Melanie Schumann ist neue Rektorin der Stadtschule

Ein Start mit Hindernissen

Melanie Schumann sitzt lächelnd an ihrem Schreibtisch.
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Melanie Schumann kehrt als neue Rektorin an die Rotenburger Stadtschule zurück.

Rotenburg – Für Melanie Schumann ist das alles wie nach Hause zu kommen. Der Kreis schließt sich – und die 52-Jährige ist sichtbar glücklich, dass sie jetzt noch einmal genau diesen beruflichen Wechsel vorgenommen hat. Seit dem 1. Februar ist sie als Rektorin in der Rotenburger Stadtschule tätig. Genau dort also, wo sie einst als Referendarin die ersten Schritte als Lehrerin unternommen hatte.

Das war vor 27 Jahren. Viel hat sich also geändert, aber nach ihrer ersten Anstellung in der Lindenschule, einem halben Jahr in der damaligen Rotenburger Orientierungsstufe und einer Springerstelle in Luttum (Landkreis Verden) war sie zwischenzeitlich bereits für 17 Jahre an die Stadtschule zurückgekehrt. Doch sie wollte danach noch einmal mehr Verantwortung übernehmen und stellte fest, dass sie als Konrektorin in der Grundschule Sottrum Schule auf eine andere Art weiterentwickeln kann. Genau das möchte sie nun auch als Chefin der Stadtschule machen.

Der Wechsel von der Wieste an die Wümme sollte allerdings ein „Start mit Hindernissen“ werden, wie sie es auch selbst formuliert. Kaum hatte sie zu Beginn des vergangenen Jahres ihre Bewerbung abgegeben, hat die sich anbahnende Corona-Pandemie den üblichen Ablauf des Verfahrens gewaltig durcheinandergebracht. Das Ende vom Lied: „Eigentlich sollte ich hier im Sommer anfangen, dann ist der Beginn des zweiten Halbjahres daraus geworden.“

Jetzt ist Melanie Schumann – selbst Mutter von drei Kindern – also wieder „daheim“. In Rotenburg allerdings lebt sie bereits seit 27 Jahren. Sie kennt sich also aus – in der Stadt und in der Schule. Dass auch heute noch immer wieder von einer „Problemschule“ die Rede ist, wenn über die Schule an der Freudenthalstraße die Rede ist, gefällt ihr gar nicht. „Die Leute meinen eigentlich das Umfeld damit“, sagt sie. Von Problemen will sie aber gar nicht sprechen, sie sieht für die Schule und für das Umfeld eher Herausforderungen, die es anzunehmen gelte. Sie selbst kann eher für die Schule sprechen und versichert: „Es ist schade, wenn von einer ,Problemschule’ gesprochen wird, denn wir bekommen immer viele positive Rückmeldungen. Diese Schule ist ein besonderes Arbeitsfeld, das großen Spaß macht.“

Es ist schade, wenn von einer ,Problemschule’ gesprochen wird, denn wir bekommen immer viele positive Rückmeldungen. Diese Schule ist ein besonderes Arbeitsfeld, das großen Spaß macht.

Melanie Schumann

Mehr als 30 Prozent der 290 Kinder haben einen Migrationshintergrund. Es kommt nicht selten vor, dass einige der Abc-Schützen zur Einschulung noch kein Wort Deutsch sprechen. Nicht zuletzt deshalb zielt ein großer Teil der Arbeit im 22-köpfigen Kollegium auf das Sprachförderkonzept ab – darin geht es um mehr als 17 Sprachen, die die Kinder als Muttersprache mitbringen.

„Es war einfach nur schön, wieder hierher zurückzukehren“, versichert Melanie Schumann, die selbst aus Ostfriesland kommt und in Emden einst das Licht der Welt erblickt hat. Sie habe genau gewusst, was sie erwartet. „Eine Schule, die anders arbeitet als viele andere.“ Die Stadtschule sei eigentlich immer im Wandel. „Daher gibt es immer auch viele Aufgaben.“

Ganz aktuell drehe sich vieles um die Frage, wie sich die Digitalisierung weiter umsetzen lässt. „Wir sind da auf einem guten Weg, aber es gibt noch was zu tun“, meint Schumann. Darüber hinaus werde sich in den kommenden Monaten einiges um die Weiterentwicklung des Ganztagsangebotes drehen. Außerdem nehme die auf Initiative der Sozialpädagogin ins Leben gerufene Schülerfirma „Die grünen Zwerge“ Raum ein, denn bislang war das Unternehmen durch Corona kaltgestellt. Als Schulleiterin freut sich Schumann darauf, wenn es richtig losgeht. Die Kinder wollen im Ganztagsangebot aus dem Schulgarten ernten und die Produkte an den Mann und an die Frau bringen.

Unklar hingegen ist noch die Zukunft der sogenannten Eingangsstufe an der Stadtschule. Diese gibt es bereits seit einigen Jahren – die einzige Grundschule übrigens in der Kreisstadt, die mit diesem Prinzip arbeitet. „Eine gute Sache“, erklärt Schumann, „aber da wird es womöglich Veränderungen geben.“ Konkret kann sie noch nicht werden, und auch die Frage, ob sie nur anders aufgestellt oder gar ganz gestrichen wird, sei noch nicht zu beantworten. Bislang befinden sie die Erst- und die Zweitklässler in einer Klasse.

Klarere Vorstellungen hat die 52-Jährige indes in einem anderen Bereich: „Wir wollen den Sport in der Schule noch mehr in den Vordergrund rücken.“ Und: Die Sprachförderung erhält noch mehr Gewicht, denn mit künftig 27 Stunden zusätzlich, die das Land dafür fördert, gibt es so viel Unterstützung für die Stadtschule in diesem Bereich, wie es ihn noch nicht gegeben hatte. Daraus lasse sich durchaus ablesen, dass auch mehr Personal gebraucht wird, sagt Melanie Schumann. „Es ist schön zu sehen, was plötzlich alles möglich ist.“

Wie geht‘s denn eigentlich den Kindern?

Die Schule ist auf dem Weg zurück in die Normalität. Stück für Stück, wenn auch in kleinen Schritten. „Das tut gut“, sagt Melanie Schumann als Leiterin der Rotenburger Stadtschule. Mit den Lockerungen haben es Kinder und Lehrer, aber auch Eltern mit einer erneuten Umstellung zu tun – diese läuft jedoch behutsamer ab als zu Beginn der Corona-Pandemie. Dennoch: Die Klassen sind wieder voll besetzt, mit der verordneten Ruhe durch die Halbierung der Lerngruppen ist es vorbei. Von dieser Ruhe hätten vor allem die schwächeren Schüler profitiert; Lehrer können in kleineren Gruppen besser auf sie eingehen. „Jetzt müssen die Kinder vieles neu trainieren, vor allem wenn es um die Regeln geht“, erklärt die Rektorin. Aber sie stellt fest: „Die Kinder sind glücklich, die Ruhe kehrt an anderen Stellen zurück.“ Aber wie geht es den Jungen und Mädchen? „Einige von ihnen haben immer noch Angst, vor allem davor, dass Familienmitglieder die Krankheit bekommen.“ Andere wollen einfach gerne wieder mal verreisen, andere fürchten sich vor einer vierten Corona-Welle. Schule könne da helfen – mit dem wöchentlich tagenden Klassenrat, mit der sozialpädagogischen Begleitung und mit einem offenen Ohr für die Kinder und auch für ihre Eltern, sagt sie.

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