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Eichenprozessionsspinner im Kreis Rotenburg: Achtung Verwechslungsgefahr

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Von: Ann-Christin Beims

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Eichenprozessionsspinner
Eichenprozessionsspinner sind giftig. © Imago Images / imagebrokeR

Die Raupen der Eichenprozessionsspinner sind wieder unterwegs - im Landkreis Rotenburg gibt es bisher zwar keine Sichtungen, dennoch sollte im Freien Vorsicht gelten.

Rotenburg – Seit Anfang Mai schlüpfen wieder die für den Menschen gefährlichen Raupen des Eichenprozessionsspinners (EPS). Diesen sowie ihren Gespinsten sollte man nur aus großem Abstand begegnen, denn ihre giftigen Brennhaare brechen leicht und können über Entfernungen von mehr als 100 Metern getragen werden. Auch derzeit würden an den Landkreis Rotenburg wieder viele Meldungen über potenzielle Vorkommen herangetragen, berichtet dieser. In den meisten Fällen könnten die Fachleute jedoch beruhigen – denn es herrscht Verwechslungsgefahr.

„Bisher sind dem Landkreis nur wenige Vorkommen in unserer Region bekannt, in diesem Jahr wurde noch kein Fall gemeldet“, so der Landkreis in einer Pressemeldung. Denn die Raupen halten sich, wie es ihr Name schon sagt, für gewöhnlich in Eichen auf. „Nur in Ausnahmefällen befällt er andere Bäume wie Hainbuchen. Sträucher, wie zum Beispiel das Pfaffenhütchen, werden überhaupt nicht befallen.“

Wer ein Nest sieht, sollte Ruhe bewahren, mit Abstand ein Foto schießen und dieses einem Fachmann wie einem Biologen oder Förster zeigen. Auch der Landkreis kann als untere Naturschutzbehörde eine Bestimmung durchführen: Fotos können an naturschutz@lk-row.de geschickt werden. Sollte sich der Verdacht bestätigen, sind die Ansprechpartner für das Thema die Ordnungsbehörden der Kommunen.

Es sei ein natürliches Phänomen, dem „mit Augenmaß begegnet werden sollte“, erklärt der Landkreis. Hält sich der Eichenprozessionsspinner jedoch an Orten wie Schulen, Kindergärten, in Tagesstätten, Schwimmbädern, auf Freizeitanlagen, Zeltplätzen oder in Krankenhäusern und Kliniken mit viel Publikumsverkehr auf, sollte das Nest auf jeden Fall entfernt werden, um das Kontaktrisiko zu minimieren.

Die Raupen durchlaufen bis zur Verpuppung fünf bis sechs Entwicklungsstadien. Ab dem dritten Larvenstadium wachsen die sehr feinen Brennhaare – und die können, selbst wenn sie im Nest zurückbleiben, noch bis zu einem Jahr giftig bleiben. „Gespinstnester an Bäumen und auf dem Boden bleiben somit eine Gefahrenquelle und sollten nicht angefasst werden.“ Das Schlüpfen der Falter ist ab August beendet. Im Wald müssten nur bei stärkerem Befall oder im Rahmen von Sonderprogrammen Bekämpfungsmaßnahmen erfolgen.

Für die Entfernung nutzen Fachleute verschiedene Möglichkeiten. Die Nester können entweder trocken abgesaugt werden oder zunächst mit Seifenlauge eingesprüht, so der Landkreis auf Nachfrage der Kreiszeitung. Dazu rücken die Einsatzkräfte mit Schutzanzügen, -masken und Spezialausrüstung an, um sich selber vor den Brennhaaren zu schützen. Durch die Seifenlauge können die Nester nicht mehr auseinanderbrechen und keine Brennhaare freisetzen. „Die Entfernung sollte auf jeden Fall einem Fachmann überlassen werden“, rät der Landkreis.

Weitere Informationen

Weitere Fragen zu den gesundheitlichen Auswirkungen können das Gesundheitsamt des Landkreises oder das Niedersächsische Landesgesundheitsamt beantworten. Das hält auf seiner Website auch Informationen bereit.

Doch nicht immer handelt es sich bei einer Sichtung direkt um ein Nest der EPS: Meist würde es sich um Nester der Gespinstmotte handeln, die denen der EPS sehr ähnlich sähen – aber für den Menschen keine Gefahr darstellen. Sie sind auch in Gärten zu finden, Grund zur Panik gibt es da nicht.

Bei den EPS-Raupen sieht es anders aus: Ihre Härchen enthalten das Nesselgift Thaumetopoein. Kontakt mit der Haut oder Einatmen kann zu starken allergischen Reaktionen führen. „Hautkontakte führen zur sogenannten Raupen-Dermatitis. Bei betroffenen Personen hängen Empfindlichkeit und Reaktionsintensität von der Häufigkeit der Kontakte zu den feinen Brennhaaren ab“, so der Landkreis. Anzeichen für eine Dermatitis können Juckreiz – bei heftigem Kontakt auch starker –, Schüttelfrost, Schwindel und in seltenen Fällen allergische Schockreaktionen sein. „Bei starkem Kontakt verspürt man anfangs gegebenenfalls ein Prickeln, welchem nach wenigen Minuten die Reaktionen folgen“, heißt es weiter aus dem Kreishaus. Der Juckreiz kann mehrere Tage anhalten, auch roten Schwellungen oder Quaddeln auf der Haut sind denkbar.

Wer mit einem EPS in Kontakt gekommen ist und stärkere gesundheitliche Beschwerden verspürt, sollte einen Arzt aufsuchen, rät das Gesundheitsamt.

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