Drogendealer gibt den entscheidenden Tipp / Rund 4500 Patronen fehlen noch

Polizei stellt in Delmenhorst Munition aus Seedorf sicher

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Mehr als 30000 Schuss Munition, die im Februar vergangenen Jahres aus der Seedorfer Kaserne gestohlen worden waren, sind wieder aufgetaucht.

Seedorf / Delmenhorst - Von Guido Menker. Der bislang größte Munitionsdiebstahl in der Geschichte der Bundeswehr bleibt ein Rätsel. Und das, obwohl es der Polizei gelungen ist, einen großen Teil der Beute – 30431 Patronen – sicherzustellen. Von den Tätern, die die Munition im Februar vergangenen Jahres aus der Kaserne in Seedorf gestohlen hatten, fehlt ebenso jede Spur wie von den restlichen 4500 Schuss, heißt es.

Im Zuge eines Rauschgiftprozesses vor dem Bremer Landgericht gegen einen 32-jährigen Mann aus Bremen waren 36 Patronen aufgetaucht, die ganz schnell dem Diebstahl in Seedorf zugeordnet werden konnten. „Wir wussten, dass der Angeklagte was wusste“, so Frank Passade, Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft. Und so sei es in der Hauptverhandlung zu einem Deal gekommen. Sollte der 32-Jährige etwas machen können, was die Ermittler zu der Beute aus Seedorf führt, würde er einen Strafnachlass bekommen. Über einen Vermittler sei eine Lagerhalle in Delmenhorst bereitgestellt worden, in der die Munition deponiert und später dann von der Polizei gefunden wurde. Zu einem Zugriff in Delmenhorst sei es nicht gekommen – „das war nicht möglich“, so Passade. Weder der 32-jährige Angeklagte noch der Vermittler stünden in Verdacht, etwas mit dem Munitionsdiebstahl zu tun zu haben.

Die für den Diebstahl zuständige Staatsanwaltschaft in Stade hatte die Akte bereits geschlossen, wie deren Sprecher Kai Thomas Breas auf Anfrage mitteilt. Der Tatverdacht gegen vier zunächst ins Visier der Ermittler geratenen Personen hatte sich nicht erhärtet. Über neue Ermittlungsansätze nach dem Fund der Munition könne und wolle er nichts sagen. Nur so viel: „Wir haben eine neue Lage, aber was sich daraus ergibt, müssen die weiteren Ermittlungen erst noch zeigen.“ Ob sich nun über den Vermittler oder auch den 32-jährigen Mann, der sich auf den Deal eingelassen hatte, weitere Ermittlungsansätze abzeichnen, werde geprüft. Zur Sicherstellung des gefährlichen Diebesguts war es bereits am Montag vergangener Woche gekommen. Die Staatsanwaltschaft in Stade sei über die Umstände informiert gewesen, so Breas.

Der Munitionsdiebstahl in der Kaserne in Seedorf hatte hohe Wellen geschlagen und am Ende sogar die Bundespolitik beschäftigt. Mangelnder Einbruchschutz soll den Diebstahl ermöglicht haben. Die Munition lagerte in verschlossenen Behältern im Freien. Die Behälter wurden aufgebrochen und das Diebesgut schließlich vom Kasernengelände geschafft. Das Gewicht schätzte der damalige Standortälteste Oberstleutnant Olav Hinkelmann seinerzeit auf 400 bis 600 Kilogramm. Die Ermittler waren außerdem auf ein Loch im Zaun gestoßen, dennoch war es nicht möglich zu klären, über welchen Weg die Täter die Munition weggeschafft hatten.

Oberst Joachim Hoppe, Regimentskommandeur des in der Seedorfer Kaserne stationierten Fallschirmjägerregiments 31, zeigt sich angesichts der Nachricht erleichtert und hoffe, dass nun auch die Täter ermittelt werden können. Er gehe davon aus, dass es sich nicht um Kleinkriminelle handelt, sondern eher große kriminelle Energie dahinter gesteckt habe. Gut sei es, dass offenbar niemand durch die gestohlene Munition zu Schaden gekommen sei.

Der Tippgeber ist übrigens vor dem Landgericht Bremen wegen des unerlaubten Handelns mit Drogen in nicht geringer Menge zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt worden – im Normalfall wären fünf Jahre fällig gewesen, sagte Frank Passade.

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