Neun Auszeichnungen im Rathaus vergeben

Stadt Rotenburg ehrt „stille Stars“

Zum Abschluss der Ehrung im Rotenburger Rathaus haben sich die „stillen Stars“ zusammen mit den Juroren und Bürgermeister Andreas Weber den Fotografen gezeigt. - Fotos: Menker

Rotenburg - Von Guido Menker. Die Stadt Rotenburg hat Mittwochabend im Rathaus neun „stille Stars“ geehrt. Es handelt sich dabei um Auszeichnungen an Menschen aus der Kreisstadt, die sich auf ganz unterschiedlichen Ebenen sozial engagieren. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie wirken eher im Hintergrund.

Die Auszeichnungen bei der dritten Auflage dieser Veranstaltung gehen an Edith und Hermann Miesner, Rotraut Fries, Torsten Veller, Karin Imhoff, Rosemarie Göx, Gisela Wöbse-Vogel und Werner Vogel sowie an Christa Reichmann. Die Paten und Laudatoren der Preisträger sind Susanne Kuppler – sie hatte die Auszeichnung der „stillen Stars“ einst ins Leben gerufen –, Hero Feenders, Helga Boisch, Hansjörg Eggers, Katharina Engelhardt, Oliver Hartjen und Eduard Hermann sowie Fred Krüger. Sie haben den Preisträgern auch die Trophäen überreicht.

Die Begrüßung der knapp 70 Gäste sowie die Schlussworte dieser Veranstaltung hat Bürgermeister Andreas Weber (SPD) übernommen. Menschen für derartiges soziales Engagement auszuzeichnen, seien „Momente, in denen man viel Kraft schöpft“, so Weber. Unter den Gästen waren neben den Preisträgern und einigen Angehörigen auch „Stille Stars“ von 2014 sowie 2016, der Rotenburger Ehrenbürger Friedrich Kuhle, einige Ratsmitglieder und Freunde der Preisträger. Die Jury hatte es bei der Preisvergabe nicht leicht. 17 Vorschläge waren bei ihnen eingegangen.

Rotraut Fries

Die Auszeichnung von Rotraut Fries hat Hero Feenders übernommen. „Sie ist ständig unter Dampf, man spürt ihre Freude am Leben, ihr Interesse am Menschen und ist angesteckt von ihrem Humor. Durch ihr Engagement erfährt sie Vieles, wovon Andere nichts mitkriegen“, sagt Feenders. Rotraut Fries engagiert sich in der Kleiderkammer des DRK, und aus Überzeugung und christlicher Verantwortung setzt sie sich – bescheiden, unaufdringlich, aber bestimmt – für ihre katholische Kirche ein. Sie gestalte mit, als Küsterin, Lektorin, Kommunionhelferin. Sie leite in Vertretung des Pfarrers den Wortgottesdienst und verantwortet den Seniorenkreis, so Feenders. Selbst im Kirchbau-Verein und in der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands mischt sie mit, betont Feenders anerkennend. Zum Wohle der Menschen wolle sie ihren Beitrag leisten in allen Bereichen. 

Rotraut Fries

Neben dem DRK und der katholischen Kirche habe sie dies auch noch im Seniorenbeirat der Stadt und auch im Stadtrat Rotenburgs getan. Da habe sie im Kultur- und Sozialausschuss ihre Kompetenzen eingebracht. Feenders: „Wer so vielseitig einsetzbar ist und sich einsetzen lässt, ist ein wahres Geschenk Gottes.“ Rotraut Fries verschenke ihre Zeit an andere Menschen – Christen und Nichtchristen, Bedürftige und Notleidende, Lachende und Traurige. Zu ihnen zählte auch eine Familie, die ihr Zuhause durch ein Feuer verloren hatte. Sie nahm sie auf – für anderthalb Jahre.

Torsten Veller

Durch einen Bericht in der Rotenburger Kreiszeitung über den Freibettfonds kam Torsten Veller dazu, Kinder aus Krisen- und Kriegsgebieten im Krankenhaus Rotenburg zu betreuen. Seit fünf Jahren macht er das. Die Kinder, um die er sich kümmert, kommen überwiegend aus Angola oder Afghanistan. 

