Eigenständige Integration 

Jugendwerkstatt startet Projekt „MITeinander in Rotenburg“ mit Boßel-Tour

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Dorothee Gräf und Martin Müller-Trau von der Jugendwerkstatt Rotenburg wollen Einheimische und junge Geflüchtete näher zusammenbringen.

Rotenburg - Von Joris Ujen. Die Jugendwerkstatt Rotenburg ist ein Weiterbildungsort für Jugendliche und Erwachsene im Alter von 14 bis 26 Jahren, die Probleme mit einem eigenständigen Einstieg in die Berufswelt haben. Für diese Übergangszeit zwischen Schule und Beruf hat es sich die Einrichtung an der Goethestraße 14 seit ihrer Gründung im Sommer 2012 zum Ziel gemacht, die Entwicklung der Persönlichkeit und den Erwerb von Schlüsselkompetenzen anzubieten. Nun startet die Einrichtung vom Verein Lebensraum Diakonie (ehemals Herbergsverein Wohnen und Leben) mit „MITeinander in Rotenburg“ ein neues Integrationsprojekt, das einheimische mit geflüchteten Jugendlichen zusammenbringen soll. Den Auftakt soll eine Boßel-Tour machen.

„Wir sind größer und vielfältiger geworden“, erzählt Dorothee Gräf, Projektleiterin von Lebensraum Diakonie. In Person von Martin Müller-Trau hat sie auch gleich ein Beispiel für die Entwicklung parat. Der pädagogische Mitarbeiter ist seit Anfang März Teil des Teams und betreut das neue Projekt „MITeinander in Rotenburg“. Junge Menschen mit Fluchterfahrung, die in Rotenburg leben, sollen dabei mit einheimischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen zusammenfinden und im Idealfall eigenständig weiterführende Projekte gestalten. Den Auftakt soll eine Boßel-Tour am Mittwoch, 28. März, machen. „Boßeln ist ein sehr kommunikativer Sport“, sagt Müller-Trau, der sich mit der Veranstaltung erhofft, dass erste Kontakte zwischen den Teilnehmern entstehen.

„Wir haben in der Jugendwerkstatt gemerkt, dass die Einheimischen und Migranten, die zu uns kommen, auch andere Bedarfe haben“, ergänzt Gräf. „Es geht bei uns ja nicht nur um die berufliche, sondern auch um die soziale Integration.“ Und dafür müssen sprachliche Barrieren abgebaut werden. Sprach- kurse gibt es dafür auch in der Jugendwerkstatt. Gräf: „Für das Anwenden der deutschen Sprache brauchen die jungen Geflüchteten aber auch Gelegenheiten abseits der Seminare, im direkten Kontakt mit Einheimischen.“

Großes Interesse an der Integration von Geflüchteten

Um junge Menschen auf die Jugendwerkstatt aufmerksam zu machen, hat Müller-Trau schon erste Gespräche mit Vereinen und Institutionen aus Rotenburg geführt. Von deren Erfahrungsschatz mit Jugendlichen möchte der pädagogische Mitarbeiter lernen und neue Projektideen entwickeln. Die Berufsbildenden Schulen (BBS) Rotenburg haben laut Müller-Trau auch schon Interesse signalisiert, gemeinsam im Sportbereich etwas auf die Beine zu stellen. Demnächst möchte der Pädagoge unter anderem auch das Jugendzentrum besuchen, um erste Kontakte zu knüpfen. „Ebenso wie mit David Belau, dem Ehrenamtskoordinator des Diakonissen-Mutterhauses“, so Gräf. „Wir haben schon viele offene Türen vorgefunden, da ein großes Interesse an der Integration von Geflüchteten besteht.“

Weil das „MITeinander“-Projekt die Interessen der jungen Menschen in den Fokus setzt, sollen auch demokratische Werte vermittelt werden. In Mini-Gruppen sollen sie selbstständig Projekte anschieben und über ihre Ideen abstimmen.

Für das Angebot der Jugendwerkstatt Rotenburg sind finanzielle Fördermittel unumgänglich. Hauptsächlich wird die Arbeit aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Landes Niedersachsen ermöglicht und durch eine kommunale Finanzierung ergänzt. Der Landkreis hat bereits für die noch laufende Förderperiode, die am 31. März endet, Haushaltsmittel für die Kofinanzierung in Höhe von rund 55 .100 Euro pro Jahr bereitgestellt. Trotz der Unterstützung rechne der Träger ab 2018 mit einem jährlichen Defizit von rund 75. 500 Euro. Grund für die rund 20 .000 Euro an zusätzlichen Kosten seien gestiegene Personalkosten.

Boßel-Tour am 28. März

Der Landkreis reagierte und hat in der Kreistagssitzung in der vergangenen Woche eine Fördersumme höchstens im Umfang von 75 .500 Euro einstimmig beschlossen. Christdemokratin Elke Twesten hatte vor dem Votum im Kreishaus die Wichtigkeit der Jugendwerkstatt betont, die „seit vielen Jahren schon nicht nur außerordentlich gute Arbeit leistet, sondern mittlerweile auch ein unverzichtbarer Faktor in Rotenburg ist“.

Die Boßel-Tour startet am 28. März um 11 Uhr bei der Jugendwerkstatt in Rotenburg und endet gegen 15 Uhr. Anmeldungen sind bis Montag, 26. März, bei Martin Müller-Trau unter denTelefonnummern 0151 / 19533723 und 04261 / 961924 sowie per E-Mail an martin.mueller-trau@lebensraum-diakonie.de möglich.

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