Eddy Lanz kehrt als Gastprediger zurück in die Rotenburger Kreuzkirche

Ein Norddeutscher in Pakistan

Freut sich auf seine Gottesdienste in der Kreuzkirche: Eddy Lanz predigt noch bis mindestens April zweimal pro Monat in Rotenburg.
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Freut sich auf seine Gottesdienste in der Kreuzkirche: Eddy Lanz predigt noch bis mindestens April zweimal pro Monat in Rotenburg.

Rotenburg – Seinem stadtbekannten Vater nachzueifern, der denselben Vornamen trägt wie er und vielen älteren Rotenburgern noch als Kneipenwirt und Disco-Betreiber bekannt ist, war nie eine Option für Sohn Eddy Lanz, der bereits während seiner Schulzeit einen anderen Weg einschlägt und nach seinem Abitur am Ratsgymnasium Rotenburg verlässt, um Theologie zu studieren.

Er folgt seinem Glauben und findet darin seine Lebensaufgabe. Mit seinen sieben Kindern und Ehefrau Waltraud verbringt er insgesamt 18 Jahre als Missionar in Pakistan. Nun ist der 63-Jährige zurück in Rotenburg – als Gastprediger leitet er bis mindestens April pro Monat zwei Gottesdienste in der Rotenburger Kreuzkirche.

Die nächsten Termine sind jeweils am Sonntag, 9. und 16. Januar. Eddy Lanz spricht dann auch über seine Erlebnisse als Norddeutscher in Pakistan – über eine Zeit, die ihn erfüllt, aber auch verändert habe.

„Die Gemeinde der Kreuzkirche sucht derzeit einen Nachfolger für Pastor Roland Friedrichsen, der nach Augsburg gewechselt ist. Als die Anfrage kam, habe ich mich sofort dazu bereit erklärt, in meiner alten Heimat auszuhelfen“, berichtet Eddy Lanz, der heute 333 Kilometer entfernt in Bergneustadt wohnt.

Als der Gideonbund am Rotenburger Ratsgymnasium Bibeln verteilt, verändert sich von heute auf morgen das Leben des damals etwa 13-Jährigen. Er schlägt das Buch auf und beginnt darin zu lesen. „Das Neue Testament hat mich damals sofort fasziniert. Ich habe vor dem Schlafen immer ein paar Minuten darin geblättert und hatte bald das Gefühl, mein eigenes Leben in einem Spiegel zu sehen. Besonders Jesus hat mich begeistert, er hat sein Leben der Liebe und Nächstenliebe gewidmet.“

Bei seinen Eltern kommt die neu gewonnene Leidenschaft nicht sofort gut an. „Besonders mein Vater musste ganz schön schlucken, als ich begann, fromm zu leben. Aber schließlich haben sie gesagt: Geh‘ du deinen Weg und werde glücklich.“ Und das tat Eddy Lanz, der eines von fünf Kindern und der zweitälteste Sohn ist.

Der große Bruder Uwe sei schon immer der „Coole“ gewesen, wie Eddy Lanz betont. Er dagegen nicht. Seine Klassenkameraden schmunzeln eher über seinen ausgeprägten Glauben – besonders dann, als er auf einer Party kurz vor dem Abi über Jesus sprechen will. „Da haben sie zu mir gesagt: ,Wir mögen dich sehr, Eddy, aber hör uns mit deinem Jesus auf‘“, erinnert sich der gebürtige Rotenburger und lacht.

Im Alter von 18 Jahren, an Pfingsten 1977, lässt er sich in der Baptistengemeinde taufen. „Dass ich nun, 44 Jahre später, dort aushelfen kann, ist selbstverständlich für mich“, betont Lanz. Denn die Gemeinde habe seine Arbeit in Pakistan mit Spenden und Gebeten unterstützt. Es sei eine alte Verbindung, die nun wieder auflebe: „Ich war während meiner Zeit im Ausland etwa alle zwei Jahre in Rotenburg und habe Predigten gehalten und zu Bibelstunden eingeladen“, erzählt Lanz.