Torsten Veller

Zurzeit sind es zwei Mädchen aus Angola. Sie sind drei und zehn Jahre jung. Sie haben verkrüppelte Gliedmaßen durch Minen, extreme Entzündungen der Knochen, nicht heilende Wunden und sind unterernährt. Die Krankenhausaufenthalte dauern mehrere Monate bis zu einem Jahr, weil sie mehrere Operationen über sich ergehen lassen müssen, schildert Laudatorin Helga Boisch. Während dieser langen Zeit muss Vertrauen aufgebaut werden, um die Behandlung durchzustehen. Veller koordiniert diese ehrenamtliche Arbeit, spielt mit den Kindern und macht Ausflüge. 

Rosemarie Göx

Rosemarie Göx hat es schon gleich vorweggesagt: „Halten Sie Ihre Laudatio bloß kurz!“ Gemeint war Katharina Engelhardt. Doch eines lässt sich die Laudatorin nicht nehmen: „Nach 35 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit im Stillen können Sie eine persönliche Ehrung und den Dank an Sie persönlich getrost annehmen. Sie haben die heutige Anerkennung weiß Gott verdient.“ Auch dann, wenn sie sagt, dass sie die Ehrung nicht für sich persönlich annehmen würde, sondern stellvertretend für die Grünen Damen und Herren. 

Rosemarie Göx

Nachdem Rosemarie Göx fünf Jahre lang ihre Mutter gepflegt hatte, wollte sie nach deren Tod weiterhin für alte Menschen da sein. So kam sie im Januar 1983 als ehrenamtliche Mitarbeiterin zur Evangelischen Kranken- und Alten-Hilfe (EKH). Seit dieser Zeit gehe sie regelmäßig auf die Alten-Pflegestation des Diakonissen-Mutterhauses.

Karin Imhoff

Hansjörg Eggers beschreibt Karin Imhoff als neugierig, engagiert und abenteuerlustig. Auch sie erhält den Ehrenpreis der Stadt Rotenburg. Sie war dabei, als es darum ging, Kinder aus der Tschernobyl-Region zu beherbergen. Und vor zwei Jahren startete sie ein neues Projekt: Flüchtlinge kamen, und für sie war es unvorstellbar, untätig zu bleiben. „Durch ihr Interesse, die positive Neugier, entstand die Idee, Fahrradunterricht anzubieten“, berichtet Hansjörg Eggers. Fahrradunterricht für Frauen mit Migrationshintergrund, mit geflüchteten Frauen und mit Frauen, die schon länger hier leben. 

Karin Imhoff

Von der Idee bis zur Umsetzung sei es ein langer Weg gewesen – ADFC, die Lindenschule und die Gleichstellungsbeauftragte Brigitte Borchers halfen mit. Und wenn es am Ende auf Radtour zum Weichelsee ging, war für die Teilnehmerinnen ein weiterer Schritt in Richtung Selbstständigkeit geschafft. 

Christa Reichmann

Eine Laudatio in Interviewform – so haben sich Eduard Hermann und red Krüger Christa Reichmann genähert. Die Aufnahme davon haben die Gäste gestern Abend zu sehen und zu hören bekommen. Christa Reichmann – eine Frau, die in der Krankenhilfe unterwegs war, sich in der Altenhilfe und seit einiger Zeit auch in der Hospizarbeit sowie im Eine-Welt-Laden engagiert. Hospizarbeit: Viele sagten, sie wüssten nicht, ob sie das können. Sie hat gesagt: „Ich versuche es.“ Es sei ja ehrenamtlich und freiwillig – und sie ist dabei geblieben. 

Christa Reichmann

Wenn sie am Bett eines bald sterbenden Menschen sitzt, könne man sich nicht verstellen: „Ich bin so, wie ich bin.“ Danach fühle sie sich bereichert, ja beschenkt. Reichmann: „Ich hoffe, bei den Menschen ist dann auch etwas davon angekommen.“ Was ihr helfe, sei eine natürliche Distanz. 

