DRK-Kleiderkammer verzeichnet Zulauf/Viele Flüchtlinge nutzen das Angebot

Spenden sind jederzeit erwünscht

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Die Regale sind gut gefüllt, doch das Team der DRK-Kleiderkammer nimmt weitere Spenden gerne entgegen.

Rotenburg - Von Elisabeth Stockinger. Es ist Donnerstagvormittag, 10.30 Uhr. Der größte Ansturm ist mittlerweile vorbei. Nur noch vereinzelt kommen Kunden in das Gebäude des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Kreisverband Rotenburg, an der Brauerstraße. „Heute Morgen waren sehr viele da“, erzählt Annette von Ehrenkrook. Sie gehört zum Team der DRK-Kleiderkammer. Die Einrichtung versorgt seit rund 40 Jahren Menschen, die finanziell nicht so gut dastehen, kostenlos mit Kleidung.

Im schummrig beleuchteten Keller der Kleiderkammer sind die Regale gut gefüllt. Bis an die niedrige Decke stapeln sich dicht an dicht Haufen mit Shirts, Pullovern, Hosen, Handtüchern und Schuhen auf den Regalen – alles noch gut erhaltene Second-Hand-Ware versteht sich. Sieben Ehrenamtliche sind es, die jeden Donnerstag von 9 bis 11 Uhr in der Kleiderkammer Kunden bei der Auswahl zur Seite stehen. Einige sind erst seit Kurzem dabei, wieder andere, wie Linda Storch, bereits seit 20 Jahren. Es sei die Freude an der ehrenamtlichen Tätigkeit, erklärt Storch, warum sie sich seit so langer Zeit engagiert. „Über die Jahre sind uns einige Menschen auch sehr lieb geworden.“

Auf bis zu 780 Arbeitsstunden im Jahr kommen die ehrenamtlichen Helfer insgesamt. Denn neben den Öffnungszeiten sind sie außerdem für das Sichten und Sortieren der eingehenden Spenden verantwortlich. Denn – leider komme auch das immer mal wieder vor – so manche Gabe entpuppe sich als untauglich, die Kleidung sei schlichtweg nicht mehr zu gebrauchen.

Die DRK-Kleiderkammer wird von Menschen aufgesucht, die sich den Kauf von Kleidung aufgrund finanzieller Engpässe nicht leisten können. „Bei uns ist jeder willkommen“, betont Annette von Ehrenkrook. Ob Rotenburger oder von außerhalb, Deutscher oder Mensch mit Migrationshintergrund: Jeder Kunde darf einmal im Monat kommen und sich, je nach Bedarf, kostenlos Kleidung aussuchen. Eine besondere Bescheinigung, etwa vom Sozial- oder Arbeitsamt, braucht es nicht.

In den vergangenen Monaten hätten sie einen besonderen Zulauf an Flüchtlingen zu verzeichnen, die von der Einrichtung durch das Sozialamt erfahren hätten. „Viele von ihnen können kein Deutsch“, berichtet von Ehrenkrook. „Dann verständigen wir uns eben mit Händen und Füßen.“

Viele schöne Momente hätten die ehrenamtlichen Helfer im Laufe der Jahre erlebt: „Einige Kunden versorgen uns mit Kaffee und Keksen.“ So wie auch heute wieder: Eine ältere Dame aus Hassendorf brachte selbst gebackenen Zwetschenkuchen mit. „Wir werden auch auf der Straße gegrüßt, das ist eine schöne Seite der Arbeit“, sind sich die Helfer einig.

Die Hemmschwelle, das Angebot der Kleiderkammer zu nutzen, sei allerdings noch zu hoch, bedauert von Ehrenkrook. Gerade bei Einheimischen, Bürgern aus Rotenburg etwa – denn diese fürchteten sich möglicherweise davor, erkannt zu werden. Sie schämten sich zuzugeben, finanzielle Probleme zu haben. „Das ist sehr schade, dass gerade die nicht kommen, die Hilfe nötig hätten“, sagt Linda Storch.

Heinz-Günter Bargfrede, Vorsitzender des DRK-Ortsverbandes Rotenburg, schätzt die Arbeit der Kleiderkammer sehr: „Das ist ein soziales Standbein in der Stadt. Dadurch wird Rotenburg ein Stück weit menschlicher.“ Und vor allem: „Hier herrscht eine kameradschaftliche Atmosphäre, es passt einfach alles zusammen.“

Auch wenn die Regale der Kleiderkammer derzeit gut gefüllt sind: Spenden sind jederzeit erwünscht, betonen die Helfer. Vor allem an Handtüchern und Bettwäsche mangele es. Die gut erhaltenen Textilien können in der DRK-Geschäftsstelle, Brauerstraße 8, zu den Öffnungszeiten von Montag bis Freitag, 8 bis 12 Uhr, abgegeben werden. Eine Bitte hat von Ehrenkrook zum Schluss an zukünftige Spender: „Kartons oder Tüten bitte nicht einfach vor die Tür legen, sondern diese im Haus zu den Öffnungszeiten abstellen.“

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