Serie: Der Drang zu schaffen

Digitales Leben: Wie Medienunternehmer Julien D. Backhaus dem Erfolg nachspürt

Julien Backhaus ist ein „Menschenfänger“, wie schon einige Kritiker geschrieben haben. Einmal in Fahrt, ist der 32-Jährige in seinen lebenserklärenden Ausführungen kaum zu stoppen. - Fotos: Krüger

Rotenburg - Von Michael Krüger. Als die Digitalisierung und das Internet begannen, die Welt zu beschleunigen, setzte sich Julien Backhaus ans Steuer und gab noch einmal Gas. Binnen weniger Jahre ging es für ihn vom elterlichen Bauernhof in Hoya (Kreis Nienburg) in die vorderste Reihe der deutschen Business-Influenzer, vom Jungen mit den vielen Geschäftsideen zum Selfmade-Medienunternehmer mit rund 20 Angestellten.

Seit fünf Jahren lebt der heute 32-Jährige mit seiner Frau in Waffensen, hier sitzt die „Backhaus Mediengruppe Holding GmbH“, das Büro dazu hat er am Rotenburger Flugplatz gemietet.

Es könnte aber auch überall anders sein, die Mitarbeiter des Verlags sind meist eh daheim im Homeoffice tätig, und wenn Backhaus an einem grauen Vormittag zwischen den Feiertagen nicht gerade einen Pressevertreter empfangen müsste, würde er auch auf Kundenbesuch sein oder um die Welt jetten. „Wir machen dies“ oder „Wir planen das“, so fangen viele Sätze an, mit denen Backhaus von seinem Weg erzählt, wie er mal mit einem Onlineversandhandel aus dem Kinderzimmer heraus gestartet war, Autoverkäufer lernte, eine Werbeagentur gründete, „gutes Geld“ verdiente, wie er sagt, weil er erste Kunden über soziale Netzwerke weltweit akquirierte, und dann mit 24 Deutschlands jüngster Verleger wurde, der die Anlegerzeitschrift „Sachwert Magazin“ publizierte. Dabei gibt es kein „Wir“, sondern nur ihn: „Wir klingt aber größer“, sagt Backhaus.

Und groß soll es sein, immer. „Das hat mit meinem Ego zu tun“, sagt er. Weil er „nur mittelmäßiger Realschüler“ gewesen sei, habe er immer viel nachgefragt, sich angelesen, auf Tipps von denen gehört, die es geschafft haben. Das, was er gehört hat, vor allem aus denen, die in den Medien schon längst bekannte Gesichter waren, hat er dann selbst zur Geschichte gemacht, seit zwei Jahren veröffentlicht er das Magazin „Erfolg“. Rund 100 000 Leser erreicht seine Firma damit, sagt er, vor allem online als E-Paper, zu 70 Prozent spiele sich alles digital ab. „Reich sein ist eine Konsequenz des Erfolgs“, sagt er, und auch wenn der Privatjet, in dem er gerne für Fotos posiert, nicht sein eigener sei: Dieser Lebensstil komme seinen Ansprüchen schon nahe. „Ich bin dem Luxus verfallen.“ Luxus bedeute für ihn neben mehr Platz im Hotelzimmer aber auch Ruhe und Unabhängigkeit.

Zwei neue Zeitschriften will Backhaus im kommenden Jahr gründen, sein Onlinesender Wirtschaft TV werde Nischenbeiträge für Amazon Prime produzieren. Ideen lägen ja genug auf der Straße, man müsse es nur konsequent durchziehen, sein Ding machen. „Ich habe schon immer den Drang gehabt, etwas zu erschaffen“, sagt er. Seit sechs Jahren ist er als „Lobbyist“ gelistet, weil er zum Vorsitzenden des Deutschen Sachwert- und Finanzverbandes gewählt wurde, lieber vermarktet er aber seine Person. Als Verleger teilt er mit, wie andere Erfolg haben, noch öfter spricht er selbst. 216 Folgen gibt es aktuell von „Backhaus Daily“ auf Instagram, mehr als 12 000 Nutzer folgen ihm dort. In den Videos steht er dann vor Obi oder der Spedition Oetjen im Wind und erklärt die Welt und das Leben. „Wer will schon Durchschnitt sein?“, fragt er. Er natürlich nicht, es soll nach vorne und oben gehen. Im Büro hängen Bilder von ihm mit Promis, die Wände sind tapeziert mit Ausgaben seiner Zeitschriften, in den drei Ikea-Regalen hinter dem aufgeräumten Schreibtisch stehen dutzende Ausgaben seines im Oktober erschienenen Buches „Erfolg“, dazu Kekse, BBQ-Soßen, Tassen und ein Pokal „Bester Mann der Welt“. Tief stapeln ist nichts für den Geschäftsmann in blauem Sakko und beiger Hose, die Föhnwelle akkurat, „Popper“ hätte man früher gesagt, als es noch kein Internet gab – die Zeit vor Backhaus, der sein ganzes Geschäftsmodell im Netz aufgebaut hat.

Vor Kurzem hat ihn Satiriker Jan Böhmermann in seiner Sendung zum neuen Anführer „für uns Business-Punks, Millionäre, Lobbyisten und Blackrocker“ gemacht, ihm „überhaupt nichts Windbeutelhaftes“ attestiert. Backhaus hat die Sendung nicht gesehen, er schaue nie TV, erst am Morgen danach habe er die Nachrichten auf dem Handy gelesen und seinen Assistenten die Mediathek des ZDF nach dem Beitrag durchforsten lassen. Hat ihn der Beitrag geärgert? „Natürlich nicht“, sagt er. „Jede Öffentlichkeit ist hilfreich.“ Böhmermann habe viel Werbung für ihn gemacht. Nur ein Foto der beiden gibt es noch nicht.

Drei Tipps zum Erfolg 

Jemand, der sich ständig mit Erfolg beschäftigt, muss natürlich auch sagen, wie man diesen erreicht. Hier drei Tipps von Julien Backhaus:

 • „Sei auf dem richtigen Spielfeld!“ – Du musst wissen, wo dein Herz auf geht und die entsprechende Berufswahl treffen. 

• „Triff Entscheidungen!“ – Es geht darum, sein „Ding durchzuziehen“ trotz aller Widrigkeiten. 

• „Nimm die Herausforderung an!“ – Gegenwind oder Krisen müssen bewältigt, nicht ignoriert werden.

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