60 MINUTEN Eröffnung des dritten Standortes am Freitag

Ein Besuch im Rotenburger Testzentrum: Mehr positive Ergebnisse

Christine Fischer (l.) macht einen Schnelltest bei Friseurin Anne Hamborg.
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Einmal die Woche heißt es für Friseurin Anne Hamborg derzeit: ab zum Schnelltest. Kunden müssen erst ab einer Inzidenz von 100 ebenfalls einen vorweisen.

Zwei Corona-Schnelltestzentren hat Rotenburg derzeit, ein weiteres öffnet am Freitag seine Türen. Sie werden gut angenommen. In letzter Zeit sind aber auch regelmäßiger positive Testergebnisse dabei.

Rotenburg – Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Das merken Christine Fischer und Anna Frese, die an diesem Vormittag im Testzentrum der Apotheke Große an der Großen Straße Dienst haben. „Bisher sind alle negativ“, sagt Frese noch. „Das ist gut, wir haben auch ohne genug zu tun.“ Keine halbe Stunde später steht ein Mann vor ihnen, seine Frau wartet draußen mit dem Kind auf dem Arm. Er hatte am Wochenende etwas Fieber und Kopfschmerzen, berichtet er, jetzt sei alles ok. Also darf er in eine der drei Kabinen zum Test, ebenso seine Frau in eine weitere. Und in weniger als zwei Minuten ist vor allem bei ihrem Test sehr deutlich ein zweiter, dicker roter Strich zu sehen – positiv.

Frese und Fischer stoppen sofort. An der Wand hängt ein Zettel, der an alle Schritte erinnert, die jetzt gemacht werden müssen. Frese braucht diesen nicht mehr. Beide Frauen sind in Schutzkleidung, alles muss ausgezogen werden. Die weißen Kittel kommen in einen Plastikbeutel und dann erst in die Wäschebox. Der Hinweis, dass eventuell kontaminierte Kittel eingepackt werden müssen, steht als Erinnerung leuchtend gelb auf der grauen Box.

Die Schutzbrille kommt ab, Handschuhe und Haarnetz wandern in den Mülleimer. Die Brille wird desinfiziert, ebenso alle Kontaktoberflächen. „Vor allem die Stühle“, sagt Frese zu ihrer Kollegin. „Da halten sie sich gerne fest.“ Das positiv getestete Paar muss nun bei seinem Hausarzt einen PCR-Test machen lassen. Frese informiert außerdem das Gesundheitsamt über das Ergebnis.

Innerhalb kurzer Zeit ist die rote Positiv-Linie deutlich erkennbar.

Währenddessen wirkt die Desinfektion kurz ein, dann geht es weiter. Aus der Ruhe bringt die beiden Frauen das nicht. Zur Not hätten sie auch die dritte Testkabine zur Nutzung. Die ist heute, da nur zwei Mitarbeiter im Einsatz sind und zwischen Testung und Anmeldung wechseln, ungenutzt. Vor der Tür hat sich indes eine kleine Schlange gebildet, aber keiner murrt. Das mag auch an der Sonne liegen, die den Wartenden warm ins Gesicht scheint.

Aber auch sonst sind die meisten freundlich. Viele auch dankbar. So berichtet eine ältere Dame, dass sie ihre Schwester besucht und so beruhigter ist. „Wollen sie das andere auch?“, fragt sie, als Fischer das Stäbchen aus der Nase zieht. „Nein, eins reicht“, erklärt diese, die ihren ersten Tag im Testzentrum hat. Sie arbeitet in der Notaufnahme des Diakonieklinikums, kennt sich also mit Tests aus. „Ach, wie schön“, meint die ältere Dame vergnügt, während sie sich eine Träne wegwischt – ein Nebeneffekt der Tests.

Ihr Ergebnis kann sie sich eine halbe Stunde später in der Filiale an der Verdener Straße ausgedruckt abholen. Sie hat keine E-Mail-Adresse, was kein Problem ist. Die Dame geht hinaus, Fischer zieht die Handschuhe aus und schmeißt sie in den Müll – das passiert nach jedem Test. Sie scannt den QR-Code ein, der an der Testkassette hängt. Zwölf Tests, sortiert nach Kabine, liegen neben ihr auf dem Schreibtisch. Die Ergebnisse gehen nach und nach per E-Mail raus.

Alle Oberflächen werden nach dem positiven Testergebnis desinfiziert.

Der ein oder andere hat eigentlich einen Termin im anderen Testzentrum der Apotheke. Auch das geht. „Wir versuchen es, damit wir die Leute nicht unnötig hin- und herschicken müssen“, sagt Frese.

Manche erzählen ein wenig, während Fischer und Frese die Schnelltests vorbereiten. Die Atmosphäre erinnert dann an die beim Friseur. Eine Frau ist Putzkraft in einer Schule, eine andere kommt gerade aus dem Zevener Impfzentrum. Anne Hamborg lässt sich als Friseurin einmal die Woche testen. Ihr Chef, Ralf Wesseloh, habe sich schon um Selbsttests bemüht und ein Online-Seminar absolviert – dann könnte er den Test auch bei anderen übernehmen. Ein Lolli-Test, sagt Hamborg, wäre bestimmt eine angenehme Alternative.

Die meisten kennen den Ablauf. Mehr als fünf Minuten hält sich keiner innen auf. 140 Termine sind gebucht, Frese nennt es einen normalen Tag, da kennt sie andere. Sogar eine Ausnahme wird daher gemacht: Ein Mann hat keinen Termin, versucht aber freundlich fragend sein Glück an der Anmeldung. Seine Personalien werden aufgenommen und er wird getestet. Er freut sich: „Das ist ja toll, ganz unbürokratisch – ich lasse jede Woche einen Test machen.“ Aber, betont Frese, es ist eine große Ausnahme. Termine sollten weiter online gemacht werden.

Drittes Testzentrum startet Freitag

Ab Freitag geht das neue Testzentrum der Apotheke Große am ehemaligen Standort der Tourist-Info im Rotenburger Rathaus in Betrieb. Vier zusätzliche Testkabinen stehen dann bereit, damit verdoppelt sich die Kapazität in der Wümmestadt. Die Termine sind online auf der Internetseite der Apotheke bereits buchbar. Vorerst wird das dritte Testcenter aber nur freitags und samstags öffnen, da an diesen Tagen erfahrungsgemäß der Andrang am stärksten ist. Ansonsten wolle man die weitere Entwicklung abwarten, erklärt Apotheker René Große. Ursprünglich war das dritte Zentrum an den Start Rotenburgs als Modellkommune gekoppelt. Die Bewerbung wurde zwar zurückgezogen, das weitere Testzentrum wollten Große und die Stadt dennoch ermöglichen. Sollte es irgendwann zu mehr Lockerungen kommen und der Zulauf entsprechend größer werden, könnte man die Terminvergabe unkompliziert ausweiten. Unterstützung gibt es von vielen Seiten, vorrangig hat Große aber derzeit Personal mit medizinischen Vorkenntnissen ausgewählt und geschult. Zwischen 200 und 400 Tests werden pro Tag meist durchgeführt, positive Ergebnisse gebe es leider mittlerweile regelmäßig. Täglich können das schon mal zwischen einem und vier Tests sein. Die Mitarbeiter der bald drei Standorte werden ebenfalls regelmäßig getestet, zweimal die Woche. Vorerst möchte Große bei Nasenabstrichen bleiben: Die Genauigkeit, gerade bei einem oberen Nasenabstrich, sei einfach am höchsten. Auch da gebe es mal Unsicherheiten mit falsch-positiven Tests, aber selten.

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