Erfahrungen mit einem geteilten Auto

E-mobil ans Ziel: Michael Schwekendiek testet Car-Sharing-Angebot

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Hans-Joachim Boschen (l.) und Uwe Schmidt (r.) von den Stadtwerken freuen sich mit der Ersten Stadträtin Bernadette Nadermann und Bürgermeister Andreas Weber, dass das erste Auto fürs Car-Sharing bereitsteht. Unser Autor hat den kleinen Wagen getestet und ist schon nach nur 200 Kilometern von ihm überzeugt.

Nein, ich habe eigentlich kein schlechtes Gewissen: Mein – zugegeben etwas großer – Diesel, den ich mir vor sechs Jahren gekauft habe, wurde mir damals als Auto der Zukunft angepriesen: sauber, wenig Verbrauch, langlebig. In der Tat – ich komme mit weniger als 6,5 Liter durchs Land, habe inzwischen mehr als 150.000 Kilometer auf dem Tacho und kann das Ding außerdem nicht verkaufen. Potenzielle Käufer (Händler) verdrehen regelhaft die Augen und bieten, wenn überhaupt, mal gerade die Hälfte von meinem (keineswegs überzogenen) Vorstellungspreis. Also: „Totfahren“ – was bleibt sonst?!

Rotenburg - Von Michael Schwekendiek. Das neue Angebot der Rotenburger Stadtwerke zum Car-Sharing mit einem E-Auto fand ich großartig! Auf diese Weise könnte ich mal testen, ob das überhaupt eine Alternative wäre. Jedenfalls habe ich mich sofort angemeldet und mit mir, nach Auskunft der Stadtwerke, gut 15 weitere Interessenten. Da hätte ich mit mehr gerechnet, aber die beiden Fachberater dort, Uwe Schmidt und Lukas Klencke, sind sehr zufrieden. „Mehr wären nicht gut für ein Auto.“ Zum Extra-Einführungstermin konnte ich nicht kommen, also erschien ich etwas später persönlich und brachte alle nötigen Unterlagen mit: Führerschein, Perso, Einzugsermächtigung. Wirklich auffällig: Alle Mitarbeiter bei den Stadtwerken sind ausnehmend zuvorkommend, freundlich und sehr geduldig. Dann hieß es noch, eine entsprechende neue App runterzuladen – dann könnte es eigentlich losgehen.

Schon gelesen? In Nienburg wurde die Car-Sharing-Flotte um das E-Mobil „Zoe“ ergänzt

E-Car-Sharing: Buchung per App

In der zweiten Oktoberwoche wurde alles freigeschaltet, und nachdem selbst ich die Tücken des entsprechenden Computerprogramms (nach Rückfragen) einigermaßen kapiert hatte, konnte ich mich einloggen und das Auto buchen. Siehe da, es sollte am Rathaus stehen, am gewünschten Tage wäre es nun für mich reserviert. Gute Fahrt! Ok – so weit so gut, aber wie komme ich überhaupt in das Fahrzeug rein und wie dann weiter? Ein weiterer Termin bei den Stadtwerken half: „Steht alles in der App!“ Da stand allerdings nichts außer: „Es liegen keine aktuellen Buchungen vor“. Aber ich hatte doch gerade… Info: Die erforderlichen Daten kämen erst 24 Stunden vorher. Wie weit ich denn überhaupt mit dem Auto käme? Antwort: „Wenn Sie nicht gleich auf die A1 preschen und dann mit Vollgas ab, schaffen Sie bestimmt etwa 200 Kilometer.“ A1 hatte ich nicht vor. Da kann man sowieso nicht „preschen“. Aber nur 200 Kilometer? Unser Sohnemann mit Familie lebt kurz hinter Celle – hin und zurück eben etwa 200 Kilometer. Und das im Herbst, mit Licht, Heizung und anderen Stromfressern. War das nicht ein bisschen wenig mit der Ladekapazität?

Michael Schwekendiek hat das E-Car-Sharing-Angebot der Stadtwerke Rotenburg getestet und ist sehr zufrieden. Seinen Diesel lässt er jetzt häufiger stehen.

Grundsätzlich, hieß es, müsse ich mit einem E-Car vorausschauend fahren – also auch: Vorher gucken, wo ich vielleicht zwischendurch Strom fassen könnte. Dafür – man ahnt es – gibt es noch eine App. Und wenn alle Stricke reißen würden – nachts allein im Wald zwischen Hemslingen und Brockel ohne Strom: Es gäbe da eine kostenlose Hotline, um Hilfe zu holen.

Alle Hinweise in der entsprechenden App

Tage später: Fünf Minuten vor der gebuchten Zeit stehe ich am Auto, öffne die entsprechende App – nix. Kein Hinweis, wie das Auto zu öffnen ist. Rückruf bei den Stadtwerken. Da bin ich inzwischen bestens bekannt. „Das geht erst genau pünktlich los!“, lautet die Auskunft. Und tatsächlich: Fast auf die Minute genau erscheinen die ersten Hinweise auf der App, wie es nun weitergeht. Wie von Geisterhand öffnet sich das Auto, eine kurze, sehr gute Beschreibung im Fahrzeug hilft schnell weiter, und schon rolle ich auf Samtpfoten vom Parkplatz. „Reststrecke 237 Kilometer“. Mal sehen, ob das reicht. 

Lesen Sie auch: Die Stadt Achim setzt ebenfalls auf Car-Sharing und E-Mobilität.

Das Fahrzeug selbst ist nagelneu, bietet erstaunlich viel Platz und besticht durch die geradezu lautlose Fahrt. Da guckt innerorts auch mancher Fußgänger verblüfft, dass sich da ein Auto lautlos nähert. „Defensives Fahren“ sei angesagt, hatten mir die Profis der Stadtwerke empfohlen. Das stellt sich ganz von selbst ein, wenn man so ruhig dahingleitet. Ich habe mich deswegen auch für die Landstraße entschieden. Autobahn und sehr zügiges Beschleunigen drücken die angezeigte „Kilometer-Restlaufzeit“ sichtbar schnell nach unten. Überholen ist aber problemlos möglich. Kurz gesagt: hin und zurück geht es ohne Probleme.

Car-Sharing mit dem E-Auto für 25 Euro pro Tag

Nach 200 Kilometern hätte ich laut Anzeige sogar noch 69 Kilometer weiter fahren können. Auto wieder am Rathaus geparkt, Stromkabel angeschlossen, dann per App ausgecheckt, fertig! 25 Euro kostet das pro Tag – „inklusive Kraftstoff“. Ich habe also umgerechnet etwa 12,5 Cent für den Kilometer bezahlt. Ein Schnäppchen! Und ohne Frage ein ideales Fahrzeug für kurze und mittlere Strecken. „Angedacht ist, das System erst mal innerstädtisch zu testen“, heißt es in einer Broschüre der Stadtwerke. Einspruch! Viel zu schade! Innerstädtisch reicht bei uns ja auch meistens das Fahrrad. Aber ansonsten fand ich eine alte Volksweisheit auch beim Auto-Teilen (Car-Sharing) bestätigt: Geteilte Freude ist doppelte Freude! Unser Diesel wird jetzt häufiger stehen bleiben.

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