Erfahrungsbericht: Rotenburger Autor bekommt den Piks

Andrang im Impfzentrum

Szene der Corona-Impfung
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Arm frei machen und locker bleiben. Die Impfung geht schnell.

Rotenburg/Zeven – Der Tag, an dem man die alt gewordenen Freunde und Verwandten beneidete, war für viele genau der, als es hieß, dass die über 80-Jährigen zuerst gegen Corona geimpft würden. Zahlreich wuchs die Hoffnung, danach aber auch bald dran zu sein. 13 Millionen Deutsche hatten bis Mitte April schon ihre erste Dosis bekommen! Etliche aus „Gruppe zwei“ wurden schon angeschrieben, hörte man.

Unsereins nicht. Immerhin aber schon registriert und auf der Warteliste. Da hieß es plötzlich, dass in unserem Landkreis weitere Impfdosen zur Verfügung stünden, man müsse sich nur zügig im Internet anmelden. Aber sofort!

Und siehe da: Zwei Stunden später trudelt eine E-Mail ein, die einen konkreten Impftermin im Zevener Zentrum nennt. Spitze! Bestätigt, ausgedruckt, Impfpass bereitgelegt – es könnte losgehen. Zwei Wochen später gibt es sogar noch einmal eine schriftliche Erinnerung. Da geschieht etwas Unerwartetes: Ein Tag vor dem Termin kommt eine weitere Zusage für noch einen Termin. Wie das? Der erste scheint der über die Warteliste zu sein, der zweite wohl der, für den später gemeldet wurde.

Da wird auch darum gebeten, den abzusagen, wenn man nicht kommen möchte. Das lassen wir erst mal schön bleiben. Nachher wird man ganz von der Liste gestrichen. So ist es nämlich Freunden gegangen, die sich nur von einem der beiden Termine abgemeldet hatten. Um nicht den Eindruck zu erwecken, das seien typisch Rotenburger oder niedersächsische Probleme: Eine Verwandte in Bayern ist schon vor sechs Wochen geimpft worden, bekommt aber seitdem unverdrossen den Hinweis, sie könne sich jetzt für eine Impfung registrieren lassen.

Mittlerweile sind auch die Hausärzte involviert, aber deren Begeisterung, an der Impfkampagne mitzuwirken, scheint sich in Grenzen zu halten: „Viel zeitlicher Aufwand, der den normalen Praxisablauf nachmittags durcheinanderbringt“, bemängelt ein Rotenburger Arzt, der namentlich nicht genannt werden möchte. Zudem solle er „nun den Patienten Astrazeneca verkaufen“, was diese aber überwiegend ablehnten.

Im Zevener Impfzentrum wird derzeit nicht mehr mit Astrazeneca geimpft. Das hat auch zur Folge, dass die uns per E-Mail zugesandten Informationsblätter nicht mehr aktuell sind. Aber der Reihe nach: Kaum angekommen, erleben wir drei Überraschungen: Die erste: alles vollgeparkt! Ein freundlicher Helfer empfiehlt uns, lieber einen kleinen Fußmarsch anzutreten. Die zweite Überraschung: vor dem Eingang zum Impfzentrum steht eine lange Schlange. Und das sind – dritte Überraschung – keinesfalls nur oder vor allem die Rentner der Region. Es sollten ja jetzt vor allem die über 70-Jährigen dran sein. Damit aber trotzdem alles so seine Ordnung hat, wird weit vor dem Eingang schon mal gecheckt, ob man überhaupt rechtmäßig hier ansteht.

Freundliches Personal von Beginn an

Eine sehr freundliche Security-Mitarbeiterin berichtet, dass sie „eigentlich jeden Tag“ welche habe, die nicht das datumsrichtige und strikt personenbezogene „Einladungsschreiben“ vorweisen könnten. Andere hätten sich schon mal von Nachbarn oder Freunden die Papiere geben lassen, weil diese nicht konnten oder wollten. Funktioniert alles nicht! Dann ist man endlich dran, alle Papiere werden an mehreren Tischen gecheckt, gestempelt, unterschrieben, nebenbei wird Fieber gemessen, und weiter geht’s.

Das Impfzentrum selbst ist im ehemaligen Zevener Krankenhaus untergebracht. In mehreren Räumen warten zunächst einmal Ärzte, die alle Papiere nochmals checken, erklären, dass wir nunmehr „Biontech“ bekämen und uns dann freundlich weiterleiten. Dann geht’s los: Arm frei machen, „ganz locker bleiben“. Schon vorbei. Jetzt hieße es noch, 15 Minuten zu warten, um zu sehen, ob wir vielleicht spontan ungewollt reagieren, dann gibt’s den Impfpass zurück und den Termin für die zweite „Ladung“. Immerhin: Gut 70 Minuten hat das alles gedauert, niemanden hörte man in dieser Zeit aber deswegen meutern. Das mag auch daran liegen, dass das gesamte Personal von einer Freundlichkeit war, die geradezu bemerkenswert bleibt. Vielleicht waren alle vor allem froh, dass es endlich voranging und mit der Impfung Licht am Pandemie-Horizont auftaucht.

Lange Schlange vorm Impfzentrum.

Vielleicht hatte sich auch herumgesprochen, dass wir Impflinge noch Glück hatten: einen Tag später war nämlich nix! Impfungen ausgesetzt wegen fehlendem Impfstoff. Rüdiger Krause, ehemaliger Berufsoffizier, der jetzt mit zum Organisationsteam in Zeven gehört, stellt mit Bedauern fest, dass man leider nur so viel impfen könne, wie Impfstoff geliefert würde. Grundsätzlich rechne man mit 3 600 Personen pro Woche, wenn alles gut ginge. An diesem Tage waren es alleine 600. „Wenn genügend Impfstoff da wäre, würden wir Tag und Nacht impfen“, so Krause. Er stellt auch klar, dass die „doppelte Einladung“ wohl dadurch zustande gekommen sei, dass der Landkreis wohl keine einzige Impfdosis verfallen lassen wollte. Aus diesem Grunde seien, wie auch für Menschen, für die Zeven nicht leicht zu erreichen sei, quasi noch spontan Zentren in Oerel im Nord- und in Wittorf im Südkreis eingerichtet worden.

Fazit des frisch Geimpften: Kompliment an den Landkreis und diejenigen, die einen im Zuge der Impfung betreuen! Nebenwirkungen sind bisher beim Berichterstatter nicht aufgetaucht. Der zweite Termin ist eingetragen.

Von Michael Schwekendiek

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