Zu Besuch beim Skat-Verein „Rotenburger Buben“

Ein reizender Abend

Skatspieler mit Karten
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Endlich. Die Mitglieder des Rotenburger Skat-Vereins „Rotenburger Buben“ können ihren Spielbetrieb nach einer langen Corona bedingten Zwangspause wieder aufnehmen.

Die „Rotenburger Buben“ haben die Coronapause beendet. Sorgenfalten gibt es dennoch einige: „Skat stirbt aus.“

Rotenburg – Die Stimmung ist gut an den vier Tischen. Die zehn Männer und zwei Frauen wirken glücklich. Sie spielen Skat. „Das war lange nicht möglich“, betont Rainer Blossey, der Vorsitzende des Skat-Vereins „Rotenburger Buben“. Zum dritten Mal schon treffen sie sich wieder – diesmal sind alle aber schon deutlich früher ins „Haus am Luhner Forst“ gekommen. Denn bevor sie die Karten mischen, austeilen und zu reizen beginnen, gönnen sie sich ein Spargelessen.

Das Los hat es so gewollt. Rainer Blossey spielt zusammen mit Werner Heinig und Arnold Lüdemann an diesen Abend, der vermutlich etwas kürzer ausfallen wird, als es sonst üblich ist. „Wir wollen alle noch Fußball gucken nachher“, sagt der Vorsitzende. Deutschland kämpft gegen Ungarn um den Einzug in das Achtelfinale der EM. Bleiben nur zwei Stunden.

Ein Vergleich mit dem Fußball drängt sich im Fall von Arnold Lüdemann auf. Seit 15 Jahren in Folge ist der 71-jährige Vereinsmeister der „Rotenburger Buben“ – und damit „der FC Bayern unseres Skat-Vereins“, erklärt Blossey. Seit seiner Jugend spielt Lüdemann Skat.

Rainer Blossey (v.l.), Werner Heinig und Arnold Lüdemann lieben Skat.

Die Zwangspause ist auch ihm schwergefallen. Er spricht von einer „Sucht“ und bekundet, schon extrem unter „Entzugserscheinungen gelitten“ zu haben. Diese Spielabende immer mittwochs ab 19 Uhr haben allen gefehlt, die trotz Fußballs auch diesmal dabei sind. Sitzen sie zu dritt am Tisch, sind neun Serien mit 27 Spielen zu absolvieren, ehe die Besetzung der Dreier-Runden neu zugeordnet und eine erneute 9er-Serie gestartet wird. Über drei Stunden erstreckt sich ein solcher Übungsabend.

„Es geht natürlich um Konzentration“, wirft Werner Heinig ein, nachdem er einen Grand ankündigt und gleich mit einem Ass herauskommt. Skat sorge für Fitness im Kopf, erklärt der 87-Jährige. Er ist das älteste Mitglied im Verein. Nur zwei Mitglieder sind jünger als 60 – einer von ihnen ist Blossey.

Christa Pahl hat Skat einst von ihrem Bruder gelernt.

Der Vorsitzende macht dann auch gleich deutlich, wo das Problem liegt: „Wir finden keinen Nachwuchs mehr.“ Arnold Lüdemann, der Erfahrungen als Teilnehmer der Deutschen Meisterschaften mitbringt, drückt sich deutlich aus: „Skat wird aussterben.“ Heinig weiß auch, woran das liegt: „Die jungen Leute sitzen alle nur noch vorm Computer.“

Wenig Nachwuchs, aber immerhin: Mit Marion Peters und Christa Pahl sitzen am Nachbartisch zwei Frauen. Für die „Buben“ gar nichts Ungewöhnliches, obwohl Skat vor allem ein Männer-Sport sei, heißt es. Aber auch in diesem Fall ist festzustellen: Es waren schon mal mehr. Christa Pahl bleibt dem Spiel und dem Verein seit Jahren treu. „Es hält den Geist fit, und es macht einfach Spaß.“ Marion Peters nickt zustimmend.

Marion Peters zockt auch gerne.

Arnold Lüdemann besucht regelmäßig auch die Übungsabende in Brinkum (Landkreis Diepholz). Dort, sagt er, liege das Durschnittsalter bei 74 Jahren. In Rotenburg bewege man sich nur ein wenig darunter. Dennoch ist der Verein aktiv: Eine Mannschaft spielt in der Verbandsliga und kann es kaum erwarten, bald wieder dort anzutreten. Regionale Einzelmeisterschaften indes wird es in diesem Jahr nicht mehr geben. Doch auch das kann die Freude an diesem komplexen Spiel nicht schmälern. Arnold Lüdemann wirkt faszinierend ruhig beim Spielen. Locker, lässig nimmt er die Karten nach und nach aus seiner Hand und lässt sie in die Mitte des Tisches gleiten. Ist die Runde beendet, weiß er genau, wie sie ausgegangen ist. Er zählt die Punkte mit und weiß vor dem Ausspielen der letzten Karten ganz genau, was noch drin sein muss. Ein Meister seines Fachs eben. Warum er so gut ist? Werner Heinig hat die Antwort: „Er kann besser in die Karten gucken.“

Wer selbst mal mitspielen möchte, meldet sich telefonisch bei Rainer Blossey unter 0151 / 41629607.

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