Erdbeersaison: Selbstpflücker müssen sich etwas gedulden

Ein guter Mix

Die ersten Erdbeeren sind schon reif, eine Frau greift danach.
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Nur noch ein paar mehr Sonnenstrahlen, dann können Erdbeerfreunde sich wieder auf den Feldern in der Region austoben und selber pflücken.

Rotenburg – An den Verkaufsständen und in den Supermärkten liegen sie bereits: saftige, rote Erdbeeren. So langsam beginnt ihre Saison, doch noch sind die süßen Früchte vergleichsweise teuer – weil viele noch zu grün sind, um geerntet zu werden. Durch die lange, kühle Periode gibt es bereits jetzt Beeren aus Folientunneln oder Gewächshäusern, Freilanderdbeeren könnten etwa ab Ende dieser Woche soweit sein, meint der Hellweger Sören Prüser.

Prüser und sein Vater haben vor mehreren Jahren das Areal direkt an der Bundesstraße 75 auf Höhe von Hassendorf gepachtet und zu einem Erdbeerfeld umfunktioniert. Ab diesem Jahr sogar in Verstärkung: Sie haben sich mit Familie Müller-Stöver aus Hassendorf zusammengetan. „Anbau und Bewirtschaftung betreiben wir jetzt als Partner“, erzählt Prüser. Die höheren Erdbeerpreise seien zu Beginn der Saison nichts Ungewöhnliches: Die ersten Erdbeeren aus Tunneln beispielsweise seien meist teurer, das reguliert sich, sobald die regionalen Freilanderdbeeren dazu kommen. „Das hat sich durch das Wetter dieses Jahr nur weiter nach hinten verschoben.“ Durch den heißen Frühling und Frühsommer im vergangenen Jahr hatte die Erdbeersaison da bereits deutlich früher begonnen.

Jetzt war es lange kalt, die Erdbeeren sind später gewachsen. Das Wetter sei aber grundsätzlich nicht verkehrt, denn es bräuchte einen guten Mix aus Sonne und Wasser. Die Wachstumsbedingungen im Mai seien sogar ideal für die roten Vitaminbomben gewesen, meint der Visselhöveder Cord Averbeck. Der hatte Mitte der 1980er-Jahre den Hof an der Celler Straße übernommen und mit der Erdbeerproduktion begonnen. Inzwischen betreiben mit Cord Averbeck und seinem Sohn Harm die vierte und fünfte Generation den Hof, zu dem aktuell acht Hektar Erdbeerfelder gehören. „Genügend Regen, aber auch Kühle, so gibt es keinen Pilzdruck. Das berühmte Sprichwort: ,Ist der Mai kühl und nass, füllt sich des Bauern Scheun‘ und Fass‘ wird sich wohl in diesem Jahr bewahrheiten.“

Mit der aktuellen Wetterprognose hofft Prüser, dass sie das Feld ab dem Wochenende für Selbstpflücker freigeben können. Dazu haben sie vor Ort wieder ihren Stand aufgebaut – für die, die keine Lust haben, selbst aktiv zu werden. Auch dort gelten Hygienestandards, weiterhin verschärft durch die Pandemie. Zwar müssen Kunden keine Maske tragen, da sie auf dem weitläufigen Areal an frischer Luft genügend Abstand zu anderen Pflückern halten können. Die Verkäufer tragen allerdings eine und reichen die Schalen nicht direkt an die Kunden weiter, sondern diese nehmen sich die Schalen selbst. Gegenstände wie die Waage werden regelmäßig desinfiziert. Es sind Kleinigkeiten, sagt Prüser – aber auf die komme es eben an.

Auch die Visselhöveder Erdbeerfans müssen sich noch ein wenig gedulden, denn „unsere Felder liegen im sogenannten Soltauer Kälteloch, meistens immer ein Grad kühler als in anderen Regionen und nachts auch mal nur knapp über null“, sagt Cord Averbeck schmunzelnd. „Wegen unserer geografischen Lage brauchen unsere Früchte noch etwa 14 Tage bis zur Pflückreife“, so der Visselhöveder, der die „späteren, aber dafür sehr schmackhaften Beeren“ anbaut.

Erntehelfer haben Prüsers in diesem Jahr vorrangig aus der Umgebung. Aus Polen sind ebenfalls Arbeitskräfte vor Ort, diese kümmern sich aber um die Tannenbäume, das andere Geschäft der Familie. Wenn es mal eng wird, könnten sie aber auf dem Feld anpacken, so Prüser. Dort herrscht regelmäßige Testpflicht. Auch Averbeck bekommt beim Ernten für die Verkaufsbuden Hilfe von einem guten Dutzend Erntehelfern aus dem Nachbarland. „Zu Corona-Zeiten ist das mit einem großen bürokratischen Aufwand verbunden. Aber zum Glück haben wir genügend Platz, um die Leute coronagerecht unterzubringen.“

Rein wirtschaftlich gesehen sei das Erdbeergeschäft eine „wackelige und sehr arbeitsintensive Angelegenheit“. Es gebe Jahre, da „verdient man richtig Geld, aber es gibt auch ganz andere Zeiten“, sagt Averbeck. So könne man wie zum Beispiel 2020 nie sagen, wie die Saison laufe: „Erst war es richtig mies, dann haben die Leute unsere Stände förmlich überrannt.“ Es ist eine Sonderkultur, erklärt auch Prüser: Man müsse sich regelmäßig kümmern, es könne viel schief gehen. Auch nicht alle Standorte eignen sich, da die Beeren für Jahre bleiben können.

Apropos Corona: „Ja, wir haben die Sorte, die allerdings mit K geschrieben wird, weiter im Programm. Bei der Anpflanzung vor drei Jahren konnten wir ja noch nicht ahnen, was mit diesen Namen alles in Verbindung gebracht wird“, so Averbeck. Prüsers pflanzen diese nicht an, das hat aber einen anderen Hintergrund: „Die sind unheimlich lecker, aber leider auch sehr empfindlich.“

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