Ehrenamtskoordinatorin und Wirtschaftsförderin laden zu einer Lesung ein

Ehrenamt oder zweite Karriere?

Gesa Weiss (l.) und Sandra Pragmann suchen Menschen, die sich zum Integrationshelfer ausbilden lassen möchten. Foto: Menker

Rotenburg - Von Guido Menker. Der Blickwinkel ist unterschiedlich. Und doch laufen die Interessen am Ende irgendwie zusammen. Die Koordinierungsstelle für ehrenamtliche Arbeit und die Wirtschaftsförderung des Landkreises Rotenburg machen daher gemeinsame Sache: Für den 20. Februar laden sie gemeinsam zu einer Lesung mit Dieter Bednarz in das Rotenburger Kreishaus ein. In seinem Buch „Zu jung für alt – Vom Aufbruch in die Freiheit nach dem Arbeitsleben“ geht dieser der Frage nach, was zu tun ist, wenn das Berufsleben endet, man sich aber viel zu jung fühlt, um zum alten Eisen zu gehören. „Wir platzieren dieses Thema mit einem Augenzwinkern“, sagt Ehrenamtskoordinatorin Sandra Pragmann. Sie setzt sehr darauf, aus dem Pool der kommenden Ruheständler möglichst viele Menschen für das Ehrenamt gewinnen zu können. Wirtschaftsförderin Gesa Weiss indes verweist auf die große Nachfrage nach Fachkräften, dem sich auch durch das Einbinden der älteren Generation begegnen lasse.

Aus Sicht von Weiss werde inzwischen sehr viel getan, wenn es um den Übergang junger Menschen von der Schule in den Beruf geht. Der zweite große Übergang – vom Berufsleben in den Ruhestand – werde aber noch recht stiefmütterlich behandelt. „Es gibt zwar Versuche, aber bislang nur mit mäßigem Erfolg.“ Ihre Kollegin Sandra Pragmann versichert: „Dieses Thema beschäftigt uns schon länger. Mit den Baby-Boomern ist da ein großer Faktor Freizeit, der demnächst auf uns zukommt.“ Hobby, Ehrenamt oder zweite Karriere: Möglichkeiten gebe es viele für die nächste Ruhestandsgeneration, sagen die Experten. Eine Generation, die ihrem Leben einen neuen Drive geben wolle.

Mit genau diesen Aspekten befasst sich Dieter Bednarz. Mehr als 30 Jahre Redakteur beim Spiegel, kommt er schwer ins Grübeln, als seine Firma den Vorruhestand propagiert. „Aber er wäre nicht der erfolgreiche Journalist und Bestseller-Autor, wenn er mit dieser Situation nicht höchst produktiv und unterhaltsam umgehen würde“, heißt es in einer Mitteilung an die Presse zu der Lesung am 20. Februar von 17 bis 19 Uhr. Mit viel Humor und Neugier, angetrieben von den Spötteleien seiner drei jungen Töchter und seiner zehn Jahre jüngeren Frau, begebe sich Bednarz auf die Suche nach Menschen, die – wie er – überzeugt sind: Da geht noch was. Auf seiner deutschlandweiten Recherchereise traf der Autor Experten für Vorruhestand und Rente, aber auch für Vielfalt am Arbeitsmarkt. Er befragte Coaches, Psychotherapeuten und Altersforscher. Er schaute hinter die Kulissen eines U-70-Chors auf St. Pauli, schnupperte Theaterluft in einem Senioren-Kabarett, besuchte aber auch Kumpels auf der letzten Zeche des Ruhrgebietes, für die vorzeitig Schicht im Schacht ist. „Wir möchten Denkanstöße geben, und auch der Humor darf nicht zu kurz kommen“, erläutert Gesa Weiss. Es sei wichtig, dass wir glücklich sind, mit dem was wir jeden Tag tun. Ob wir nun länger arbeiten, in den Vorruhestand gehen, uns ins Ehrenamt oder ins Hobby stürzen.“ Hauptsache sei, „dass wir nicht in ein tiefes Loch fallen“.

Dabei fokussiert sich Gesa Weiss vor allem auf das fachliche Potenzial älterer Mitarbeiter in den Unternehmen. Es müssten künftig viel mehr von ihnen als bisher über den Ruhestand hinaus am Ball bleiben. „Da geht mit den geburtenstarken Jahrgängen schon bald ganz viel Fachwissen verloren“, sagt sie. Und genau das sei schon jetzt in sehr vielen Bereichen sichtbar. Vor diesem Hintergrund erwarte sie eine steigende Nachfrage zu diesem Thema. Grund genug für sie und Pragmann, in der von ihnen organisierten Lesung einen erneuten Anfang zu sehen für eine Reihe von Projekten, die noch folgen sollen. Weiss: „Wir wollen dieses Thema positionieren, denn viele Menschen fragen sich, was sie im Ruhestand tun und wie sie sich sinnvoll engagieren können.“

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