Edith und Hermann Miesner

Edith und Hermann Miesner sind zwei Menschen, die sich den Flüchtlingen zugewandt haben und sie nicht nur in ihrem Haus aufnehmen, sondern auch in ihren Herzen – und die sie zu Familienmitgliedern machen.

Nebiat und Fiori gehören zu diesen Familienmitgliedern. Beide Frauen kamen im Juni 2014 als Flüchtlinge in Hepstedt an, wo das Ehepaar sie über ihre SELK-Gemeinde kennenlernte. Beide Mädchen, damals gerade 18 und 19 Jahre alt, sind aus ihrer Heimat Eritrea geflohen. Ein sehr langer, steiniger und vor allem lebensbedrohlicher Weg, wie Laudatorin Susanne Kuppler es ausdrückt, der sich für die beiden aber dann gelohnt hat, „weil sie liebevolle, herzliche Menschen fanden, die sie bei sich zuhause aufnahmen“. Edith und Hermann Miesner kümmerten sich mit Geduld und Fleiß um das Erlernen der deutschen Sprache für beide. Halfen ihnen, sich im Alltag zu Recht zu finden und bemühten sich um Ausbildungsstellen, damit die Frauen auch auf „eigenen Beinen“ stehen können. Sie öffneten ihre Türen, gaben Essen und Trinken, schenkten Liebe und Geborgenheit und widmeten ihre freie Zeit den beiden Frauen. 

Edith und Hermann Miesner

Kuppler: „Ich fragte sie, ob es nicht ungewöhnlich ist, fremde Menschen so aufzunehmen und sie so nahe an sich herankommen zu lassen. ,Nein’, erwiderten beide, ,doch eher selbstverständlich oder nicht? Es ist doch schön, anderen Menschen zu helfen, besonders denen die in Not geraten sind. Sie geben einem so viel zurück und neben unseren eigenen drei erwachsenen Söhnen, haben wir jetzt auch zwei Töchter. Das ist Lohn genug!’, berichten beide.“ 

Gisela Wöbse-Vogel und Werner Vogel

Auch das Ehepaar Gisela Wöbse-Vogel und Werner Vogel gehört zu jenen Menschen, die sich sozial engagieren, ohne dabei selbst in den Vordergrund zu treten. Und: „Das Ehepaar Vogel setzt sich weit über das normale Maß hinaus für Flüchtlinge und deren Integration ein“, sagt Laudator Oliver Hartjen. Das alles fing mit dem sogenannten „Campus“ in Unterstedt im Zuge des Flüchtlingsstroms 2015 an. 

Gisela Wöbse-Vogel. Ihr Mann Werner Vogel konnte nicht dabei sein.

Das Ehepaar hatte 2015 seinen Urlaub in Portugal verbracht, wobei es dort keinerlei Informationen bezüglich des Flüchtlingsstroms in Deutschland hatte. Die beiden kehrten also aus Portugal zurück und sahen sich unvermittelt mit der Situation konfrontiert. Es gab etwas zu tun für die Menschen, die hier nach einer langen Flucht ankamen. Die Eheleute Vogel interessierten sich sofort für praktische Hilfe zugunsten der Flüchtlinge und nahmen an zahlreichen Informationsveranstaltungen teil.

Sie entschlossen sich dazu, Patenschaften anzunehmen. Sie erkannten sehr schnell, dass es wohl darauf ankommen würde, praktische Hilfe in alltäglichen Angelegenheiten zu leisten und den Bewohnern Angebote für Aktivitäten zu unterbreiten.

Die Hilfe ist vielfältig: Sie gehen mit den Menschen einkaufen, helfen bei Behördengängen und Umzügen, in der Fahrradwerkstatt und in Sachen Internet. Sie begleiten die Flüchtlinge zum Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nach Oldenburg, Bad Fallingbostel und Friedland. Hinzu kommen Tanzkurse, das Frauen-Café, die Hilfe beim Auszug aus dem „Campus“. Für Werner Vogel sei es selbstverständlich: „Ich gucke, was zu tun ist, dann mache ich einfach!“ 

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