Kreiszeitung-Verleger Dirk Ippen ist sich sicher: Gedruckte Zeitungen werden eine lange Zukunft haben

„Ein gewichtiges Kapitel“

Dirk Ippen, Verleger der Kreiszeitung, ist sich sicher: In der sogenannten Provinz, also abseits der großen Metropolen, haben es die Zeitungen heute wesentlich leichter, weil auch die Leserdichte größer und die Zeitungen näher dran sind. - Foto: Menker

Rotenburg - Von Guido Menker. Die Mediengruppe Kreiszeitung hat am Freitag ihr neues Pressehaus an der Großen Straße in Rotenburg offiziell eingeweiht. Zahlreiche geladene Gäste waren dabei und haben sich in dem Neubau umgeschaut, in dem die Redaktionen, Anzeigenabteilungen sowie der Vertrieb für die Rotenburger Kreiszeitung, die Rotenburger Rundschau sowie das Journal untergebracht sind. An der Einweihung hat auch Dirk Ippen, Verleger der Kreiszeitung, teilgenommen.

In einem Interview spricht er über den Neubau, über das gemeinsame Quartier mehrerer Titel sowie über die Chancen gerader lokaler Zeitungen in einer sich rapide ändernden Medienlandschaft.

Herr Ippen, Rotenburg hat ein neues Pressehaus. Wie gefällt Ihnen das, was an der Großen Straße 37 im Laufe der vergangenen zwei Jahre entstanden ist?

Dirk Ippen: Ich bin sehr angetan von dem neuen Gebäude, direkt an der zentralen Einkaufsstraße von Rotenburg, da wo die Zeitung immer schon war.

Die Mediengruppe Kreiszeitung hat viel Geld in den Standort Rotenburg investiert. Zur großen Einweihung sind jede Menge Gäste gekommen. Und die sind schwer beeindruckt. Warum ist es so wichtig, der Kreiszeitung in Rotenburg ein modernes Gesicht zu verleihen?

Ippen: Die Rotenburger Kreiszeitung ist ein Blatt mit sehr viel lokaler Tradition und Geschichte. Das ist gut. Aber gerade für eine solche Institution ist es wichtig, auch äußerlich in einem modernen Gewand daher zu kommen. Von der Vergangenheit allein wollen wir nicht leben.

Rotenburger Kreiszeitung, das Journal und Rotenburger Rundschau unter einem Dach – das war lange Zeit undenkbar. Worauf dürfen sich die Leser künftig freuen?

Ippen: Alle unsere Titel werden nun von einem gemeinsamen Standort herausgegeben. Das stärkt sie, lässt sie aber gleichzeitig ihren jeweiligen Markenkern bewahren. Und auf der publizistischen Seite dürfen sich die Leser auf einen Wettbewerb freuen, bei dem jedes Blatt seine besonderen Stärken ausspielen wird.

Die Zeitungslandschaft ist im Wandel. Print hat schwer zu kämpfen. Dennoch investieren Sie in einen Neubau, in dem die gedruckten Ausgaben produziert werden. Daraus lässt sich Ihre Überzeugung ablesen, dass die gedruckte Zeitung auch weiterhin eine Zukunft hat.

Ippen: Die gedruckte Zeitung wird noch eine lange Zukunft vor sich haben, vor allem überall dort, wo die Leser Wert legen auf lokale Verbindungen. Einfach gesagt, da, wo man sich kennt und heimatverbunden ist, will man auch lesen, was im Ort vorgeht und wie die Welt sich sich darin spiegelt. Oder mit dem Motto des „Hamburger Abendblatt“ gesagt: „Mit der Heimat im Herzen die Welt umfassen“. Das gibt es gerade heute in kleineren Orten oft mehr als anderswo.

Aber auch im Print kann nicht alles so weiterlaufen wie bisher. Was muss sich ändern, was wird sich ändern?

Ippen: Auch die Kreiszeitung ist dabei, im Verbund mit den anderen Blättern in Verden, Diepholz und Syke ihren Print-Auftritt in das Internet zu verlängern. Durch die digitalen Nutzer steigt die Reichweite unserer Zeitung. Das gefällt auch den Werbekunden.

Haben es die lokalen und regionalen Blätter einfacher, weil sie wesentlich näher dran sind am Leser und am Geschehen vor Ort?

Ippen: Ja, in der sogenannten Provinz, abseits der großen Metropolen, haben es die Zeitungen viel leichter. Die Leserdichte ist hier viel größer, weil die Zeitungen buchstäblich näher dran sind am Leser.

Parallel dazu spielt der Bereich Online eine immer größere Rolle. Was erwartet die Leser der Kreiszeitung im Zusammenspiel von Print und Online?

Ippen: Das Zusammenspiel von Print und Online steht erst am Anfang. Für den Leser ist es auf jeden Fall ein sehr guter Service, wenn er die Zeitung auch unterwegs irgendwo in der Welt oder schon abends auf seinem i-Pad oder i-Phone lesen kann. Er wird viel aktueller durch den ganzen Tag informiert, als es die gedruckte Zeitung kann, die doch nur ein Mal in 24 Stunden gedruckt wird. Auch kann er vom Online- Auftritt der Zeitung aus bequem auf weitere digitale Plattformen zugreifen.

Vor dem neuen Pressehaus steht inzwischen ein Kunstwerk, das sich dem Thema Presse- und Meinungsfreiheit widmet. In der Kreisstadt sind viele Menschen begeistert, dass die Mediengruppe mitten in der Fußgängerzone ein Zeichen setzt. Wie ist diese Idee eigentlich entstanden?

