze sind machbar, die Geräte dafür vorhanden.“

Beschaffung von Beatmungsplätzen war nicht ganz einfach

50.000 Euro pro zusätzlichem Beatmungsplatz habe es bis Ende September gegeben – die Zusage vom Land liege vor, das Geld sei allerdings noch nicht angekommen. „Ein Problem war hingegen die Beschaffung der erforderlichen Geräte – schließlich sind wir nicht die Einzigen“, gibt Brünger zu bedenken. Zugleich weist er noch einmal ausdrücklich auf den Besuchsstopp im Diako hin, der von heute an gilt – und zwar bis auf Weiteres. Brünger: „Wir steuern das auf Sicht und je nach Notwendigkeit.“

Zwar sei während der Sommermonate das Besucheraufkommen im Diako immer noch deutlich unter dem von vor der Pandemie geblieben, aber: „Es wurde wieder mehr. Und die Disziplin der Besucher hat deutlich nachgelassen.“ Jetzt sind die Türen für Gäste dicht und nur in bestimmten Ausnahmesituationen Besuche erlaubt. Eine Ausnahmesituation für Patienten und Angehörige, aber eben auch für das Personal, betont Brünger. Nicht nur wegen der besonderen Schutzmaßnahmen, sondern auch, weil sich die Lage ständig ändert. Der Druck steigt.

„Aber das alles klappt erfreulich gut“, versichert Heigener. Und was ihn besonders freut: Bislang habe sich im Krankenhaus niemand mit dem Corona-Virus infiziert. Es sei zwar zu Quarantänefällen gekommen, weil sich Mitarbeiter draußen das Virus eingefangen hatten, aber es habe hausintern keine Ausbrüche gegeben.

Hygienefachmann Joachim Henßel: Diako Rotenburg gut vorbereitet

Dass das Diakonieklinikum von Beginn an relativ gut auf die Pandemie vorbereitet war und es jetzt auch ist, macht der Hygienefachmann Joachim Henßel deutlich: Auf Anregung von Heigeners Vorgänger Tom Schaberg verfügt das Krankenhaus bereits seit 2017 über einen Pandemieplan – ohne dass jemand mit einem Virus gerechnet hatte, das jetzt die Welt in Atem hält. „Dass ich auf diesen Plan in diesem Jahr zurückgreifen würde, hätte ich nicht erwartet, aber umso glücklicher bin ich, dass wir ihn haben“, sagt Henßel. Vieles lasse sich darauf aufbauen. „Hätten wir mit dem Aufbau eines derartigen Plans im Frühjahr beginnen sollen, wäre das zu spät gewesen.“ Es sei also gut, dass das Diako diesen Plan schon in der Schublade hatte.

„Deutschland fährt sich runter“, hat diese Zeitung am Donnerstag getitelt. Die neuen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie greifen ab November. David Heigener ist sich sicher: „Das ist genau der richtige Weg, und er ist alternativlos.“ Auch ihm sei bewusst, was das bedeutet, aber um die Folgen der Infektionen bewältigen zu können, sei es von großer Bedeutung, die Ausbreitung des Virus zeitlich deutlich zu verzögern. Die Maßnahmen seien zudem zeitlich begrenzt. Der Mediziner spricht von einem „Tritt auf die Bremse“, den es jetzt unbedingt brauche. Bei der Betrachtung der aktuellen Zahlen im Landkreis Rotenburg macht Heigener deutlich: Vieles lasse sich nur schwer vorhersagen, aber ab einem Inzidenzwert von 100 könnte es auch im Agaplesion- Diakonieklinikum Rotenburg Probleme geben.

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