Große Aufräumaktion 

Mit Eimer, Besen und Putzlappen in die Kirche

Die umfangreichen Putz- und Aufräumarbeiten haben im 32 Meter hohen Glockenstuhl begonnen.

Rotenburg - Es gibt sie tatsächlich, die kleinen Kirchenmäuse in manchen versteckten Nischen der Rotenburger Stadtkirche. Und es gibt in dem Gotteshaus in der Stadtmitte – das Kirchengebäude wurde von 1860 bis 1862 nach Plänen des Bremer Architekten Ernst Klingenberg errichtet, der Glockenturm stammt aus dem Jahre 1752 – noch viel mehr: Für die Kirchgänger kaum erkennbar, teilweise viele Jahre alter Müll und Staub, also Reste, für die in einer Kirche kein Platz sein sollte. Das wusste auch das Küsterteam mit Küsterin Elisabeth Schwanholt und den beiden nebenamtlichen Kollegen Helga Schwiebert und Rolf Rinck. Der 30-Jährige, der gleichzeitig Mitglied des Kirchenvorstands ist: „Vor etwa zwei Monaten sind wir durch die Kirche gegangen, und dabei haben wir in vielen Bereichen eine Menge Restmüll entdeckt.“

Das war das Signal für die erste große Aufräumaktion in der Rotenburger Stadtkirche. Ein entsprechender Aufruf im Gemeindebrief, und zwölf Helfer, darunter auch Stadtkantor Karl-Heinz Voßmeier, standen „auf der Matte“, der große Müllcontainer wartete schon auf dem Kirchenvorplatz.

Pünktlich um 13 Uhr, als die alte Uhr im Turm schlug, standen die fleißigen Wochenendarbeiter vor der Kirche, ausgerüstet mit Arbeitshandschuhen, festem Schuhwerk und weißem Mundschutz. Dabei hatten sie Plastikeimer, Besen, Putzlappen und viel gute Laune, obwohl ihnen klar war: Diese Aktion, bei der kein Winkel ausgelassen werden sollte, würde Stunden dauern.

Rolf Rinck pflegt das alte Laufwerk der Turmuhr in der Rotenburger Stadtkirche.

Im historischen Eichenholzgebälk in 32 Metern Höhe, über steile, knarrende Treppen wurde unter der mit Kupfer gedeckten Turmhaube mit den Aufräum- und Putzarbeiten begonnen. Dort ist unter anderem auch die Margarethenglocke von 1379 aufgehängt. Diese älteste Rotenburger Glocke tut seit mehr als 600 Jahren ihren Dienst und stellt ein historisches Relikt dar: In Ermangelung eines Kirchturms hing die Glocke anfänglich nämlich 40 Jahre im Freien am Ast eines alten Baumes. Die Inschrift: „Margarethe ist mein Name. Mein Laut sei Gott genehm. Gemacht im Jahr 1300 und 79.“

Den „ganz großen Fund“ gab es nicht

Gegenwart und Vergangenheit begegneten sich am alten Laufwerk der Kirchturmuhr mit seinen drei großen Zifferblättern: die alteingesessene Rotenburger Familie Rinck. Während Tischler Ernst Rinck 1866 für die Orgel das inzwischen denkmalgeschützte Gehäuse geschaffen hatte, ist es jetzt Nachfahre Detlef Rinck (56), der die alte Uhr wartet. Der Ingenieur für Elektrotechnik hat zudem für die neue Klais-Orgel eine elektronische Setzeranlage eingebaut. Sohn Rolf nutzt den Tag, um vertretungsweise für den Vater die Uhrwerkzahnräder zu putzen und zu ölen.

Kleine, zu Boden gefallene Mörtelreste, ausrangierte Treppen, nutzloses Mobiliar, veraltete Technik, abgehängte Leuchter, viel Staub und Schmutz. Den „ganz großen Fund“, den niemand erwartete, gab es nicht, dafür den staunenden Blick hinter die Kulissen des Gotteshauses mit seinem fast 50 Meter langen Kirchenschiff und seinen etwa 800 Sitzplätzen.

Die fleißigen Helfer, die sich in absehbarer Zeit zu einer weiteren Aktion treffen wollen, hoffen, dass die Kirchenbesucher – von rund 6 000 Gemeindemitgliedern kommen sonntags zu den Gottesdiensten immerhin zwischen 50 und 60 Gläubige – etwas von ihrem selbstlosen Arbeitseinsatz bemerken. Auch das war für Rolf Rinck übrigens ein wichtiger Aspekt bei den gemeinschaftlichen Aufräumarbeiten in der Rotenburger Stadtkirche: „Es gibt für öffentliche Gebäude gesetzliche Vorschriften, um Brandschutzmaßnahmen und sicherheitsrelevante Auflagen zu erfüllen.“ 

bn

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