Vor 50 Jahren: Grundsteinlegung am Rotenburger Pferdemarkt

Ein Rathaus zieht um

Das Rotenburger Rathaus.
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Die Stadtverwaltung beschäftigt heute 308 Mitarbeiter – nicht alle nur im Rathaus.

Bis vor 50 Jahren befand sich das Rotenburger Rathaus dort, wo jetzt das neue Sparkassengebäude entsteht. Doch der Platz war für den starken Bevölkerungszuwachs nicht mehr ausgelegt. Ein neuer Standort wurde am Pferdemarkt ausgemacht – doch selbst da wurde es bald zu eng.

Rotenburg – Wer nur 50 Jahre in der Geschichte Rotenburgs zurückgeht, sieht ein völlig anderes Stadtbild – über gerade einmal 30 Kilometer Straße, teils unbefestigt, verfügte die Stadt. Sie hatte keine Kanalisation und Felder waren dort, wo heute Baugebiete sind. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist die Bevölkerung jedoch stark gewachsen, Zuwanderung aus den Ostgebieten, ab Ende der 1980er-Jahre folgte eine Welle von Russlanddeutschen. Damit wuchsen auch die Aufgaben des Rathauses – und so wurde es am ehemaligen Standort, dort, wo das neue Sparkassengebäude entsteht, zu eng. Also entschied man sich für einen Neubau am Pferdemarkt. Dort war vor 50 Jahren die Grundsteinlegung, die der damalige Bürgermeister Hermann Schlüter und Stadtdirektor Klaus Rosenzweig begleiteten.

Vor 50 Jahren befand sich das Rathaus noch an der Großen Straße – dort, wo heute die Sparkasse hinzieht.

Es war eine zukunftsweisende Entscheidung, meint Bürgermeister Andreas Weber (SPD). An den Platz zu ziehen, wo Veranstaltungen stattfinden können, wo der Wochenmarkt hingezogen ist: Der Pferdemarkt, früher noch ein Parkplatz, verlagerte sich zum Mittelpunkt. „So ist man im Herzen der Stadt, aber auch in der Landschaft, mit Blick zum Kreishaus.“

Und es ist ein wichtiger Ort für die Lebensgestaltung in Rotenburg. Zum Beispiel für die Kinderbetreuung: „Damals gab es die noch nicht in dem Ausmaß, im nächsten Jahr brauchen wir schon Plätze für 1 000 Kinder.“ Aber auch Bautätigkeiten, Ordnungsdienst, Straßenpflege – viele neue Aufgaben, die auf die Stadt zukamen und organisiert werden mussten. Auch eine Fußgängerzone gab es damals noch nicht: Die Autos konnten zweispurig durch die Stadt fahren. „Seine Kinder durfte man auf dem Gehweg nicht loslassen“, so Weber. Heute sieht er in der Stadt durch viele Veränderungen mehr Lebensqualität, „die mit dem Integrierten Stadtentwicklungsprogramm noch weiter entwickelt werden kann“.

Ein Neubau mit Platzproblem

Um den steigenden Anforderungen an die Verwaltung gerecht zu werden, hatte diese ab 1963 weitere Räume in der Goethestraße anmieten müssen. Keine Dauerlösung, weswegen der Rat 1968 einem Neubau zustimmte. Den zugehörigen Architektenwettbewerb gewann Georg Niederleig: Der Architekt, der auch als Künstler bekannt war, entwarf das Rathaus und später den Erweiterungsbau. Niederleig mochte geometrische Figuren, ließ sie auch in seine Bilder einfließen.

Für 2,5 Millionen D-Mark wurde ein repräsentatives Gebäude geschaffen, in das die Verwaltung 1972 einziehen konnte. Es wurde zudem barrierefrei – ein Vorteil, den das alte Rathaus nicht hatte. Dabei sparte die Stadt, die ohnehin auf die Kosten achten musste, durch den Zuzug der Firma Ytong nach Rotenburg: Diese spendete Steine. Gebaut wurde ein „dreigeschossiger Stahlskelettbau mit Ytongdecke und Ytongaußenfassade“, heißt es dazu in einem Schreiben an den Niedersächsischen Städtebund.

Das Büro ist der Lieblingsplatz des Bürgermeisters: mit freiem Blick auf den Pferdemarkt.

Den 56 Verwaltungsmitarbeitern standen mit Ratssaal und zwei Sitzungssälen gut 2 100 Quadratmeter zur Verfügung. Und nicht nur die Verwaltung zog ein: Auch die Volkshochschule (VHS) Rotenburg, die damals noch Stadtbücherei und ein Verkehrsbüro kamen im Neubau unter. Außerdem richtete die Stadt dort das Jugendzentrum (Juze) ein. Daran kann sich Weber noch gut erinnern: „Wir haben uns dort auf alten Sofas getroffen.“

Aber keine zehn Jahre später war klar: Das reicht noch immer nicht. Rotenburg wuchs weiter, entsprechend die Verwaltung. 1988 wurde der Erweiterungsbau eingeweiht. „Der Geschmack hatte sich in der Zwischenzeit aber verändert“, so der Verwaltungschef. Säulencharakter, der Turm, pflegeleichter Klinker und viel Glas: Letzteres sollte vor allem die Transparenz zeigen, die im Laufe der Jahre wichtiger geworden ist. „Die Verwaltung ist kooperativer als früher, der Dialog findet stärker statt, man ist näher am Menschen. Die ganze Kultur der Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Bürgern hat sich geändert“, findet Weber.

Sein Lieblingsplatz ist sein eigenes Büro: Das hat einen offenen Blick zum Pferdemarkt, „der Bürgermeister ist nicht abgeschieden“, nennt Weber es. Dort ist viel Leben, Blick auf das Amtsgericht, aber auch das Cafésito und die künftige Fahrradwerkstatt: Integration ist ein wichtiger Faktor.

Das alte Rathaus wurde übrigens ebenso wie die alte Post abgerissen: Es wich der Erweiterung des Postgebäudes. Und auch die VHS, das Juze sowie die Bibliothek zogen bekanntermaßen wieder aus und schafften so Platz für die Verwaltung. Heute verfügt die Verwaltung über 308 Mitarbeiter, einschließlich Erzieher, VHS, Bibliothek und Jugendzentrum. Weber: „Das ist richtig umfangreich geworden.“

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