Ippen: Es ist doch gute Tradition und manchmal vorgeschrieben von den Behörden, im Rahmen eines größeren Bauvorhabens, auch ein kleines Kunstbauwerk für die Allgemeinheit zu schaffen. Da liegt natürlich für eine Zeitung nichts so nahe, wie an die für uns unverzichtbare Presse- und Meinungsfreiheit zu erinnern – in diesem Fall mit Unterstützung der PGN sowie der Sparkasse Rotenburg-Bremervörde.

In den vergangenen Monaten beherrschte das Thema Presse- und Meinungsfreiheit die Medien in Deutschland, ja sogar in Europa. Was für uns selbstverständlich ist, wird mittlerweile aber auch bei uns infrage gestellt. Journalisten werden angegriffen, und immer wieder ist von der „Lügenpresse“ die Rede. Das muss Ihnen als Verleger sauer aufstoßen. Was sagen Sie den Kritikern?

Ippen: Wir erleben in Europa wie in anderen Teilen der Welt eine sehr unglückliche Hinwendung zu radikalen Thesen und Meinungen. Von der AfD bei uns bis zu Figuren wie Donald Trump im amerikanischen Wahlkampf. Die Presse in Deutschland bemüht sich geschlossen um die Aufrechterhaltung einer wahrhaftigen, freiheitlichen, weltoffenen Gesinnung und Berichterstattung auf dem Boden unseres Grundgesetzes. Da trifft uns die Verleumdung „Lügenpresse“ wirklich ins Herz. Allen, die das so sehen, unsere Journalisten angreifen, kann man nur sagen, wir lassen uns nicht einschüchtern. Aber es gibt natürlich auch Übersteigerungen in den Medien, die nicht in Ordnung sind. Auch berechtigte Kritik zum Beispiel am türkischen Präsidenten wird begrenzt durch die allgemeinen Gesetze zum Schutz der Persönlichkeit. Alles, was die Presse tut, hat im Rahmen der allgemeinen Gesetze zu geschehen. Das erleben wir ja gerade am Fall Böhmermann, in dem die Richter in Hamburg zurecht der persönlichen, unappetitlichen Verleumdung Grenzen gesetzt haben.

Der Ton ist rauer geworden – allen voran im Internet. Die Kreiszeitung ist mit Ihren Lokalausgaben jeweils auch auf Facebook unterwegs und bekommt mit, was sich da so abspielt. Müssen wir uns auf eine neue Form der Auseinandersetzung einstellen, in deren Fokus die Journalisten stehen?

Ippen: Im Internet spielt sich zum Teil Unsägliches ab. Besonders schlimm ist, dass Lüge und Wahrheit dort durcheinander gehen. Es werden von sogenannten „Trollen“ gezielt Lügen und Unwahrheiten in das Netz gestellt, um Verwirrung zu stiften.

Nicht wenige Fachleute der Medienbranche sind sich sicher, dass die klassischen Journalisten nach und nach das Nachrichtenmonopol verlieren. Trifft das zu? Und was bedeutet das aus Ihrer Sicht für den Journalismus und damit auch für unsere Gesellschaft?

Ippen: Das sogenannte Nachrichtenmonopol hat der klassische Journalismus schon längst verloren. Heute kann ja jeder etwas im Internet publizieren, was er mag. Diese Entwicklung kommt den klassischen Medien, allen voran den Zeitungen, aber auch entgegen. Denn was in der Zeitung steht, hat immer die höchste Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit. Schon deswegen, weil man den Zeitungsautor und den Verlag, der die Zeitung herausgibt, jederzeit zur vollen Verantwortung ziehen kann für das, was geschrieben steht. Dadurch wird nach meiner festen Überzeugung die Bedeutung des klassischen Journalismus in Zukunft sogar wieder steigen.

Zurück zum Neubau an der Großen Straße: Die Papier- und Druckereihallen gibt es nicht mehr, jetzt sind Redaktionen, Vertrieb und Anzeigenabteilung in einem Haus mit einem Supermarkt. Das Filetstück in der Rotenburger City erfährt durch diese Kombination eine Aufwertung. Wie wichtig ist es Ihnen bei derartigen Investitionen, dass das Umfeld ebenfalls profitiert?

Ippen: Bei unserer Entscheidung, in für unsere Verhältnisse großem Umfang in Rotenburg zu investieren, hat eine große Rolle gespielt, zur Entwicklung von Rotenburg als Einkaufsstadt beizutragen. Das ist nicht nur Edelmut von uns, sondern zugleich Egoismus. Denn alles, was für Rotenburg gut ist, was die Zentralität dieser Stadt verbessert, ist auch gut für unsere Zeitung. Nicht zu vergessen, dass der Bau des Supermarktes nur möglich war, weil die Firma Rewe als unser Mieter sich ebenso wie wir für diesen Standort entschieden hat. Dazu gilt unser Dank den Stadtvätern und -müttern und allen Bürgern, die das Vorhaben gut geheißen haben. So wird doch heute auch ein gewichtiges Kapitel aufgeschlagen – zur Verbesserung der Lebensqualität für alle Rotenburger Bürger.

Einweihung des neuen Pressehauses in Rotenburg

Mehr zu der Eröffnung des Pressehauses

Einweihungsfeier im Zeichen der Pressefreiheit

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