Liedermacher Pivo Deinert bringt „seine Helden“ wie Zander & Co. in den Wachtelhof

Duett mit Loop und Leinwand

Der Wahl-Berliner Pivo Deinert komponiert und arrangiert nicht nur gut, sondern hat auch viel zu erzählen.
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Der Wahl-Berliner Pivo Deinert komponiert und arrangiert nicht nur gut, sondern hat auch viel zu erzählen.

Rotenburg – Ein Konzert mit 13 Musikern unter Covid-konformen Bedingungen – „wer kann von sich sagen, so etwas auf die Bühne zu stellen?“ Wachtelhof-Chef Heiko Kehrstephan machte in seiner Anmoderation des Liedermachers Pivo Deinert aber keinen Hehl daraus, dass das Konzept, die Duopartner von dessen Scheibe „Meine Helden“ per Video in den Wachtelhof zu bringen, erheblich älter ist – war der Auftritt des Komponisten und Produzenten bereits für Anfang März geplant.

Wer ein Konzert im klassischen Sinne erwartet hatte, musste umdenken: Deinerts Show lässt sich nur als Gesamtkunstwerk erleben, in der mehrere Genres zusammenkommen: zu den Videos, in denen er live mit musikalischen Helden wie Frank Zander oder Lou Bega auf der Leinwand duettiert, gesellen sich Loops und allerlei gespeicherte Klänge aus dem Keyboard. Ein Live-Konzert mit Musik aus der Konserve, kann das funktionieren? Jein. Einerseits ja, weil Deinert „seine“ Künstler respektvoll in Szene setzt; nicht nur akustisch, sondern auch optisch. Seine Videos von Athleten bei der Vorbereitung auf die WM in Rio zur Hymne „Unsere Zeit“ sind genauso gelungen wie die visuelle Begleitung seiner Radtour von München bis ans Mittelmeer. Der dabei entstandene Song sei entsprechend langsam, kein Wunder bei einem Tempo von vier Stundenkilometern am höchsten Pass mit 48 Schleifen. Deinert, unaufgeregt-sympathischer Duztyp und angenehmer Plauderer, lässt die rund 50 Besucher Anteil an der Entstehungsgeschichte vieler Songs haben. Die drehen sich gern um Liebe und sind, mal melancholisch, mal balladesk, durchweg positiv. Das einzig Negative sei der absolvierte Coronatest, witzelt der Künstler. Die in Lieder gegossenen Lebensweisheiten und Parolen wie „Es braucht seine Zeit“ oder „Feier den Moment“ mögen profan klingen. Dass sie zu Plattitüden verkommen, verhindert Deinerts Authenzität. Und er hat gut daran getan, befreundete Sänger für sein Album, dessen Entstehung 20 Jahre wirkte, ins eigene Studio zu bitten. Durch die stimm- und mimisch ausdrucksstarken Beiträge von Fabrizio Levita, Jenna Hoff oder Diane Weidmann gewinnen die Songs zusätzlich an Tiefe, wo die Stimme des Berliners nicht immer so überzeugt wie seine stilsicheren Kompositionen und deren Instrumentierung.

Und auch mit der Technik ist es so eine Sache: dass nach der langen Pause nicht mehr alle Handgriffe sitzen, ist verzeihbar – ob jedoch ein Übermaß an Loops oder das Drumsolo aus der Konserve noch konsensfähig ist beim Publikum, bleibt fraglich. So reichen die Kommentare der Besucher nach zwei Stunden auch von „Wow“ bis „Naja“. Ein erlebenswerter Ausflug in Deinerts Welt kluger Songs mit Hitpotenzial war es allemal.  hey

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