20-Jähriger aus Scheeßel verurteilt

Dreieinhalb Jahre Haft für Schüsse an Rotenburger Waschanlage

Der „cleanpark“ in Rotenburg
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Die Tat am „cleanpark“ hatte für großes Aufsehen und Spekulationen zu Hintergründen geführt.

Dreieinhalb Jahre ins Gefängnis muss ein 20-Jähriger aus Scheeßel, der im Januar auf dem Gelände einer Rotenburger Waschanlage mehrfach auf einen anderen jungen Mann geschossen hat und diesen schwer verletzte.

  • Junger Mann schuldig in mehreren Punkten.
  • Gezielt in einen Hinterhalt gelockt.
  • Vier Einschüsse und ein Streifschuss.

Rotenburg/Verden – Der einzig verbliebene Angeklagte in dem Rotenburger Waschanlagen-Prozess am Landgericht Verden ist gestern nicht rechtskräftig zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Die 3. Große Strafkammer hat den in Untersuchungshaft sitzenden 20-Jährigen aus Scheeßel der gefährlichen Körperverletzung, des Verstoßes gegen das Waffengesetzes durch Führen einer unerlaubten Schusswaffe und des unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge schuldig gesprochen.

Bereits im Juni 2020 waren bei einer Hausdurchsuchung des damals noch bei seinen Eltern wohnenden Angeklagten 183 Gramm Marihuana und 2 940 Euro „Deal-Geld“ sichergestellt worden. Mit dem gestrigen Urteil wurde die Einziehung dieses Betrages angeordnet. „Alleine diese Tat ist ein Verbrechen“, stellte der Vorsitzende Richter Lars Engelke fest.

Ebenso die Tat auf dem Gelände der Waschanlage am Abend des 18. Januar 2021. Als „Lappalie“ bezeichnete er dagegen das, was sich wenige Tage zuvor abgespielt hatte. „Unvorstellbar, was sich daraus entwickelt hat“, merkte Engelke an. Ein eifersüchtiger Mann sei von zwei der ursprünglich mitangeklagten 20-Jährigen – deren Verfahren wurden am Montag eingestellt – zurechtgewiesen worden, nachdem er gegenüber seiner Freundin und einer weiteren jungen Frau verbal aggressiv geworden war. Grund sei gewesen, dass die Frauen mit den 20-Jährigen unterwegs waren.

Richter: „Notwehrlage ist widerlegt“

Von diversen Zeugen geleugnet, aber zur Überzeugung der Kammer sicher feststehend, sollten daraufhin die Angeklagten an jenem Montagabend „gezielt in eine Falle beziehungsweise Hinterhalt gelockt werden“. Dank des Videos einer Überwachungskamera konnte er konkret benennen, wer sich mit wem vor Ort auseinandergesetzt hat und welche Waffen im Einsatz waren.

„Die Schussabgabe erfolgte unbeobachtet von den Kameras“, so Engelke. Dennoch gelangte die Kammer zu der sicheren Überzeugung, dass der zuvor mit einer Axt bewaffnete Geschädigte diese schon vor der Schussabgabe zur Seite gelegt hatte. „Eine Notwehrlage ist widerlegt“, stellte der Vorsitzende fest. Begründete wurde dies mit den in diesem Punkt glaubhaften Zeugenaussagen, weil sie zum späteren Fundort der Axt passen würden. Und auch zwei zufällig vorbeifahrende Zeuginnen hatten unmittelbar vor Abfeuern der Schüsse an der Otto-von-Guericke-Straße keine Axt bei dem dann Angeschossenen gesehen.

Schüsse aufs liegendes Opfer

Vier Einschüsse und einen Streifschuss in die Beine des Geschädigten sowie eine potenzielle Lebensgefahr stellte das Gericht fest. „Ein Schuss ist sehr wahrscheinlich erfolgt, als das Opfer lag“. Überzeugt sei die Kammer auch, dass der Angeklagte nicht töten wollte, „sonst hätte er anders gezielt“, merkte Engelke an. Aber „in Kenntnis einer Auseinandersetzung“ habe er sich einer „echten geladenen Schusswaffe bedient und diese gegen einen Menschen eingesetzt.“ Dies begründe schon die Schwere der Schuld.

Auf der anderen Seite sei das Vortatgeschehen zu berücksichtigen, der Hinterhalt, die Provokationen durch die andere Gruppe. Dass nach der Tat versucht worden sei, den Wohnsitz des Angeklagten ausfindig zu machen. „Nicht um sich auszusprechen, sondern um Vergeltung zu üben.“ Sogar eine „Diffamierung durch die Presse“ stellte der Vorsitzende fest. Er bezog dies aber einzig auf einen Artikel von Zeit Online, basierend auf einem Interview mit dem angeschossenen Mann. Laut einem Bericht der Jugendgerichtshilfe hatte der Artikel weitreichende Folgen auch für die Angehörigen der ursprünglich vier Angeklagten. „Aber sicher ist auch“, so Engelke, „die Angeklagten haben das als Falle erkannt. Sie hätten nicht hinfahren müssen.“

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