Ehemalige Bürgermeister: Heinz-Günter Bargfrede erinnert sich

„Ehrenvolle Aufgabe“

Heinz-Günter Bargfrede blickt auf seine zwei Jahre als Rotenburger Bürgermeister zurück.
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Heinz-Günter Bargfrede blickt auf seine zwei Jahre als Rotenburger Bürgermeister zurück.

Rotenburg – In einer kleinen Serie lassen wir vier ehemalige Rotenburger Bürgermeister zu Wort kommen. Was denken sie über ihre Amtszeit, was hat sie bewegt, geärgert oder auch gefreut? Als zweiter Gesprächspartner äußert sich Heinz-Günter Bargfrede. 1942 in Zeven geboren und später beruflich als Postoberinspektor tätig, war er von 1984 bis 1986 für die CDU als Rotenburger Bürgermeister im Amt.

Mit welchem Gefühl blicken Sie auf Ihre Jahre als Bürgermeister der Stadt Rotenburg zurück?

Es war eine besonders ausgefüllte und ehrenvolle Aufgabe im Rahmen meiner 45-jährigen politischen Arbeit. Diese Aufgabe konnte ich ausfüllen, weil ich gern unter Menschen war und bin und ein aufrichtiges Interesse an ihrem Schicksal habe. Und eine ehrenamtliche Aufgabe war es auch. Anders als heute hatte ich als Bürgermeister einen Stadtdirektor als Chef der Verwaltung an meiner Seite. Ich hatte viele gute Begegnungen und immer Lust am Gestalten und Helfen, Sinnvolles zu tun.

Was hat Sie damals motiviert, dieses Amt anzutreten?

Es war mehr eine Verpflichtung. Wie bei der Übernahme des Pressewarts in Sportvereinen und Verbänden wurde ich auch bei der Kandidatur zum Stadtrat und Kreistag von Parteifreunden angesprochen, die mir diese Aufgaben zutrauten. Ich war Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion, als Hinrich Heineke, mein Vorgänger, mich ansprach: „In einem halben Jahr werde ich zehn Jahre im Amt sein, dann wirst Du meine Nachfolge antreten!“ – Ich: „Kann ich das denn überhaupt?“ – Heineke: „Wer denn sonst?“

Was waren die größten Herausforderungen Ihrer Amtszeit?

Die öffentlichen Anhörungen und Beschlüsse zur Gestaltung der Innenstadt und somit zur Aufnahme in das Städtebauförderungsprogramm des Landes. Drei Alternativen standen zur Wahl: durchgehender Verkehr, durchgehende Fußgängerzone oder die Lösung, die wir heute haben, mit der Querverbindung von Goethestraße zur Aalter Allee.

Worüber haben Sie sich besonders geärgert?

Nicht, als ich mein Amt wieder abgeben musste, aber über die Art meiner Ablösung. Nach Stimmen hatten wir die absolute bürgerliche Mehrheit, nach Sitzen nicht. Dass Bodo Räke, mein Nachfolger, sich mit der Stimme des DKP-Abgeordneten Michael Meyer zum Bürgermeister wählen ließ, war Wortbruch, denn Räke wollte sich eigentlich nicht mit Hilfe der DKP wählen lassen. Es hieß damals „Das haben die Leute in vier Wochen vergessen.“

Es war eine besonders ausgefüllte und ehrenvolle Aufgabe im Rahmen meiner 45-jährigen politischen Arbeit, sagt Heinz-Günter Bargfrede.

Was waren die schönsten Momente?

Sicherlich die Einweihung der Nordumgehung als Voraussetzung für die Aufnahme in das Städtbauförderungsprogramm und damit auch die bauliche Ermöglichung der Fußgängerzone. Der Weichelsee entstand dadurch als Naherholungsgebiet. Die Grünen skandierten damals: „Wer Straßen baut, wird Verkehr ernten.“ Ich muss auch zugeben, dass die Abwahl vom damaligen Stadtdirektor Dirk-Peter Stefan ein guter Moment war, weil wir das Vertrauen zu ihm wegen seines sehr eigensinnigen Entscheidungsstils gegen Entschlüsse des Stadtrates verloren hatten. So kam es zur einstimmigen Wahl von Ernst-Ulrich Pfeifer zum neuen Stadtdirektor. Auf meine Anregung kam der Beschluss zustande, jährlich einen Empfang für die in mehr als 100 Vereinen und Verbänden tätigen Ehrenamtlichen einzuführen. Außerdem waren die Sonderfahrten mit der Bundesbahn unter dem Slogan „Eine Stadt geht auf Reisen“ nach Rotenburg an der Fulda mit 1 306 Teilnehmern und nach Rothenburg ob der Tauber Höhepunkte. Und die sehr emotionale Feier zum zehnjährigen Bestehen der Städte-Partnerschaft in Aalter war vor allem nach den noch nicht vergessenen Kriegserfahrungen ausgesprochen bedeutungsvoll.

Welche Eigenschaften muss ein geeigneter Kandidat für den Job des Bürgermeisters mitbringen?

Er sollte über umfassende Erfahrungen in der kommunalen Verwaltung verfügen. Auch die Mitgliedschaft in einer Partei ist von Vorteil. Dort kann der Amtsinhaber direkt an den für Kommunen wichtigen Beratungen und Beschlüssen mitwirken. Der Bürgermeister ist verantwortlich für ein gutes Betriebs- und Beratungsklima im Rat. Er sollte ausgleichend wirken, auch zwischen den Fraktionen. Auch wenn ihm ein Ratsbeschluss nicht passt, muss er demokratische Entscheidungen akzeptieren und darf sie nicht bei nächster Gelegenheit erneut auf die Tagesordnung setzen. Und er sollte wissen, dass er in jedem Fall für die gesamte Amtszeit gewählt ist. Wenn er öffentlich seinen Rücktritt ankündigt, dann sollte er auch zu seinem Wort stehen.

Lesen Sie auch genau hier den ersten Teil der Serie mit Jürgen Jürgensen!

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