46 Jahre im Rotenburger Rathaus

Elke Bellmann geht in den Ruhestand

Elke Bellmann
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Elke Bellmann geht in den Ruhestand – nach 46 Jahren im Rotenburger Rathaus.

Rotenburg – Seit 63 Jahren lebt sie in Ostervesede, seit 46 Jahren arbeitet sie im Rotenburger Rathaus. „Ich bin ein Gewohnheitstier“, sagt Elke Bellmann ganz passend. Doch jetzt wird sie sich an ein anderes Leben gewöhnen müssen. Im kommenden Monat geht die Leiterin des Rotenburger Amtes für Jugend und Soziales in den Ruhestand. „Darauf freue ich mich“, versichert sie. Aber wer sie ein wenig länger kennt, weiß, dass ihr ganz gewiss noch eine Zeit lang etwas fehlen dürfte.

Zwar will Elke Bellmann nicht verraten, wer in diesen zurückliegenden Jahren ihrer Ansicht nach der beste Stadtdirektor oder Bürgermeister war, aber sie verlässt das Rathaus mit einem deutlichen Hinweis: „Die Stellen im Amt für Jugend und Soziales sind sehr knapp bemessen – da wird sich etwas verändern müssen.“

Die Betreuung der Flüchtlinge ist gerade erst in das Ordnungsamt verlagert worden, aber allein der Bereich der Kindertagesstätten sei enorm arbeitsintensiv. Und Bellmann ist sich sicher: „Die Kitas werden auch in den kommenden Jahren noch eine große Herausforderung darstellen.“

Eigentlich wollte Bellmann als junge Frau gar nicht ins Büro, „aber dann habe ich mich hier doch sehr wohl gefühlt“, erinnert sich die 63-Jährige an ihre ersten beruflichen Schritte nach der Schulzeit, die sie in Ostervesede, Scheeßel und schließlich an der Handelsschule in Rotenburg verbracht hat. „Damals gab es auf zwei oder drei Lehrstellen im Rathaus mehr als 60 Bewerbungen – es war also gar nicht so leicht, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.“ Sie hat ihn bekommen und sollte im Rathaus ihren Weg gehen.

Während ihrer Zeit in der Verwaltung hat sie überwiegend im Bereich des Sozialamtes gearbeitet – verbunden mit weiterführenden Lehrgängen. 2003 schließlich hat sie die Leitung im Amt für Jugend und Soziales übernommen. Der Zuschnitt war da aber schon verändert: Das klassische Sozialamt sei an den Landkreis zurückgegangen – jetzt standen in erster Linie alle Aufgaben rund um den Bereich der Kinderbetreuung, die Flüchtlinge, die Präventionsarbeit, das Jugendzentrum sowie die Straßensozialarbeit im Fokus. Bellmann: „Ich bin mit den Aufgaben gewachsen.“

Natürlich habe es Phasen gegeben, die sich besonders bei ihr eingeprägt haben, weil sie besondere Herausforderungen darstellten und nicht nach Schema F zu bearbeiten waren. 1979 kamen auch in die Kreisstadt eine Reihe von Boatpeople aus Vietnam. Neun Jahre später erreichte ein großer Schwung an Aussiedlern aus Russland die Stadt Rotenburg, 1991 folgte ein Flüchtlingsstrom vom Balkan, und schließlich kam es vor sechs Jahren zur Flüchtlingswelle mit Menschen aus Afrika sowie aus dem Nahen und Mittleren Osten an. Die Balkan-Flüchtlinge brachte die Stadt seinerzeit hinter dem Betrieb von Heidesand in Containern unter, ehe sie im ehemaligen Waldschlösschen ein Dach über dem Kopf bekommen sollten. Bei den Boatpeople ging es von Beginn an darum, Wohnungen für sie zu finden. Ähnlich war es auch mit den Aussiedlern.

„Wir können vielen Menschen helfen.“

Elke Bellmann

„Einigen dieser Menschen begegne ich heute noch – das ist ganz schön“, sagt Bellmann. Immer wieder habe sie eine besondere Form der Dankbarkeit wahrgenommen – bei allen Problemen habe die Arbeit also stets auch positive Seiten gehabt. Nicht zuletzt ein Punkt war und ist ihr immer noch wichtig: „Wir können vielen Menschen helfen.“

Es habe stets Spaß gemacht, sich einzubringen, sich zu engagieren, sagt Bellmann. Das sei ihr möglich gewesen, weil sie selbst keine Kinder hat und immer in Vollzeit arbeiten konnte. Diesen Freiraum habe sie beruflich genutzt.

Nun wird sie schon bald mehr Zeit für sich selbst haben. „Das ist bestimmt eine Umstellung“, aber einerseits könne sie sich privat für alles mehr Zeit nehmen, sich mehr um den Garten kümmern, noch mehr als bisher mit dem Rad unterwegs sein. Und: „Ich habe auch Ideen, etwas ehrenamtlich zu machen.“ Was das sein wird, sagt sie noch nicht.

Und so blickt sie zurück auf eine Zeit, in der die Kindertagesstätten sie vor allem in den letzten zehn bis 15 Jahren voll im Griff hatten. Die zunehmende Arbeit damit sei nicht zuletzt in den neuen Rechtsansprüchen begründet. Neue Einrichtungen, neue Gruppen waren einzurichten. Die Betreuungszeiten haben sich ausgeweitet – da gilt es, die individuellen Wünsche der Eltern zu berücksichtigen. Ganz wesentlich aber ist dabei ein weiterer Punkt, erklärt Bellmann: „Der Fachkräftemangel.“ Der Markt sei wie leer gefegt. „Man müsste mehr ausbilden“, findet Bellmann. Aber: Vielleicht müsse dafür dieser Beruf attraktiver werden. Zwar sei mittlerweile kein Schulgeld mehr zu bezahlen, aber die Auszubildenden bekämen eben auch keine Vergütung – über vier Jahre. Ein Thema, mit dem sich nun ihre Nachfolgerin Sandra König zu befassen hat, die sie zurzeit noch einarbeitet.

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