Stadt würdigt die „stillen Stars“ Rotenburgs für ihr ehrenamtliches Engagement

In die „Ehrenpreisfalle“ getappt

Zum Schluss der Preisverleihung gibt es noch ein Gruppenfoto mit allen Geehrten und der Jury. Die Tanzgruppe darf spontan auch mit Posieren. - Fotos: Filipiak

Rotenburg - Von Sophie Filipiak. Die „stillen Stars“ in Rotenburg arbeiten eigentlich im Verborgenen und machen kein großes Aufsehen um ihre ehrenamtliche Arbeit. Am Dienstagabend aber standen sie im Mittelpunkt. Denn zum zweiten Mal vergab die Stadt im Rathaus den Ehrenpreis für sozial engagierte Menschen. Viele der Geehrten hatten sich im Vorfeld noch etwas geniert, den Preis überhaupt entgegenzunehmen. Aber die Laudatoren hatten viel Überzeugungsarbeit geleistet, um die sieben Personen dazu zu bewegen doch an der Veranstaltung teilzunehmen.

Im Februar hatte die Stadt die Bürger dazu aufgerufen, geeignete Ehrenamtliche zu benennen. „26 Vorschläge sind bei uns eingegangen“, erklärte Bürgermeister Andreas Weber (SPD) vorab. Für die Jury, bestehend aus neun Mitgliedern, also keine leichte Aufgabe, die Helfer im Hintergrund auszuwählen. „Bei dem Preis geht es darum, verborgene Stars zu entdecken“, erläuterte Laudator Hans-Jörg Eggers, Geschäftsstellenleiter der Bremischen Volksbank Rotenburg, den Grundgedanken. Er hatte die Ehre, eine Rede über Ingrid Sünnemann zu halten, die aber leider an diesem Abend verhindert war. In ihrer Abwesenheit sprach Eggers über ihr Engagement bei den „Grünen Damen und Herren“, die im Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg bei vielfältigen Aufgaben den Pflegern unter die Arme greifen. „Für Frau Sünnemann ist ihr Engagement selbstverständlich“, berichtete Eggers, der wie alle Laudatoren vorab mit der Geehrten gesprochen hatte.

Auch Weber hatte eine Rede für einen „stillen Star“ vorbereitet, der eigentlich gar nicht so still ist – denn zu seiner ehrenamtlichen Tätigkeit gehört vor allem das Reden. Abdurahman Göc, der 1970 aus der Türkei als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen war, machte sich schnell wegen seiner Sprachkenntnisse als Dolmetscher unentbehrlich. Doch damit nicht genug: Der gebürtige Mazedonier gründete auch Fener Rotenburg, in dem er als Vorstand und Trainer maßgeblich an der Integration von Türken, Albanern, Mazedoniern, Arabern, Armeniern, Kurden und Yesiden mitgeholfen hat. Göc ist zudem Gründungsmitglied und Leiter der Hagia-Sopia-Gemeinde.

In die „Ehrenpreisfalle“ ist ebenfalls Fritz Katzur getappt. Sein Laudator Herbert Neumann vom Diakonischen Werk hatte ihn nämlich im Vorfeld gefragt, ob er am Termin für die Preisverleihung schon etwas vorhabe. Und der ehemalige Leiter der Theodor-Heuss-Schule hatte Zeit. Er hob vor 20 Jahren den Arbeitskreis Integration aus der Taufe und steht ihm auch heute noch mit Hinweisen und Ideen zu Seite. Zudem ist er noch Mitglied des Beratergremiums des Präventionrates. „Ich bin beeindruckt über die Stille, mit der er alles macht“, schloss Neumann.

Dass Ehrenamt nicht nur von älteren Menschen, die sich bereits im Ruhestand befinden, ausgeübt wird, zeigt das Beispiel von Johanna Borgas. Die Schülerin an den BBS Rotenburg engagiert sich vor allem in der Flüchtlingsarbeit, in dem sie eine Deutschklasse begleitet oder auch Kochkurse mit deutschen und ausländischen Jugendlichen organisiert. Außerdem hilft sie einmal die Woche einer krebskranken Frau im Haushalt und bei sonstigen Erledigungen. „Du bist eine würdige Vertreterin deiner Altersgruppe“, ehrte sie ihre Schulleiterin Katharina Engelhardt.

Als stets vergnüglichen Menschen beschrieb Hero Feenders, Leiter der Rotenburger Tafel, Wolfgang Klein, der wie alle „stillen Helden“ eine Statuette, Blumen und Urkunde erhielt. „Sein Name ist Programm“, fügte Feenders hinzu, „denn er arbeitet im Kleinen.“ Der Geehrte packe nicht nur beim Diakonischen Werk mit an, sondern auch bei der Tafel.

Eine Überraschung hatte Laudatorin Susanne Kuppler an diesem Abend vorbereitet: Nicht nur, dass sie für die für ihr soziales und kirchliches Engagement Geehrten Sioe Ing Unger-Liem und ihren Gatten Helmut Unger das Lied „Danke für diesen guten Morgen“ umdichtete und mit Begleitung zweier Jugendlichen vortrug, ihre junge Tanzgruppe hatte zudem eine Choreografie zu dem Song „People help the people“ von Birdy vorbereitet, die allen Zuschauern sichtlich nahe ging.

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