Von 1979 bis 1984 studiert er in Lörrach und meldet sich danach beim Arbeitsamt, um Ende des Jahres etwas Geld zu verdienen. Sein ungewöhnlicher Job: Nikolaus. „Ich habe mir extra dafür einen Bart wachsen lassen und Kinder mit meinem Besuch beglückt“, erinnert sich Eddy Lanz, der damals 25 Jahre alt ist.

Am selben Tag tritt er eine Stelle bei der Freien Evangelischen Theologischen Akademie in Riehen bei Basel an und bleibt dort für drei Jahre, ehe er von 1987 bis 1998 an das Missionshaus Bibelschule Wiedenest wechselt.

Von dort führt ihn sein Weg bald nach Pakistan, zunächst nur für eine zweiwöchige Dienstreise, und dann auf Dauer. Von Februar 1999 bis zum Juni 2017 ist er für das Missionshaus Bibelschule Wiedenest als Missionar und theologischer Lehrer in Asien, bis 2005 in Lahore, danach in Rawalpindi. Dort unterrichtet er am Zarephath Bible Seminary. „Es wurden insgesamt 18 Jahre daraus, die abenteuerlich waren, aber auch sehr erfüllend“, erzählt Eddy Lanz, während er einen Blick zurückwirft. Die Zeit dort prägt auch seine Kinder, besonders Sohn Daniel, der inzwischen in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist und wie er damals als Missionar in Pakistan lebt.

Die norddeutsche Mentalität von Eddy Lanz habe nicht immer so gut zu den Menschen vor Ort gepasst – neben den kulturellen habe es auch im Miteinander zum Teil große Unterschiede gegeben. „Wir hier im Norden sind ja sehr direkt, die Menschen dort ganz anders. Darum bin ich das ein oder andere Mal ins Fettnäpfchen getreten. Aber sie haben mich so akzeptiert, wie ich bin“, so Eddy Lanz.

Diese Andersartigkeit, wie er es nennt, sei für ihn und seine Familie irgendwann aber ein Grund dafür gewesen, warum die Familie nach 13 Jahren gemeinsam beschließt, nur noch für weitere fünf Jahre dort zu bleiben und danach nach Deutschland zurückzukehren. „Die Kinder wollten aber zunächst ihre Zeit an der Muree Christian School beenden“, erklärt Eddy Lanz.

Es gibt einige Jahre zuvor bereits einen Moment, in dem er aus einem ersten Impuls heraus am liebsten mit seiner Familie sofort das Land verlassen hätte. Nach dem Anschlag auf das World Trade Center fühlt sich die Familie nicht mehr sicher. Taliban verüben eine Reihe von Anschlägen auf kirchliche Orte, an denen sich bevorzugt Ausländer aufhalten. Die Terroristen nehmen dabei auch die Schule ins Visier, in der damals sechs der sieben Lanz-Kinder unterrichtet werden. Bei einem 15-minütigen Schusswechsel sterben sechs Menschen – seine Kinder und alle weiteren Schüler sowie sämtliche Lehrkräfte überleben den Angriff – doch einige sind traumatisiert. Eddy Lanz vertraut auf Gott und setzt seine Arbeit in Pakistan fort.

Eddy Lanz unterrichtet Studenten in einem der Unterrichtsräume vom Zarephath Bible Seminary.

Heute sei er nicht mehr der Eddy, der damals Rotenburg und schließlich Deutschland verlassen habe. „Es gibt so etwas wie ein pakistanisches Ich“, beschreibt er es. Das spiegele sich auch in seiner Sprache wider: „Mein Deutsch ist teilweise etwas ,verdorben‘, weil ich beim Sprechen immer wieder Wörter auf Englisch und des pakistanischen Urdu dazwischenwerfe.“

Die Zeit im Ausland möchte Lanz nicht missen: „Wir sind heute viel mehr geerdet und froh über die Lebenserfahrung, die wir gesammelt haben. Das Leben dort war nicht immer einfach. Wenn die Reichen im Sommer ihre Klimaanlage eingeschaltet haben, war bis zu acht Stunden lang der Strom weg.“ An dies und mehr erinnert er in seinen Predigten. Alle Termine finden Interessierte auf der Internetseite www.kreuzkirche-rotenburg.de.

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