Dosen voller Technik

Schüler lassen Mini-Satelliten in den Himmel fliegen

Bis kurz vor dem Start tüfteln die Oytener Nachwuchs-Ingenieure Alexander Graudenz (v.l.) Kjell Johannsen, Henri Wilczek und Jasper Klages an der Empfangsstation für ihren Mini-Satelliten.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Als es in 50 Metern Entfernung mächtig zischt und die Rakete in trüben Septemberwolken verschwindet, jubelt Alexander Graudenz: Mission erfüllt!

Der Mini-Satellit vom „IT-eam IGS Oyten“ ist auf dem Weg nach oben, die wochenlange Vorbereitung hat sich ausgezahlt – keine Bruchlandung wie noch Minuten zuvor beim ersten Test der Rakete. Graudenz und seine Mitschüler aus Oyten sind am Mittwoch eins von zehn Teams aus fünf Bundesländern, die beim vierten deutschen „CanSat“-Wettbewerb selbstgebaute Satellitentechnik auf dem Flugplatz in Rotenburg um die Wette fliegen lassen.

Mit 40 Kilogramm Schub geht es für jeweils zwei „CanSats“ in knapp 700 Meter Höhe.

Ferien, Wochenende und Abendstunden: Eigentlich nicht unbedingt die Zeit, in der sich 14-Jährige mit Schulkram beschäftigen. Bei einigen Neunt- und Zehntklässlern der Integrierten Gesamtschule (IGS) Oyten war das in den vergangenen Monaten anders. Sie mussten Überstunden leisten, um ihren Satelliten zu entwickeln. „Unser Lehrer hat uns angestiftet“, sagt Alexander Graudenz – verschweigt aber, dass es eigentlich gar nicht viel Überredungskunst brauchte, damit die Technik-affinen Schüler sich dem Ziel widmeten, beim Wettbewerb mit dabei sein zu können. Aus Dutzenden Konzepten wurden letztlich zehn Projekte ausgewählt, die gestern in Rotenburg den Praxis-Test begehen durften. Die europäische Weltraumagentur Esa richtet diesen Wettbewerb seit 2010 aus.

Raketen beförderten die kleinen Geräte auf eine Höhe von knapp 700 Metern. An Fallschirmen schwebten die Mini-Satelliten dann zurück zum Boden. Die Teams aus Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt mussten mit ihren „CanSats“ (englisch für „Dosen-Satellit“) zwei Missionen durchführen: Als Primärmission sollten die Schüler mit ihren Satelliten während der Flugphase Temperatur und Luftdruck messen und an eine Bodenstation senden. Bei der Sekundärmission mussten die Schülerteams ihre Kreativität sowie physikalisches und technisches Verständnis unter Beweis stellen, um möglichst komplexe Missionsideen in dem begrenzten Raum einer Getränkedose zu realisieren. So sollte der Satellit von Schülern aus dem nordrhein-westfälischen Münster autonom entscheiden, wann er seine Sensoren ein- und ausschaltet. Ein Bremer Team vom Beruflichen Gymnasium Technik wollte mit seinem Satelliten einen anderen anfunken und über diesen seine Daten an die Bodenstation schicken.

Nicht viel größer als eine Getränkedose sind die von den Schülern entwickelten Mini-Satelliten. - Fotos: Krüger

Das Oytener „IT-eam“ setzte auf einen praxisnahe Anwendung, die Verbindung zur Schule hat. Die IGS ist seit 2015 eine Europa-Umweltschule, in den Mini-Satelliten bauten die Schüler Sensoren ein, die Wetterdaten und Umweltgifte erfassen sollten: CO2-Gehalt, Aerosolkonzentration, Lichtintensität, Feuchtigkeit und anderes. Ob der Flug mit der zwei Meter langen Rakete, die von Maschinenbau-Studenten der Hochschule Bremen gebaut worden war, erfolgreich war, wird sich am Donnerstag zeigen. Dann werden die Daten aus dem Chip im Dosen-Satelliten ausgelesen, am Freitag steht nach einer Präsentation vor einer Jury die Siegerehrung an. Die Gewinner treten im kommenden Jahr beim europäischen Wettbewerb der Nachwuchs-Satellitenbauer an – der hat zuletzt im Juli auch in Rotenburg stattgefunden.

Mini-Satelliten starten in Rotenburg

Die Oytener – übrigens die jüngsten Teilnehmer im Wettbewerb – wollen es aber nicht bei einem einmaligen Einsatz belassen. Technik-Lehrer Dieter Schmidt plant für sein Team schon weiter: „Wir wollen Messgeräte für die Schule bauen.“ Die Sensoren sollen dafür im Frühjahr einem zweiten Test in luftiger Höhe ausgesetzt werden. Gemeinsam mit einer Schweizer Schule wird ein Wetterballon gestartet.

Von so viel junger Ingenieurskunst ist auch Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD) begeistert. Er verfolgte die Raketenstarts vom Flugzeughangar aus sicherer Entfernung. Auch wenn dieses Mal kein Team aus der Kreisstadt dabei ist, sieht er den Wettbewerb als Glücksfall an: „Das ist beste Werbung für Rotenburg und den Flugplatz.“

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