Kind in die Wümme geworfen

Nach Tod von Vierjährigem: Vater soll Druck auf die Zeugin ausgeübt haben

Die Angeklagte (l.) spricht zum Prozessbeginn mit Anwältin Daniela Post.
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Die Angeklagte (l.) spricht zum Prozessbeginn mit Anwältin Daniela Post.

Der Vater des Vierjährigen, den seine Mutter in die Wümme geworfen haben soll, sodass er ertrank, soll Druck auf eine Zeugin ausgeübt haben. Das hat gestern im Prozess vor dem Landgericht eine Polizistin ausgesagt. Es geht um das noch unklare Motiv der Tat.

Rotenburg/Verden – Kurz bevor die 41 Jahre alte Angeklagte, die am 5. November ihren Sohn in der Wümme ertränkt haben soll, aus der Rotenburger Kinderklinik verschwand, hatte sie noch eine gute Freundin angerufen. „Sie hat nur gesagt: Pass auf meine Tochter auf. Dann hat sie wieder aufgelegt“, sagte die 42 Jahre alte Freundin am Donnerstag in dem Totschlagsprozess am Landgericht Verden. Ihr Rückrufe blieben erfolglos. Ein Wiedersehen gab es später am Abend. Da war der Vierjährige bereits tot.

Nach der Tat soll die Angeklagte erst versucht haben, sich selbst in der Wümme zu ertränken. Die Freundin berichtete jedoch von einer „Wasserphobie“. Dann soll die 41-Jährige versucht haben, sich vor einen Zug zu werfen, weshalb eine Streifenwagenbesatzung nach der Frau suchte. Sie traf auf der Straße auf die Angeklagte, brachten sie zu einer Verwandten, die wiederum von dem Klinikaufenthalt mit Sohn berichtet hatte. Da wurde den Polizistinnen klar, um wen es sich handelt. Sie informierten den Kindesvater und der wiederum die Freundin, die dann als Dolmetscherin fungierte.

Die Verwandte, zwei Polizistinnen und die Freundin erlebten die Frau in einem Ausnahmezustand. „Ich hatte das Gefühl, dass sie in sich so verzweifelt war, wie ich es bislang nur von Opfern von Sexualdelikten kannte“, sagte am Donnerstag eine Polizistin. Auf die als Tante bezeichnete Verwandte wirkte sie wie ein Roboter. „Wie traumatisiert“ auf die Freundin. „Keine Mimik, keine Gestik“ habe die Angeklagte gezeigt. „Ich glaube, richtig realisiert hat sie es erst im Krankenhaus. Bei der Nachricht, dass Muhammed gefunden worden ist. Sie fing an zu weinen und sagte: ,Was habe ich bloß getan?"“, berichtete die Freundin.

Ihr Sohn ist ihr ein und alles gewesen.

Eine Freundin vor Gericht über die Mutter, die den Vierjährigen ertränkt haben soll.

Im Umgang mit dem Sohn habe sie die Angeklagte immer nur „liebevoll und geduldig“ erlebt, „nie laut oder aggressiv“. „Ihr Sohn ist ihr ein und alles gewesen.“ Die Verbrühungen, die Grund für den Krankenhausaufenthalt waren, will die Angeklagte dem Vierjährigen versehentlich zugefügt haben. Der Freundin soll die Angeklagte geschildert haben, dass sie den Jungen abduschen wollte. Dabei habe der Vierjährige sich „an der Armatur festgehalten“, so die Erklärung.

Die Polizistin hatte während des Wartens auf dem Gerichtsflur miterlebt, wie der Ehemann der Angeklagten die Freundin bedrängt habe. Darauf angesprochen sagte die unter Wahrheitspflicht stehende Freundin, dass sie weglassen sollte, wozu sie jedoch explizit befragt wurde. Das in der Anklage genannte Tatmotiv: die Angst, dass das Jugendamt den Eltern nach den Verbrühungen das Kind wegnehmen würde und dass die Angeklagte fürchtete, ihr Sohn würde dann im christlichen Glauben erzogen. Letzteres habe sie auf Wunsch des Ehemannes weglassen sollen. „Das hat sie mir an der Brücke gesagt und in der Klinik der Psychologin“, sagte die Zeugin. Ob die Aussagen verwertbar sind, muss noch geklärt werden. Weder die Angeklagte noch die Freundin waren an dem Abend belehrt worden. Was nach Aussage der Polizeibeamtin eine bewusste Entscheidung war: „Für uns stand ganz klar im Fokus, das Kind zu finden.“

Der Freundin gab der Vorsitzende nach ihrer Aussage mit auf den Weg, dass sie sich keine Vorwürfe machen müsse. „Die müssen sich nur diejenigen machen, die versuchen auf rechtschaffene Bürger, die aussagen wollen, einzuwirken.“

Der Prozess wird am 7. Juni fortgesetzt.

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